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14.03.2006

17:25 Uhr

Internet-Auktion

Thüringer Schnee unter dem Hammer

Nichts ist unmöglich: Dass sich in Zeiten des Internets sogar Schnee versteigern lässt, bewies am Dienstag das südthüringische Steinach. Bei einer Jux-Auktion im Internet versteigerte der 4 700-Seelen-Ort im Thüringer Schiefergebirge acht LKW-Ladungen Schnee für insgesamt mehr als 2 000 Euro.

Schneeversteigerung dpa

Die Bürgermeisterin der Gemeinde Steinach, Maria Greiner, hat Schnee im Internet versteigert.

dpa STEINACH. Zehn Kubikmeter direkt vom Marktplatz waren einem Internet-Modehaus aus Frankfurt/Main allein 1 420 Euro wert. Der Erlös aus der Versteigerung und zahlreiche Spenden komme „ohne Umwege“ der Kinderkrebshilfe zugute, versicherte Steinachs Bürgermeisterin Maria Greiner.

Die Idee habe sie „irgendwann nachts“ gehabt, sagte Greiner am Dienstag bei einer Party zum Abschluss der Auktion mit hunderten Gästen auf dem Markt. „Das war reiner Zufall - wie vieles im Leben.“ Von Schnapsidee will die resolute Stadtchefin nichts hören: „Die Idee war doch Gold wert.“ Hinter allem stehe die Freude am Helfen und Humor. „Es heißt immer, hier jammern alle - dabei waren die Reaktionen sehr herzlich und fröhlich.“ Mit Spenden werde die Stadt wohl 4 000 Euro an die Kinderkrebshilfe überweisen können.

Die Party auf dem Steinacher Markt entwickelte sich zu einer Mischung aus Stadtfest und Karneval. Gleich mehrere „Frau Holles“ waren zu entdecken und „Scheichs“, die Schnee für Dubai kaufen wollten. Bagger schaufelten Schnee in Laster, Kinder warfen Schneebälle hinterher.

„Inzwischen weiß ich, wo Steinach liegt“, sagte ein Mitarbeiter des Internet-Modehauses, das den Zuschlag für die Hauptlieferung erhielt. Seine Firma wolle die Sommermode von Models auf Schnee präsentieren lassen, verriet er.

„Schnee - blütenweiß, locker, ohne jegliche Gebrauchsspuren, frisch von oben - und das ohne Ende“, so hatte Steinach seine weiße Pracht im Netz angeboten. „Jeder Segen kann zum Fluch werden“, sagte Greiner mit Blick auf 100 000 Euro, die ihr Ort in diesem Jahr schon für den Winterdienst ausgeben musste. „Aber natürlich sind wir hier eigentlich schneeverrückt. Wir leben ja auch davon.“

Das Internet-Auktionshaus ebay ist ungewöhnliche Versteigerungen inzwischen gewohnt. „Die Leute sind schon sehr kreativ“, sagte Sprecherin Maike Fuest. Es komme auch schon mal vor, dass halbe Käsebrötchen versteigert würden. Die Steinacher Idee sei aber schon „sehr witzig“. Ob schon mal Schnee versteigert wurde, könne sie bei zig Mill. Artikeln nicht sagen. Angeblich soll nach dem Thüringer Schnee aber auch Schnee aus Sachsen im Netz aufgetaucht sein.

Steinach wartet nun darauf, dass die Sieger der Auktion ihren Schnee auch abholen. „Für die nächsten drei Wochen haben wir noch genug da - jeder kann etwas haben“, sagte Greiner, die ihrer Stadt mit der außergewöhnlichen Aktion so etwas wie ein Abschiedsgeschenk machte: Nach 16 Jahren gibt sie ihr Amt im Sommer aus Altersgründen ab. „So etwas habe ich hier in der ganzen Zeit nicht erlebt.“

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