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03.09.2012

13:22 Uhr

IFA

Von allem ein bisschen

Philips ist auf der Suche nach dem richtigen Weg. Pieter Nota, Chef der Konsumgütersparte, versucht sich als Wegweiser. Er verkleinert das Produktangebot und stellt unprofitable Bereiche neu auf.

Nicht nur in der Konsumgütersparte wird bei Philips umgebaut. Reuters

Nicht nur in der Konsumgütersparte wird bei Philips umgebaut.

BerlinWer in diesen Tagen auf der Internationalen Funkausstellung (IFA) in Berlin am Philips-Stand vorbeischaut, bekommt zunächst vor allem eines zu sehen: Fernseher. Ob internetfähige Geräte für den vollen Unterhaltungsspaß im Wohnzimmer oder Modelle mit 3-D-Technologie für Spielefans, für jeden Geschmack ist etwas dabei. Die TV-Geräte nehmen einen ziemlich großen Raum ein, obwohl sich Philips im April dieses Jahres doch eigentlich aus dem Geschäft verabschiedet hat.

Preisdruck durch Billiganbieter

"Der Fernsehbereich spielt nach wie vor eine wichtige Rolle für unsere Marke", sagt aber Pieter Nota, Chef der Philips-Konsumgütersparte, im Gespräch mit dem Handelsblatt. Mit dem gut bestückten Stand auf der IFA will Philips zeigen, dass der Konzern zu seinem noch relativ jungen Gemeinschaftsunternehmen mit dem Namen TP Vision steht. Seit 2007 hatte sich der operative Verlust der TV-Sparte auf gut 1,2 Milliarden Euro angehäuft, bis Philips-Chef Frans van Houten schließlich einen Schlussstrich darunter zog und sich für die Gründung des Joint Ventures mit dem chinesischen Partner TPV Technology entschied. Die Niederländer halten daran 30 Prozent, TPV 70 Prozent. "Selbst unsere Konkurrenten erkennen mittlerweile an, dass wir eine gute Lösung für dieses wettbewerbsintensive Geschäftsfeld gefunden haben", sagt Nota. Philips könne die Kosten drastisch senken, da TPV in der Fertigung sehr effizient arbeite. "Wir sind optimistisch, dass das Geschäft künftig profitabel sein wird."

Die wichtigsten Begriffe der IFA kurz erklärt:

Smart TV

Es geht um einen Fernseher mit Internet-Anschluss. Die Idee ist, dass der Zuschauer auf seinem Smart TV nahtlos zwischen TV-Sendungen und Online-Angeboten umschalten kann. Im vergangenen Jahr war auf der IFA eher von dem Format HbbTV (Hybrid Broadcast Broadband TV) oder Hybrid-TV die Rede, wenn es um das Verschmelzen von traditionellem Fernsehempfang und Online-Video ging. Die knappere Bezeichnung Smart TV hat sich aber durchgesetzt.

OLED

Es ist eine Display-Technik mit organischen Elementen, die große Vorteile gegenüber den heute dominierenden LCD-Bildschirmen bietet. Das Bild ist kontrastreicher, zudem sind OLED-Displays nur wenige Millimeter dünn. Das hat allerdings auch seinen Preis: Obwohl die Hersteller die Kosten in den vergangenen Jahren deutlich senken konnten, sind die ersten großen OLED-Fernseher in diesem Jahr vielfach teurer als LCD-Geräte.

CI+

Diese Technik wird immer häufiger für den Empfang digitaler Programme benötigt. Es ist eine Weiterentwicklung der weitverbreiteten „Common-Interface“-Schnittstelle - aber mit erheblichen Einschränkungen für die Zuschauer. So können die Anbieter verhindern, dass Sendungen aufgezeichnet werden oder den Zeitraum beschränken, in denen man sich die Aufnahmen ansehen kann.

HDMI

Die alten SCART-Kabel haben in Zeiten der Fernsehbilder in hoher Auflösung ausgedient. Wer seinen Blu-Ray-Player oder HD-Empfänger mit ordentlicher Qualität an den Flachbild-Fernseher anschließen will, kommt ohne HDMI (High-Definition Multimedia Interface) nicht aus. Dazu gehört auch der Kopierschutz HDCP.

Streaming

Internet-Inhalte wie Musik oder Filme werden beim Streaming (Strömen) nicht komplett auf eine Festplatte heruntergeladen, sondern direkt aus dem Netz abgespielt. Der Vorteil: Keine Ladezeiten. Der Nachteil: Man braucht eine schnelle und stabile Internet-Verbindung.

Das TV-Geschäft ist aber nur ein Beispiel dafür, wie schwer sich Philips in der Unterhaltungselektronik tut. Unter anderem setzt der Preisdruck durch asiatische Billiganbieter den Niederländern zu. Hinzu kommt, dass die wegweisenden Innovationen vergangener Zeiten inzwischen ausbleiben. So hatte Philips in den 80er-Jahren die Compact Disc (CD) auf den Markt gebracht. Solche Weltneuheiten kann der Konzern derzeit nicht bieten.

Stattdessen kündigte Konzernchef van Houten im Juli an, auch Lösungen für das schwierige Geschäft mit Audiogeräten zu suchen. MP3- und auch DVD-Player sind mittlerweile Produkte ohne Wachstumspotenzial. "Um die Kosten am Ende des Produktlebenszyklus zu senken, wollen wir verstärkt Vertriebspartnerschaften eingehen", erklärt Nota. Als Vorbild gilt eine Kooperation mit Funai in den USA. Die Japaner vertreiben für Philips neben Fernsehern inzwischen auch Hi-Fi-Geräte und Lautsprecher.

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