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27.02.2013

11:04 Uhr

Internet-Speicher

So prüde ist die Cloud

VonAxel Postinett

Fast alle Anbieter von Internet-Speichern haben strikte Richtlinien, was „unangemessene“ Inhalte betrifft. Zu viel nackte Haut auf dem zu speichernden Urlaubsfoto kann da fatale Folgen haben: Es droht der Daten-GAU.

Zu viel nackte Haut auf dem Urlaubsfoto kann zum Daten-GAU führen. dpa

Zu viel nackte Haut auf dem Urlaubsfoto kann zum Daten-GAU führen.

San FranciscoRund ein Viertel aller Smartphone- oder Tablet-Besitzer hat recht intime Fotos auf den mobilen Begleitern. Das geht vom schnellen Selbstportrait im Badezimmer bis zur rauschenden Partynacht im Hotelzimmer mit der Zufallsbekanntschaft aus dem Nightclub. So weit, so gut – offensichtlich gibt es für manche Menschen kaum Berührungsängste zwischen der digitalen und realen Welt.

Das vermeintliche Sicherheitsgefühl könnte damit zu tun haben, dass nur die wenigsten ihre privaten Bilder mit anderen teilen wollen. Jeder hofft auf die Verschwiegenheit des Flashspeichers: What happens in Vegas stays in Vegas. Doch wie sicher sind solche sehr persönlichen Daten auf dem mobilen Alltagsbegleiter wirklich?

Vor- und Nachteile des Cloud Computing

Kosten

Wenn ein Unternehmen seine Kundendatenbank nicht im eigenen Rechenzentrum pflegt, sondern einen Online-Dienst wie Salesforce.com nutzt, spart es sich Investitionen in die Infrastruktur. Die Abrechnung erfolgt außerdem zumeist gestaffelt, zum Beispiel nach Nutzerzahl oder Speicherverbrauch. Geschäftskunden erhoffen sich dadurch Kosteneinsparungen.

Skalierbarkeit

Wer Speicherplatz im Netz mietet, kann flexibel auf die Nachfrage reagieren und den Bedarf unkompliziert und schnell erhöhen oder versenken. Wenn beispielsweise ein Startup rasant wächst, fährt es einfach die Kapazitäten hoch. Somit fallen auch niedrige Fixkosten an.

Einfachheit

Die Installation auf den eigenen Rechnern entfällt. Damit lässt sich ein neues System äußerst schnell einführen. Auch die Updates bereiten keine Probleme mehr, somit sinkt der Administrationsaufwand. Allerdings lassen sich die Cloud-Dienste in der Regel auch nicht so individuell konfigurieren.

Ortsunabhängigkeit

Zur Nutzung der Cloud-Dienste benötigen Mitarbeiter lediglich einen Internetanschluss – unabhängig von ihrem Aufenthaltsort und dem Gerät, das sie nutzen.

Sicherheit

Die Daten-Dienstleister werben damit, dass sie sich intensiver mit der IT-Sicherheit beschäftigen als einzelne Nutzer oder Unternehmen. Allerdings sind die Rechenzentren der Cloud-Anbieter aufgrund der große Datenmenge auch ein attraktives Ziel für Angreifer von Hackern. Auch Geheimdienste zeigen großes Interesse. Zudem ist von außen schwer nachzuvollziehen, ob der Anbieter die Daten ausreichend vor den eigenen Mitarbeitern schützt. Die Auslagerung bedeutet somit einen Kontrollverlust.

Abhängigkeit

Viele Unternehmen sind von ihrem Dienstleister abhängig, weil sie nicht ohne weiteres zu einem anderen Anbieter wechseln können. Das liegt etwa daran, dass sie ihre Systeme aufwendig an die Schnittstellen anpassen müssen. Auch Nutzer haben oft Schwierigkeit, wenn sie mit ihren Daten den Anbieter wechseln wollen. Eine weitere Frage: Was ist, wenn der Betreiber eines Dienstes pleite geht? Erst wenn es Standards gibt, die den Wechsel von einem zum anderen Dienstleister ermöglichen, sinkt die Abhängigkeit.

Vom simplen Verlust oder Diebstahl wollen wir hier gar nicht reden. Die Schweißausbrüche bei jedem, der dann kein Passwort auf dem Startbildschirm gesetzt hat, sind leicht vorstellbar. Oder was ist, wenn das gute Stück aufgibt und in die Werkstatt muss? Wehe, wenn es wieder funktioniert und der Falsche mal so über den Speicher schaut - und das kopiert, was er gerne sieht.

Von Android über iPhone bis Microsofts Windows Phone bieten zudem immer mehr der nützlichen kleinen Helfer die Möglichkeit, Schnappschüsse direkt ohne Nachfrage in der Cloud abzuspeichern. Das ist bequem und verteilt, zum Beispiel bei Apples iCloud oder Microsofts Skydrive, die Bilder direkt auf alle angeschlossenen Geräte bis hin zum PC.

Facebook bietet die Option alle Schnappschüsse in den Dienst auf einen privaten Ordner hochzuladen und dann irgendwann mal diejenigen freizugeben, die man teilen möchte. So mancher hat diese Funktionen aktiviert.

Das geht so lange gut, bis man das in der Hitze des Gefechts einmal vergisst und fleißig den Auslöser drückt. Praktisch alle Betreiber von Internet-Speichern haben strikte Richtlinien, was „unangemessene“ Inhalte betrifft. Werden diese gefunden, droht eine sofortige Sperrung des Wolkenspeichers. Mit allem, was drin ist.

Kommentare (12)

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27.02.2013, 11:14 Uhr

Wer seine Daten und sein Datenmanagment Fremden anvertraut (outsourced), so daß er die Kontrolle darüber verliert, ist selber schuld und verdient was er bekommt. Das sollte eine "Kernkompetenz" bleiben, ob privat oder geschäftlich.

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27.02.2013, 11:23 Uhr

Genau so ist es! Die ganze Cloud-Welle ist mir ein Rätsel.

Da brauche ich keinen Virenscanner, keine Firewall mehr. Schon die private Firewall ist für bestimmte Kräfte kaum noch ein Hinderniss.
Pribat gehören alle relevanten Daten auf einen nicht am Netz hängenden Datenspeicher, auch wenn das manchmal ein wenig umständlich ist.

Und als Firma kann ich die Konkurrenz auch gleich ins Haus bitten; und nicht nur die, in deren Land der Server steht.

Account gelöscht!

27.02.2013, 11:40 Uhr

Der ganze Cloud-Quatsch ist ein riesiger Marketing-Coup.

Man kann das gleiche erreichen, indem man einen eigenen Server im Wohnzimmer laufen lässt und ihn via DynDNS von überall zugänglich macht. Oder wem das zuviel Strom und Lärm ist, der Mietet sich für 9 Euro irgendwo einen eigenen virtuellen Root-Server. Da hat man volle Kontrolle!

Wer so blöde ist auf den Cloud Unfug von MS, Apple und Co abzufahren ist selber schuld wenn irgendwann die Polizei vor der Haustüre steht.

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