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13.01.2010

18:12 Uhr

Internetsuche

Google wehrt sich gegen chinesische Zensur

VonAndreas Hoffbauer, Hans-Peter-Siebenhaar

Nach einem Hacker-Angriff legt sich der Internetriese Google mit der kommenden Supermacht China an. Die Amerikaner akzeptieren die chinesische Zensur nicht mehr und prüfen den Rückzug aus dem Wachstumsmarkt. Wäre das ein kluger Schachzug des US-Konzerns?

Trauer um Google China: der Internetriese will sich aus dem Land zurückziehen. ap

Trauer um Google China: der Internetriese will sich aus dem Land zurückziehen.

HB PEKING DÜSSELDORF. Der US-Konzern Google zieht in China einen Schlussstrich: Der Internet-Riese kündigte Mittwoch an, sich nicht länger den Vorgaben der Pekinger Zensur zu beugen. Nach einem Hacker-Angriff aus China, bei dem versucht wurde, den E-Mail-Dienst zu knacken, ist für das kalifornische Unternehmen jetzt das Maß voll. „Wir haben entschieden, dass wir nicht länger bereit sind, unsere Suchergebnisse auf Google.cn zu zensieren“, kündigte Chefjustiziar David Drummond an.

Der Suchmaschinen-Gigant nimmt dafür auch den Rückzug aus dem Wachstumsmarkt in Kauf. „Wir sind uns bewusst, dass dies bedeuten kann, dass wir die Website Google.cn und möglicherweise auch unsere Büros in China schließen müssen“, sagte Drummond. Bei den Cyber-Attacken sei nicht nur versucht worden, E-Mail-Konten chinesischer Menschenrechtler zu knacken. Auch zahlreiche andere US-Konzerne - Internetfirmen, Finanz- und Technologiekonzerne - seien Opfer des Spionageversuchs aus China geworden.

Google teilte mit, man wolle nun in Gesprächen mit den chinesischen Behörden klären, ob die lokale Suchmaschine auch ohne Zensur betrieben werden kann. Experten halten es aber für unwahrscheinlich, dass die kommunistische Führung nachgeben wird.

Damit hat sich erstmals ein internationaler Konzern offen mit der kommunistischen Führung in China angelegt. Und Kommunikationsexperten werten den Fehdehandschuh, den Google der chinesischen Führung vor die Füße geworfen hat, keineswegs als genialen PR-Gag, um von der zuletzt immer schärferen Kritik an der amerikanischen „Datenkrake“ abzulenken. „Für eine Suchmaschine ist die Arbeit in einer Diktatur absurd. Deshalb ist die Rückzugsdrohung glaubwürdig“, sagt der Geschäftsführer der Werbeagentur Scholz & Friends Profile, Stefan Lennardt.

Andere Experten verweisen allerdings darauf, dass Google auch in anderen Länder mit eingeschränkter Meinungsfreiheit präsent sei. Sie glauben, die chinesischen Hackerangriffe hätten die Suchmaschine zu dem überraschenden Schritt veranlasst. „Den Ausschlag geben die geschäftlichen Interessen.“ Der Diebstahl von Programmen und Daten sei längst zu einem riesigen Problem für ausländische Investoren in China geworden. „Es wundert mich nicht, dass Google sich zurückziehen will“, sagt Christof Schramm, PR-Manager und Softwareunternehmer in Düsseldorf. „Urheberrechte sind in den Köpfen der Chinesen nach wie vor nicht verankert.“

Der Streit zwischen Google und Chinas Zensoren belastet auch das politische Klima zwischen Washington und Peking. US-Außenministerin Hillary Clinton forderte am Mittwoch von der chinesischen Regierung eine Erklärung für die Hacker-Angriffe. Das Thema wird auch beim Antrittsbesuch des deutschen Außenministers Guido Westerwelle (FDP), der am Freitag und Samstag in Peking sein wird, eine Rolle spielen, hieß es in diplomatischen Kreisen in Peking. Die chinesische Führung erklärte lediglich, man benötige weitere Informationen über die Hacker-Attacke.

Kommentare (1)

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Un Erfreulich

13.01.2010, 20:13 Uhr

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