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05.12.2017

13:55 Uhr

Wer im Internet nach Quokka-Selfies sucht, bekommt Tausende von Fotos angezeigt. Instagram will die Zahl der Bilder nun durch einen Hinweis reduzieren – und damit auch den Stress für die Tiere. Screenshot Google

Instagram will Tiere vor Selfies schützen

Wer im Internet nach Quokka-Selfies sucht, bekommt Tausende von Fotos angezeigt. Instagram will die Zahl der Bilder nun durch einen Hinweis reduzieren – und damit auch den Stress für die Tiere.

Hinweis zu Tierschutz

Kein Kuscheln mit Quokkas auf Instagram

VonNora Sonnabend

Kuscheln mit Quokkas, schmusen mit Koalas – Tierschützer kritisieren Wildtier-Selfies und wollen ihnen ein Ende setzen. Auf die überproportionale Zunahme dieser Fotos reagiert jetzt auch Instagram. Jedoch nur ein wenig.

DüsseldorfBesondere Erlebnisse durch Fotos mit der Öffentlichkeit zu teilen, ist längst Normalität geworden und ist das Instagram-Geschäftsmodell. Damit die Authentizität des Erlebten nicht angezweifelt wird, rücken sich viele Mitglieder des sozialen Netzwerks am liebsten selbst ins Bild – und fotografieren sich dabei immer häufiger mit wilden Tiere: Ein Koala- oder Quokka-Selfie beim Work-and-travel-Trip in Australien muss es schon sein.

Was für junge Erwachsene eine schöne Erinnerung ist, bedeutet für die Tiere aber großen Stress. Instagram hat daher am Donnerstag angekündigt, Wildtiere ab sofort durch einen entsprechenden Hinweis vor Selfies schützen zu wollen.

Wer den Hashtag #Quokkaselfie bei Instagram eingibt, findet über 17.200 öffentliche Beiträge. Seit Donnerstag können diese Bilder aber nicht sofort aufgerufen werden. Zunächst erscheint ein Hinweis zu Tier- und Umweltschutz. „Tierquälerei sowie der Verkauf gefährdeter Spezies oder deren Körperteile ist auf Instagram untersagt“, heißt es. „Du suchst gerade nach einem Hashtag, der möglicherweise zu Tierquälerei oder zur Zerstörung der Umwelt ermutigt.“ Außerdem wird auf den Hilfebereich von Instagram verlinkt, in dem über Wildtier-Missbrauch informiert wird. „Die Zerstörung der Umwelt zu riskieren ist es nie wert, ein paar Likes zu bekommen“, heißt es in dem Text. Bisher ist er nicht auf deutsch verfügbar.

Wer im Internet nach Quokka-Selfies sucht, bekommt Tausende von Fotos angezeigt. Instagram will die Zahl der Bilder nun durch einen Hinweis reduzieren – und damit auch den Stress für die Tiere. Screenshot Google

Instagram will Tiere vor Selfies schützen

Wer im Internet nach Quokka-Selfies sucht, bekommt Tausende von Fotos angezeigt. Instagram will die Zahl der Bilder nun durch einen Hinweis reduzieren – und damit auch den Stress für die Tiere.

Wie Instagram am Donnerstag in einem Text auf dem Presse-Blog des Unternehmens mitteilte, soll dieser Hinweis ab sofort erscheinen, wenn bestimmte Hashtags zu Wildtier-Selfies in die Suche eingegeben werden. Eine Stichprobe des Handelsblatts ergab, dass dies auch beim Hashtag #koalaselfie (3.200 Beiträge), #tigerselfie (4.974 Beiträge) und #lionselfie (4.155 Beiträge) der Fall ist, bisher aber zum Beispiel nicht beim Hashtag #elephantselfie. Dabei tauchen unter diesem über 11.580 Beiträge auf.

Soziale Netzwerke werden immer wieder mit der Frage konfrontiert, wie sie mit Inhalten, die Nutzer hochladen und der Verantwortung für diese Inhalte umgehen sollen. Erst kürzlich startete Facebook ein Pilotprojekt gegen den Missbrauch von Nacktfotos, Youtube kämpft gegen Videos, die Kinder unangemessen zur Schau stellen. Häufig reagieren Netzwerke damit auf öffentliche Kritik. So hatten Lidl, die Deutsche Bank, Mars und andere Marken Werbekampagnen auf Youtube ausgesetzt, weil sie neben Videos von spärlich bekleideten Kindern zu sehen waren, kommentiert von hunderten Pädophilen.

Instagram reagiert vermutlich auch auf eine Studie der britischen Tierschutz-Organisation World Animal Protection, die vor Wildtier-Selfies warnt. Um 292 Prozent sei die Zahl der Selfies mit Wildtieren von Juni 2014 bis Juni 2017 auf Instagram, Facebook und Twitter gestiegen. 40 Prozent davon bewertet die Organisation als „schlechte“ Selfies – das heißt, jemand hält das Tier zum Beispiel fest oder umarmt es. Besonders oft werden Faultiere auf Selfies umarmt oder gehalten. Auf 70 Prozent der Selfies mit Faultieren ist dies der Fall.

Um Wildtier-Selfies auszuwerten, beobachtete World Animal Protection unter anderem typische Stichworte und nutzte automatische Bilderkennung. Insgesamt wurden 133.344 Bilder untersucht. Die am meisten von Selfies bedrohten Tiere sind demnach Delfine, Koalas, Tiger, Löwen, Affen, exotische Vögel und Faultiere. Am meisten werden aber Elefanten fotografiert, sie sind auf 18 Prozent der Wildtier-Fotos zu sehen.

Instagram warnt Nutzer, die nach bestimmten Hashtags zu Wildtier-Selfies suchen, und gibt ihnen einen Hinweis zum Tierschutz. Instagram

Hinweis auf Instagram

Instagram warnt Nutzer, die nach bestimmten Hashtags zu Wildtier-Selfies suchen, und gibt ihnen einen Hinweis zum Tierschutz.

World Animal Protection prangerte an, dass es bei Instagram keine Tierschutz-Hinweise in den Gemeinschaftsrichtlinien gebe und rief das Netzwerk auf, dies zu ändern. Die Studie prangert auch das Verhalten bekannter Persönlichkeiten bei Instagram an, die das Potential haben, eine Milliarde Aufrufe hervorzurufen und Tiermissbrauch damit gewissermaßen zu normalisieren. Kim Kardashian (103 Millionen Follower) posiert mit einem Elefanten, Justin Bieber (92 Millionen Follower) streichelt einen Tiger, Khloe Kardashian (69 Millionen Follower) kuschelt mit einem Affen.

Die meisten der Wildtier-Selfies werden der Untersuchung zufolge in Australien gemacht oder veröffentlicht (35 Prozent). 27 Prozent in den USA, zwölf Prozent in Thailand und zehn Prozent in Großbritannien. Im Amazonas hat World Animal Protection eine Fallstudie durchgeführt. Bei 94 Prozent aller überprüften Exkursionen im brasilianischen Manaus wurde Touristen angeboten, ein Foto zu machen, auf dem sie ein Tier halten oder berühren.

Darüber will Instagram nun informieren: Im Informationstext heißt es, Nutzer sollten skeptisch sein, wenn sie Geld für ein Foto mit einem Tier zahlen sollen. Ob das die Zahl der Wildtier-Selfies jedoch wirklich reduziert, ist fraglich. Mit einem Klick auf „Beiträge anzeigen“, kann jeder trotz Hinweis die Quokka-Selfies ansehen. Und auch, wenn ein Foto mit dem Hashtag #Quokkaselfie hochgeladen wird, erscheint kein Warnhinweis.

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