Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

09.02.2005

11:57 Uhr

IBM, Sony und Toshiba entwickeln Prozessor für Multimediageräte mit der zehnfachen Leistung heutiger PCs

Cell-Chip als Turbo für Videospiele

VonThomas Nonnast

Ein neuer Prozessor-Chip sorgt als „Supercomputer in Briefmarkengröße“ für Aufsehen in der Technologiebranche. Unter dem Codenamen „Cell“ haben die Elektronikriesen Sony und Toshiba zusammen mit dem Computerkonzern IBM auf der ISSCC-Konferenz in San Francisco Details über einen Chip vorgestellt, der bis zu zehn Mal schneller arbeiten soll als aktuelle PC-Prozessoren.

FRANKFURT/M. Er soll bereits ab 2006 vor allem bei neuen Geräten für Computerspiele und Videostreaming zum Einsatz kommen. Die Entwickler haben dafür 234 Millionen Transistoren in acht Prozessorkernen (CPU) auf dem Prozessor untergebracht. Damit kann der 64-Bit-Prozessor im Unterschied zu heutigen PC-Prozessoren gleichzeitig mit mehreren unterschiedlichen Betriebssystemen arbeiten. In Labortests hat der „Cell“ dabei Höchstgeschwindigkeiten von bis zu vier Gigahertz (Milliarde Takte pro Sekunde) erreicht.

Damit schlägt er zwar nebenbei den mit 3,8 Gigahertz schnellsten PC-Prozessor. Doch die im Vergleich etwas schnellere Taktung ist nicht das eigentliche Geheimnis des neuen Elektronenhirns. „Der ,Cell‘ ist dafür entwickelt worden, möglichst große Datenmengen kontinuierlich durch den Prozessor zu schleusen“, erläutert Hans-Peter Roth, Leiter der Prozessorenentwicklung im IBM-Entwicklungszentrum in Böblingen. Roth und ein 40köpfiges IBM-Entwicklerteam aus Elektroingenieuren, Informatikern und Mathematikern haben Teile des neuen Prozessors in der Nähe von Stuttgart entwickelt und nach Texas geliefert, wo der „Cell“ in den vergangen vier Jahren von IBM, Sony und Toshiba zusammen entwickelt wurde.

Der Kniff der neuen Architektur besteht darin, „Teile der bisherigen Grafikkarte im Prozessor unterzubringen“, sagt Roth. Dadurch können Grafikdaten zur selben Zeit transportiert und gerechnet werden. Und dabei schafft der neue Chip Leistungen, die bisher ausschließlich Supercomputern vorbehalten waren, die in der Industrie und Wissenschaft zum Einsatz kommen.

Bis zu 16 Teraflops (Billionen Rechenschritte in der Sekunde), so eine Schätzung von IBM, kann eine Profimaschine zur Videobearbeitung mit Hilfe mehrerer Cell-Prozessoren erreichen. Das wäre etwa die halbe Leistung des japanischen „Earth Simulator“ – bis vergangenes Jahr immerhin der größte Supercomputer der Welt.

Doch der Vergleich hinkt, denn anders als herkömmliche PC-Prozessoren ist der neue Chip für die Verarbeitung von Multimediadaten geeignet und nicht für den Einsatz im Rechenzentrum ausgelegt. „Man kann auch die erreichten Geschwindigkeiten auf einer Carrera-Rennbahn im Wohnzimmer nicht ohne weiteres auf die Formel Eins hochrechnen“, sagt ein IBM-Sprecher.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×