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29.08.2011

11:56 Uhr

iTelevision

Apple soll an Fernseher arbeiten

VonAchim Sawall
Quelle:Golem.de

Steht Apple davor eine weitere Branche umzukrempeln? Der Computerbauer soll eine neue Produktlinie entwickeln: der Fernseher iTelevision, der mit Touchscreen und iOS kommt und mit iPhone, iPad und Macbook Air zusammenarbeitet.

Die Fernsehbox Apple TV ist bereits auf dem Markt. Medienberichten zufolge will Apple aber noch stärker auf dem TV-Markt aktiv werden. AFP

Die Fernsehbox Apple TV ist bereits auf dem Markt. Medienberichten zufolge will Apple aber noch stärker auf dem TV-Markt aktiv werden.

BerlinApple soll an Fernsehern mit dem Betriebssystem iOS arbeiten, die 2012 oder 2013 auf den Markt kommen sollen. Das will das Onlinemagazin Venturebeat von verschiedenen Quellen aus dem Silicon Valley erfahren haben.

Das Magazin beruft sich auf den Piper-Jaffray-Analysten Gene Munster, der einen Apple-Fernseher Ende 2012 oder Anfang 2013 erwartet. Jaffray hat seine Informationen von Apple-Zulieferern und von Informanten bei Apple. Munster hatte bereits 2009 einen Apple-Fernseher für 2011 angekündigt.

Das Prinzip Apple

Alles aus einer Hand

Konsistenz ist Teil der Designphilosophie von Apple. Dazu gehört ein möglichst einheitliches Nutzererlebenis. Apple bietet dazu vom Smartphone bis zum ausgewachsenen Profi-PC alle Gerätklassen an. Auf den kleinen Geräten iPhone und iPad läuft dabei das mobile Betriebssystem iOS, auf den Laptops und Desktop-Rechnern Mac OS X. Die Programme sind untereinander nicht kompatibel, allerdings bietet Apple viele eigene Applikationen für beide Plattformen an, etwa die Office-Suite iWork. Über die App Stores verkauft Apple außerdem noch Software für beide Plattformen online – bei iPhone und iPad sogar der einzig legale Weg, Software zu installieren.

Apples Gefängnis und Ausbruch-Tools

Apples Stärke ist zugleich auch der größte Kritikpunkt: Weil alles aus einer Hand kommt, behält Apple die volle Kontrolle. Im App Store schöpft Apple satte 30 Prozent der Umsätze ab, sowohl von gekauften Apps als auch von Käufen, die innerhalb von Apps getätigt werden. Immer wieder kommt der Konzern in die Schlagzeilen, weil Apps aus teilweise wenig nachvollziehbaren Gründen aus dem Store entfernt werden. So gelten dank Apple beispielsweise weltweit amerikanische Moralvorstellungen: Medien müssen nackte Haut zensieren. Ein Weg aus dem Apple-Gefängnis ist entweder ein sogenannter Jailbreak. Dabei führen iPhone- und iPad-Anwender ein Programm aus, das Sicherheitslücken in den Geräten nutzt, um das Gerät aus der Apple-Kontrolle zu befreien. Nach einem Jailbreak können alle Programme wie auf einem PC oder Mac installiert werden. Eine andere Alternative sind Programme, die im Browser laufen – auf das Internet haben auch iPhones und iPads freien Zugriff.

Mobile Geräte im Fokus

Apple betont regelmäßig, in erster Linie ein Hersteller mobiler Geräte zu sein. Erstens machen iPhone und iPad längst den Löwenanteil der Apple-Umsätze aus, zweitens sind auch die meisten verkauften Macs inzwischen Laptops. Das zeigte sich auch beim jüngsten Update des Mac-Betriebssystems Mac OS X. Die aktuelle Version Lion betont die Gestensteuerung, die vor allem bei Trackpads sinnvoll ist, die in Laptops verbaut werden.

iCloud löst iTunes als Zentrale ab

Zentrale Schnittstelle zwischen allen Apple-Geräten war bisher das Programm iTunes, über das die Geräte als „Hub“ auf Mac oder PC synchronisiert werden. Allerdings zeichnet sich mit der Einführung der iCloud eine Ablösung von iTunes als zentrales Hub ab – die Daten wandern nun in die "Wolke", also das Internet. Mit der iCloud soll das Internet zur zentralen gemeinsamen Schnittstelle aller Apple-Geräte werden. Dokumente werden im Netz gespeichert und können über sämtliche Plattformen synchron gehalten werden. iPad und iPhone sollen auch ohne Mac oder PC verwendbar sein.

„Es funktioniert einfach“

Apple war eine der ersten IT-Firmen, die Interessen und Wünsche des normalen Nutzers in den Mittelpunkt rückten. Nicht der Mensch soll sich der Bedienung des Computers anpassen, sondern der Computer dem Menschen – so zumindest die Idee. Entsprechend profitiert der Konzern auch vom Trend der „Consumerization“ der IT. Damit wird der derzeitige Trend beschrieben, dass Konsumenten-Produkte wie iPhone und iPad zunehmend auch die Unternehmen erobern, weil Menschen einfache und intuitive Bedienungen auch im Geschäftsleben schätzen. Kritiker meinen andererseits, dass Apple im Bemühen um eine möglichst intuitive Bedienung den Nutzern bei vielen Fragen zu wenig Freiheit lässt.

Der Risikokapitalmanager Stewart Alsop von Alsop Louie Ventures erwartet ebenfalls ein iTelevision von Apple und stützt sich dabei auf verschiedene Quellen aus dem Silicon Valley. Ein Problem seien für Apple noch die hohen Kosten für die LCD-Module. Alsop vermutet, dass ein 15- oder 19-Zoll-Gerät mit Touchscreen, Internet und Schnittstellen zum iPhone, iPad und Macbook Air in Vorbereitung ist.

Das Wall Street Journal berichtete aus Unternehmenskreisen, dass Apple "an einer neuen Technologie arbeitet, um Filme auf Fernseher zu übertragen". Bei Apple werde geprüft, ob das Unternehmen selbst ein abonnentenbasiertes Fernsehangebot starten werde.

Steve Jobs habe Fernsehen oft als umständlich und nutzerunfreundlich kritisiert, berichtet das Wirtschaftsblatt. Durch die unterschiedlichen Übertragungswege wie Kabel und Satellit mit unterschiedlichen Technologien würden Innovationen erschwert. Jobs habe Vorstandsvorsitzenden von Medienkonzernen wiederholt vorgehalten, dass sie nicht über eine digitale Strategie verfügten.

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