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10.02.2005

12:30 Uhr

IT und Unterhaltungselektronik sollen verschmelzen

Der PC unterhält jetzt auch Normalverbraucher

Bei der Cebit 2005 soll es endlich ernst werden mit dem vernetzten Haus, in dem Computer und Unterhaltungselektronik eine Einheit bilden. Endlich wird auch der normale Nutzer von der Technik profitieren, versprechen die Hersteller.

HB HAMBURG. Bei der Cebit 2005 werden viele Messestände einem Wohnzimmer ähneln. "Um das Aufstellen von Sofas, Sitzecken, Kommoden und Fernseher wird kaum ein Unternehmen herumkommen", schätzt Christian Anderka von Intel. Der weltgrößte Chiphersteller selbst wird rund 60 bis 70 Prozent seiner Präsentationen dem digitalen Zuhause widmen. Einen Großteil des Restes wird der Schwerpunkt "digital Lifestyle" ausmachen - Anwendungen zum meist mobilen Nutzen und Verwalten von Musik und Videos. Die Computerbranche ist in den digitalen Wohnzimmern angekommen, hört man unisono aus der Industrie.

Nach einigen Flautejahren kann die PC-Branche zufrieden sein. Mit Lösungen für die digitale Unterhaltung wurde ein lukrativer Markt erfolgreich erschlossen. Denn die Unterhaltungselektronik hat trotz schwächelnder Konjunktur stetig zugelegt. Allein in Deutschland rechnet die Branche trotz eines durchschnittlichen Preisverfalls von 20 bis 25 Prozent mit einem Zuwachs von rund drei Prozent auf 19 Milliarden Euro für das vergangene Jahr.

Noch im vierten Quartal 2004 war der Verkauf herkömmlicher Personal Computer im Endkunden-Segment nach Erhebungen von Gartner dagegen schlechter ausgefallen als erwartet. Als Grund nannte das Marktforschungsunternehmen vor allem fehlende Innovationen in der PC-Ausstattung. "Neue Entwicklungen in der digitalen Unterhaltung haben die Kunden deutlich mehr zum Kaufen angeregt." Das digitale Wohnzimmer, das vernetzte Zuhause - diese Begriffe sind bereits auf vielen CeBIT-Messen der letzten Jahre beschworen worden. Doch im kommenden März sollen die vorgestellten Lösungen ein ganz neues Attribut erhalten: Sie werden alltagstauglich. Selbst "Normalverbraucher" sollen sich jetzt ein vernetztes Haus bauen können, sagte Bill Gates, Chef-Software-Architekt des weltgrößten Softwareherstellers Microsoft kürzlich in München. Doch noch immer ist es nicht wirklich banal, die vielen unterschiedlichen Geräte dazu zu bringen, auch tatsächlich miteinander zu kommunizieren. "Wir müssen noch hart daran arbeiten, um die Software-Schnittstellen zu vereinheitlichen und eine gemeinsame Plattform zu schaffen", gibt Gates zu.

Die Schwergewichte der PC-Industrie treten auch auf der Cebit 2005 in offene Konkurrenz zur Branche der Unterhaltungselektronik. Intel, Microsoft und Hewlett-Packard stellen ihre Konzepte vor, wie künftig der Computer als Schaltzentrale die bunte Welt der Filme, Bilder und der Musik überall im Haus zur Verfügung stellt. Dass es auch künftig kein Kinderspiel sein wird, in der von den Herstellern der Unterhaltungselektronik seit Jahrzehnten beherrschte Domäne nachhaltig Fuß zu fassen, ist ihnen bewusst. Nicht umsonst starteten Microsoft und Intel im vergangenen November ihre gemeinsame Werbe-Kampagne "Digital joy", in die die Partner einige zehn Millionen Dollar investieren.

Doch in der Branche gibt es nicht nur einvernehmliches Miteinander. Hewlett-Packard hat unterdessen seine Wandlung vom reinen Drucker- und PC-Hersteller für Business-Anwendungen zu einem Anbieter auch von Unterhaltungs-Geräten erfolgreich in die Wege geleitet. Inzwischen setzt HP auf Entwicklungen für den einfachen und alltäglichen Konsum von Videos, Bildern und Musik. Aller Voraussicht nach wird Hewlett-Packard zur Cebit eine neue Entwicklung mitbringen, die Ex-HP-Chefin Carly Fiorina bereits auf der Consumer Electronics Show in Las Vegas prominent dem Publikum vorgestellt hat.

Das "Entertainment-Center" sieht einem Videorecorder deutlich ähnlicher als einem Computer und kann TV-Sendungen aufzeichnen, DVDs abspielen, sie sogar bedrucken, und verwaltet die heimischen Foto- und Musiksammlungen. Allein wegen seines eleganten und schlichten Designs hatte das Gerät in den USA bereits für viel Aufmerksamkeit gesorgt. Der Clou - zumindest in Las Vegas - war dabei, dass das Entertainment-Center nicht mit Microsofts Windows läuft, sondern das freie Betriebssystem Linux nutzt.

Noch immer macht bei Microsoft der Media-Center-PC nur einen Bruchteil des Absatzes mit Personal Computern aus. Die dritte Version der Multimedia-Software soll aber nun den Massenmarkt erreichen. PCs verschiedener großer Hersteller, vielfach mit Microsofts Media-Center-Edition bestückt, wird auch Intel in Hannover präsentieren. Noch steht ihnen jedoch die Bewährungsprobe bevor. Denn, das wissen alle Unternehmen: Im Markt für Unterhaltungselektronik gibt es keine Computer- oder Software-Freaks, die sich klaglos durch dicke Bedienungsanleitungen quälen. Einfache Handhabung ist hier Trumpf.

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