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06.02.2001

16:52 Uhr

Internetkaufhaus will mit Rumpfgeschäft in die Profitabilität

Kim Schmitz ist nicht an zweiter Letsbuyit-Finanzierung beteiligt

Das ins Schlingern geratene Internetunternehmen Letsbuyit.com will nach der Zusicherung von frischen Mitteln in Höhe von 48 Mill. Euro mit einem drastischen Sparkurs in die Gewinnzone vorstoßen. Vor dem 25. Januar waren dem Unternehmen zudem bereits weitere 4 Mill. Euro zugesagt worden.

jgo DÜSSELDORF. Nach Unternehmensangaben sollen nach der Kapitalaufstockung bis zu 125 Mill. neue Aktien ausgegeben werden. Interimsvorstand Rolf Hansen sagte im Gespräch mit Handelsblatt.com, die Ausgabe neuer Aktien sei "der beste Weg, um an frisches Kapital zu kommen”. Einige Altaktionäre hätten sich zwar gegen eine Verwässerung ausgesprochen, aber der Plan werde auch von den meisten Altaktionären getragen. Hansen, der keine Angaben über die neuen Investoren machen wollte, bestätigte, dass der umstrittene Investor Kim Schmitz mittlerweile zum Kreis der Gesellschafter gehört. Nach Hansens Angaben hat Schmitz aber seit dem Kauf eines Aktienpakets in Höhe von 1,2 Mill. Euro am 18. Januar keine weiteren Mittel zur Verfügung gestellt. “Herr Schmitz hat in einer schwierigen Phase unser Geschäftsmodell verteidigt, keiner hat sein Vertrauen so öffentlich bekundet wie er”, sagte Hansen.

Der frühere Computerhacker hatte vergangene Woche mit der Ankündigung für Furore gesorgt, er werde dem Unternehmen bis zu 50 Mill. Euro zur Verfügung stellen. In verschiedenen Interviews hatte Schmitz zudem angekündigt, seine eigenes Beteiligungsunternehmen, die so genannte Kimvestor AG, werde bald Milliarden wert sein. Die Finanzspritze an Letsbuyit hatte Schmitz als ausgemachte Sache dargestellt. Eine Absichtserklärung sei bereits unterzeichnet, teilte er mit.

Geld fließt nur unter bestimmten Voraussetzungen

Interimsvorstand Hansen bestätigte, dass ein Teil der Investitionssumme an Bedingungen geknüpft ist. Nach seinen Angaben stehen Letsbuyit sofort 20 Mill. Euro zur Verfügung; der Restbetrag werde vom März an über einen Zeitraum von 12 Monaten gezahlt, sofern Letsbuyit zwei Voraussetzungen erfülle. Zum einen müsse das Unternehmen nachweisen, dass die Restrukturierung erfolgreich abgeschlossen sei, zum anderen seien auch noch “bestimmte Meilensteine beim Wachstum und bei den Kosten” zu erfüllen. Genauere Angaben könne er aber derzeit noch nicht machen, sagte Hansen. “Wir arbeiten noch am Fine-Tuning.”

Rückzug aus den meisten Ländern

Hansen sagte, nur die Standorte in London, Paris, Stockholm und München würden weiter geführt. Aus Spanien, Italien, Dänemark, Finnland, Norwegen, Belgien, den Niederlanden, Österreich und aus der Schweiz ziehe sich Letsbuyit hingegen zurück. Der deutschen Filiale, die 70 Mitarbeiter beschäftigt, misst Hansen in Zukunft eine noch stärkere Bedeutung bei. “Deutschland ist alleine schon deshalb wichtig, weil wir am Neuen Markt notiert sind.” Hansen sagte, Letsbuyit werde mit aller Kraft daran arbeiten, wieder Vertrauen aufzubauen. Er räumte ein, dass Kunden und Aktionäre in den vergangenen Wochen nicht ausreichend informiert worden seien. Der Interimsvorstand führt das Defizit auf die komplizierte Abstimmung mit den Verwaltern und den drohenden Konkurs zurück. “Für uns hat der Börsenkurs zuletzt keine Rolle mehr gespielt, uns ging es nur ums Überleben.”

Abstriche beim Sortiment - Revidierte Prognosen

Neben der Aufgabe von sieben Landesbüros und der Einschränkung des Liefergebietes wird Letsbuyit auch das Sortiment reduzieren. Nur noch Artikel, die 85 bis 90 Prozent des Umsatzes ausmachten und einen hohen Deckungsbetrag erzielten, sollen Hansens Worten nach in Zukunft angeboten werden. Der Schwerpunkt werde bei Hardware, Unterhaltungselektronik und Technik liegen. “Wir orientieren uns beim Sortiment danach, was auch sonst im Internet erfolgreich ist”, sagte Hansen.

Die neue Struktur werde sich auch in der Umsatzentwicklung niederschlagen. “Natürlich müssen wir unsere Prognosen revidieren. Wir werden nicht so schnell wachsen wie geplant, zumal wir auch unseren Marketing-Etat reduziert haben.” Die Zeit kostspieliger Fernseh- und Printwerbung sei erst einmal vorbei. “Wir glauben, dass wir unsere Marke hinlänglich bekannt gemacht haben”, sagte Hansen. “Statt Offline- werden wir mehr Online-Werbung einsetzen, um unsere 1,2 Millionen registrierten Kunden zu erreichen.”

Nach seinen Worten ist die neue Kalkulation so ausgelegt, dass Letsbuyit auch ohne strategischen Partner aus dem Einzelhandel auskommen kann. “Wir haben uns auf das stand-alone-Geschäft eingestellt, sind aber auch für Partnerschaften offen.”

Kritiker des Geschäftsmodells hatten in der Vergangenheit moniert, der Einkaufsgemeinschaft mangele es selbst an Einkaufsmacht, um attraktive Preise aushandeln zu können. Nach Hansens Worten handelte es sich dabei allerdings ausschließlich um Anfangsprobleme. “Als wir gestartet sind, haben wir die ersten 8 Waschmaschinen tatsächlich noch bei einem lokalen Händler gekauft. Inzwischen gibt es längst eine zentrale Produktbeschaffung.”

Entscheidend sei für Letsbuyit zunächst, die Ware tatsächlich beim Kunden auszuliefern. “Wir sind jetzt bereit, wieder den vollen Geschäftsbetrieb aufzunehmen und werden als ersten Schritt den Kontakt mit den Kunden aufnehmen, die noch auf ihre Bestellungen warten”, kündigte Hansen an.

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