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13.01.2010

09:35 Uhr

Internetzensur in China

Offenes Netz mit engen Maschen

VonAndreas Hoffbauer

1994 wurde in China der erste Server installiert. Heute ist die Volksrepublik die größte Internetnation der Welt – mit 340 Mio. gibt es mehr Nutzer als die USA Einwohner hat. Doch nicht nur die Zahl der Onliner ist in den vergangenen 15 Jahren im Reich der Mitte rapide gestiegen. Der Einparteienstaat hat auch das ausgeklügelste System der Internetzensur weltweit aufgebaut.

Internet-Cafe im chinesischen Zhengzhou. - Mit 340 Millionen Nutzern ist die Volksrepublik die größte Internetnation der Welt. dpa

Internet-Cafe im chinesischen Zhengzhou. - Mit 340 Millionen Nutzern ist die Volksrepublik die größte Internetnation der Welt.

PEKING. Nach Einschätzung von Experten filtert China auf allen Ebenen im Hardware- und Softwarebereich. Chinas Regierung baut dabei bislang auf die Kooperation und die Technologie von Unternehmen wie Yahoo, Google, Microsoft und Cisco. Gerade dies ist von Menschenrechtsgruppen immer wieder kritisiert worden. Die Google-Drohung könne so einen Wendepunkt für die Branche bedeuten, heißt es.

Landesweit hat Peking zehn Zugangsprovider (IAPs) lizensiert, dazu gehören vor allem die staatlichen Telekomriesen. Nur diese haben Zugang zu den internationalen Backbone-Netzen, über die für Internetnutzer überhaupt ein Zugriff auf ausländische Webseiten in China möglich ist.

Neben diesem Engpass gibt es jedoch auch eine inhaltliche Kontrolle. Mit einer Software werden von den Zensoren festgelegte Begriffe gefiltert oder blockiert. Bei einer Google-Suche nach kritischen Themen wird nur eine Auswahl angezeigt, was aber nicht erkenntlich wird.

China setzte bei der inhaltlichen Auslese Programme ein, wie sie auch Westen geläufig sind. Nur mit dem Unterschied, dass hier nicht pornografische oder gewalttätige Inhalte ausgeschaltet werden, sondern auch politisch unerwünschte Themen.

Die Software, mit der der Zugang zu Twitter, Facebook, Amnesty International oder YouTube verwehrt wird, hat den Namen „Goldener Schild“. Der Versuch, Anfang 2009 eine andere Filtersoftware („Grüner Damm“) zwingend in jedem neuen Computer in China einbauen zu lassen, scheiterte jedoch an heftigen Protesten der Öffentlichkeit.

Kommentare (1)

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Sabine Engelhardt

13.01.2010, 15:30 Uhr

Daß China das "ausgeklügeltste" Zensursystem hat, möchte ich doch sehr bezweifeln. Durch direkte Kontakte in den iran weiß ich, daß die Zensur dort noch wesentlich strenger ist.

Von China aus kann man (wenn auch nicht überall und nicht überall hin) ssh noch nutzen. Die Sperrungen sind außerdem regional und je nach Provider unterschiedlich. So berichtete letzten Sommer ein bekannter von einem China-Urlaub, daß er zwar nicht per ssh direkt zu seinem deutschen Server durchkam, wohl aber zu einem Kumpel nach Singapur, von wo aus sich dann eine Verbindung nach DE aufbauen ließ.

Der iran sperrt dagegen SSL komplett, das heißt, es geht kein ssh, kein https, kein pop3s, kein VPN. Gleichzeitig läuft ein begriffsfilter (Deep Packet inspection, DPi). Ohne die Verschlüsselungen bekommt man also keine "gefährlichen" begriffe mehr durch (oder macht sich verdächtig). Nur eine Möglichkeit funktioniert noch: PGP-verschlüsselte Mails. bislang wird noch nicht auf den beginn von PGP-blocks gefiltert.

Gruß, Frosch

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