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30.11.2017

15:37 Uhr

„Ich habe das nicht mit Absicht gemacht“

Dieser Deutsche deaktivierte Trumps Twitter-Account

Elf Minuten lang war Donald Trumps Twitter-Account Anfang November offline. Nun outet sich der ehemalige Twitter-Mitarbeiter, der ihn deaktivierte. Er kommt aus Deutschland – und will es nicht mit Absicht gemacht haben.

„Ich habe das nicht mit Absicht gemacht“, sagt der ehemalige Twitter-Mitarbeiter aus Deutschland. Screenshot Youtube

Bahtiyar Duysak im „Techcrunch“-Interview

„Ich habe das nicht mit Absicht gemacht“, sagt der ehemalige Twitter-Mitarbeiter aus Deutschland.

DüsseldorfAls er an seinem letzten Arbeitstag den Computer ausschaltete, ahnte Bahtiyar Duysak nicht, was er kurz vor Feierabend mit wenigen Klicks noch in Gang gesetzt hatte. Erst Stunden später erfuhr er von einer entfernten Bekannten und dann detaillierter aus den Medien: Der Twitter-Account des Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika war deaktiviert worden. Elf Minuten lang. Und mit ziemlich großer Wahrscheinlichkeit mit Duysaks Zutun.

Dass Donald Trump am 2. November auf Twitter für elf Minuten zum Schweigen gebracht wurde, freute einige Nutzer. Schließlich sind viele seiner Tweets provokant und sehr umstritten. Twitter selbst jedoch reagierte kleinlaut auf den Vorfall: „Wir werden Schritte einleiten, damit das nicht wieder vorkommt.“

Die US-Internetseite „Techcrunch“ hat den Mitarbeiter, der die Schritte zur Deaktivierung von Trumps Twitter-Account einleitete, nun ausfindig gemacht. Bahtiyar Duysak, Mitte 20 Jahre, türkische Wurzeln, in Deutschland geboren und aufgewachsen, habe einen befristeten Vertrag bei Twitter in San Francisco gehabt und lebe nun wieder in Deutschland. Techcrunch gab er ein Interview.

„Ich habe das nicht mit Absicht gemacht“, sagt Duysak in einem Video, das Techcrunch veröffentlichte. „Es war ein Fehler. Ich entschuldige mich aufrichtig, falls ich jemanden verletzt habe. Ich hatte eine wilde Zeit in Amerika, und ich war manchmal müde.“ Wie es genau dazu kam, erklärt er in dem Video nicht. Jedoch glaube er, es sei eine Verkettung von Zufällen gewesen.

Offenbar arbeitete Duysak unter anderem im Kundenservice, heißt es bei Techcrunch. Dort war er dafür zuständig, Meldungen von Nutzern zu unangemessenen Tweets und Twitter-Accounts zu bearbeiten. Der Kundenservice erhält unter anderem Informationen zu Tweets, die Nutzer als beleidigend, als Belästigung oder als illegal einstufen. Wenn ein Account gemeldet wird, wird ein längerer Prozess zur Deaktivierung in Gang gesetzt, den Duysak offenbar auch im Fall von Trumps Account einleitete.

„Ich habe mich nirgendwo eingehackt und keine Seiten aufgerufen, die ich nicht aufrufen darf“, sagt Duysak in dem Video. „Ich habe gegen keine Regel verstoßen.“ Mehrfach betont er in dem Video, es sei ein Versehen gewesen.

Viele glaubten am 2. November nicht unbedingt an einen Zufall. Immer wieder werden Tweets von US-Präsident Trump kritisiert. Erst in der Nacht auf Freitag richtete er sich in einem Tweet an die britische Premierministerin Theresa May und forderte sie auf, den Islamismus in Großbritannien zu bekämpfen.

Obwohl Trumps Tweets häufig nicht den Twitter-Richtlinien entsprechen, hätten sie doch „Nachrichtenwert“ und seien von öffentlichem Interesse, hatte das Unternehmen bereits im Juni mitgeteilt. Damals hatte es Kritik an einem Tweet gegeben, den Trump an Nordkorea richtete.

Dass er den Friedensnobelpreis verdient habe, weil er Trump zum Verstummen brachte, bezweifelt Bahtiyar Duysak. Einige Nutzer hatten dies vorgeschlagen. Wieso er mit dem Techcrunch-Interview trotzdem an die Öffentlichkeit gegangen ist? „Ich möchte mein normales Leben weiterführen und nicht mehr von den Medien verfolgt werden“, sagt er.

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