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30.08.2012

10:41 Uhr

IFA

Rekordzahlen und Finanzsorgen

Unter dem Berliner Funkturm dreht sich ab heute wieder alles um Fernseher, Stereoanlagen, Smartphones und Waschmaschinen. Diesmal bringen viele große Hersteller aber neben neuen Geräten auch finanzielle Sorgen mit.

Das Zauberwort ist 'smart'

Video: Das Zauberwort ist 'smart'

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BerlinDas Geschäft mit Fernsehgeräten in Deutschland boomt zum Start der Technik-Messe IFA wie nie zuvor. Mit 10,2 Millionen verkauften Flachbild-Fernsehern in diesem Jahr werde mehr als jeder vierte Haushalt ein neues Gerät anschaffen, ergab eine Branchenstudie. Damit koppelt sich Deutschland deutlich von der Entwicklung in vielen anderen Ländern ab, wo das Geschäft unter anderem von der Euro-Schuldenkrise belastet wird. Vor allem die japanischen Branchenriesen hatten zuletzt wenig Grund zur Freude: Absatzprobleme und der starke Yen stürzten sie tief in die roten Zahlen.

Bei der Funkausstellung dürfte aber wie immer das Schlaglicht auf neue Geräte die wirtschaftlichen Probleme in den Hintergrund drängen. In diesem Jahr stehen vor allem Smart TVs im Mittelpunkt - Fernseher mit Internet-Anschluss. Sie ermöglichen die bequemere Verknüpfung von klassischem Fernsehen mit Online-Angeboten wie Sender-Mediatheken.

Die wichtigsten Begriffe der IFA kurz erklärt:

Smart TV

Es geht um einen Fernseher mit Internet-Anschluss. Die Idee ist, dass der Zuschauer auf seinem Smart TV nahtlos zwischen TV-Sendungen und Online-Angeboten umschalten kann. Im vergangenen Jahr war auf der IFA eher von dem Format HbbTV (Hybrid Broadcast Broadband TV) oder Hybrid-TV die Rede, wenn es um das Verschmelzen von traditionellem Fernsehempfang und Online-Video ging. Die knappere Bezeichnung Smart TV hat sich aber durchgesetzt.

OLED

Es ist eine Display-Technik mit organischen Elementen, die große Vorteile gegenüber den heute dominierenden LCD-Bildschirmen bietet. Das Bild ist kontrastreicher, zudem sind OLED-Displays nur wenige Millimeter dünn. Das hat allerdings auch seinen Preis: Obwohl die Hersteller die Kosten in den vergangenen Jahren deutlich senken konnten, sind die ersten großen OLED-Fernseher in diesem Jahr vielfach teurer als LCD-Geräte.

CI+

Diese Technik wird immer häufiger für den Empfang digitaler Programme benötigt. Es ist eine Weiterentwicklung der weitverbreiteten „Common-Interface“-Schnittstelle - aber mit erheblichen Einschränkungen für die Zuschauer. So können die Anbieter verhindern, dass Sendungen aufgezeichnet werden oder den Zeitraum beschränken, in denen man sich die Aufnahmen ansehen kann.

HDMI

Die alten SCART-Kabel haben in Zeiten der Fernsehbilder in hoher Auflösung ausgedient. Wer seinen Blu-Ray-Player oder HD-Empfänger mit ordentlicher Qualität an den Flachbild-Fernseher anschließen will, kommt ohne HDMI (High-Definition Multimedia Interface) nicht aus. Dazu gehört auch der Kopierschutz HDCP.

Streaming

Internet-Inhalte wie Musik oder Filme werden beim Streaming (Strömen) nicht komplett auf eine Festplatte heruntergeladen, sondern direkt aus dem Netz abgespielt. Der Vorteil: Keine Ladezeiten. Der Nachteil: Man braucht eine schnelle und stabile Internet-Verbindung.

Außerdem ist die neue Bildschirmtechnik OLED, die für kontrastreichere und schärfere Bilder sorgen soll, jetzt auch in größeren Fernsehgeräten zu finden. So zeigen die südkoreanischen Hersteller Samsung und LG Electronics OLED-Fernseher mit einer Bildschirmdiagonale von 55 Zoll (knapp 140 cm). Bisher kamen solche Displays eher in kleineren Geräten wie Handys zum Einsatz, weil sie viel teurer waren. Obwohl es inzwischen gelungen ist, die Kosten deutlich zu drücken, bedeutet OLED immer noch einen kräftigen Aufpreis: Das LG-Gerät soll rund 10 000 Euro kosten. Dafür sind die neuen Displays auch viel dünner, sie sind zum Teil nur noch vier Millimeter dick.

Die Smartphones und Tablets rücken auch immer mehr auf die IFA-Stände vor. Zum einen sind Apps auf ihnen immer häufiger eine Alternative zur klassischen Fernbedienung. Zum anderen geht es um Lösungen, mit denen man Filme und Sendungen nahtlos auf mobilen Geräten weitersehen kann. Für das Publikum hat die IFA vom 31. August bis zum 5. September geöffnet.

Die mehr als zehn Millionen verkauften TV-Geräte in Deutschland in diesem Jahr bedeuten einen drastischer Absatzsprung. Seit der Wiedervereinigung habe die Branche bislang im Schnitt rund 5 bis 6 Millionen Geräte pro Jahr abgesetzt, sagte Michael Schidlack, Bereichsleiter beim IT-Verband Bitkom am Mittwoch.

Neuvorstellung

Samsungs Galaxy Note II

Neuvorstellung: Samsungs Galaxy Note II

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Doch die steile Wachstumskurve dürfte sich nicht halten lassen, so die Marktbeobachter. Die Ausstattung der Haushalte mit modernen Flachbildfernsehern werde bis 2016 auf 98 Prozent steigen und damit auf einen gesättigten Markt hinsteuern. Den Austauschzyklus berechnen die Marktbeobachter mit 7,5 Jahren. Die Studie wurde am Mittwoch zum IFA-Start von der Beratungsfirma Deloitte in Zusammenarbeit mit dem Bitkom, dem EITO und der GfK vorgestellt.

Mit einem jährlichen Umsatzvolumen von 6,3 Milliarden Euro steuern Flachbildfernseher rund die Hälfte des Umsatzes der klassischen Unterhaltungselektronik bei, so die Schätzungen. Mit den klassischen Produkten könnten allerdings seit 2009 keine Umsatzzuwächse mehr gemacht werden. Die Marktbeobachter von EITO erwarten in diesem Jahr in Deutschland einen Umsatz von 12,9 Milliarden Euro und damit eine Steigerung um 2,3 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

Die IFA ist seit April ausgebucht. Die Fläche legte in diesem Jahr mit rund 143 200 Quadratmetern noch einmal um 4 Prozent zu.

Die südkoreanischen Hersteller Samsung und LG Electronics zeigen auf der IFA OLED-Fernseher mit einer Bildschirmdiagonale von 55 Zoll. dapd

Die südkoreanischen Hersteller Samsung und LG Electronics zeigen auf der IFA OLED-Fernseher mit einer Bildschirmdiagonale von 55 Zoll.

Von

dpa

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