Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

22.09.2011

11:39 Uhr

Internet

Twitter ätzt über den Papst

Die katholische Kirche versucht sich zum Papst-Besuch in einer Social-Media-Strategie. Doch damit betritt sie quasi feindliches Gebiet – junge Netzaffine können mit dem Papst (fast) nichts anfangen.

Protest gegen den Besuch des Papstes in Deutschland bei einer Demonstration in Berlin. Auf Twitter wird der Besuch des katholischen Kirchenoberhaupts überwiegend kritisch kommentiert. dapd

Protest gegen den Besuch des Papstes in Deutschland bei einer Demonstration in Berlin. Auf Twitter wird der Besuch des katholischen Kirchenoberhaupts überwiegend kritisch kommentiert.

Die Mehrzahl der im Netz aktiven Twitter-Nutzer und Blogger haben längst eine eigene Religion: Wenn Apple neue Geräte vorstellt ist im Netz ein Nachrichtensturm los. Der Papst und die katholische Kirche sind hier normalerweise kein großes Thema. Ganz anders allerdings am Donnerstag. Das Hashtag #Papstbesuch schaffte es unter die Top fünf der wichtigsten Themen auf dem Kurznachrichtendienst Twitter.

Auch der Vatikan selbst beteiligt sich aktiv an dem Medienspektakel online. Mit einem Livestream, einem Blog, einer Facebook-Fanseite, Twittermeldungen und einem Youtube-Channel informiert der Vatikan umfassend über die Reise des katholischen Kirchenoberhauptes.

In den kommenden Tagen werden alle wichtigen Auftritte des Papstes in einem Livestream von „Radio Vatikan“ im Internet übertragen - aus Sicht der katholischen Kirche. Ob die Papstrede im Bundestag oder die Vesper in der Wallfahrtskappelle Etzelsbach, jeder mehr oder weniger wichtige Schritt des Kirchenoberhauptes kann vom heimischen Computer aus live verfolgt werden. Kommentiert werden die Bilder von eigenen Kommentatoren, darunter der katholische Geistliche Thomas Frauenlob und „Radio Vatikan“-Mitarbeiter Aldo Parmeggiani.

Mit ihrer Social-Media-Offensive betritt die Kirche quasi feindliches Gebiet. Denn im Netz hat die Kirche bisher einen schweren Stand. Der Missbrauchsskandal und die aus der Sicht vieler Nutzer antiquierten Thesen zu Themen wie Homosexualität und Gleichstellung kratzen am Image der Kirche. Die Stimmung im Internet ist klar Papst-kritisch.

„Wenn der Papst im Bundestag spricht, dürfen dann Wissenschaftler vom Balkon des Petersdoms sprechen?“, fragt Politik2_0 beispielsweise spöttelnd. Der Nutzer Berlincore merkt satirisch an: „Wenn 16.000 Polizisten den Papst beschützen müssen, kann man direkt den Eindruck gewinnen, der wäre hier nicht willkommen. Verrückt.“ „Focus behauptet, Deutschland warte auf den Papst. Nun, dann bin ich nicht Deutschland“, schreibt Hynkl. Andere empören sich: „30 Millionen Euro kostet der Besuch, Missbrauchsopfern katholischen Kirche zahlt man grade mal zwei Millionen Euro“, schreibt RealDeutierum.

Kommentare (1)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Cicero

23.09.2011, 11:12 Uhr

Die Kirche ist durchaus im Web 2.0 angekommen. Man sollte da nicht nur auf das schauen, was von offiziellen diözesanen oder vatikanischen Stellen kommt. Es gibt eine reichhaltige katholische Bloggerwelt, zahlreiche Aktivitäten katholischer Christen in den sozialen Medien und seit kurzem eben auch Verbindungen zwischen den offiziellen und den ehrenamtlichen Aktiven im Web.
Auf Tagungen und Barcamps vernetzt man sich untereinander, dazwischen bleibt man eben im Web in Kontakt. Die Facebookseite ist keinesfalls nur ein Werk von Papstanhängern, sie ist eine Kooperation von DBK, katholisch.de, katholischen Verbänden und ehrenamtlichen.

Daß auch offizielle kirchliche Twitterkanäle keineswegs stumm bleiben, erkennt man sehr schnell, wenn man sich mal die Twitterwall (Hashtag #b16id) anschaut.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×