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06.04.2012

08:50 Uhr

iWallet-Patent

Kommt nun die iBank?

VonDirk Elsner

Welche Wirtschaftszweig rollt Apple als nächstes auf? Eine Frage, die sich alleine schon durch die großen Geldreserven des Konzerns stellt. Es könnte die Finanzindustrie sein. Das iWallet-Patent könnte ein Hinweis sein.

Entwicklung der Apple-Aktie auf einem iPhone dargestellt. Revolutionieren die Kalifornier als nächstes das Banking? dpa

Entwicklung der Apple-Aktie auf einem iPhone dargestellt. Revolutionieren die Kalifornier als nächstes das Banking?

BielefeldRyan Kim stellte vor kurzem auf dem Blog Gigaom die Frage, welchen Wirtschaftszweig Apple als nächstes aufrollen kann. Seine Vermutung: Es könnte das Banking sein. Die Frage bewegt die Fach- und Webwelt nicht zuletzt wegen der enormen finanziellen Ressourcen des Konzerns.

Ryan bezieht sich in seinem Beitrag auf eine Studie des Marktforschungsunternehmens KAE Toluna in London. Danach können sich 10 Prozent der 5.000 Befragten vorstellen, über Apple Bankdienstleistungen zu nutzen, wenn der Konzern diese anbieten würde. Diese Zahl klingt nicht spektakulär. Interessanter wird es, wenn man die Nutzer von Apple-Produkten fragt. Hier antworteten 43 Prozent, dass sie sich einen Wechsel vorstellen könnten. Sie vertrauen dem Unternehmen und glauben, dass Apple Finanzdienstleistungen einfacher zugänglich macht und neue Arten von Serviceleistungen bieten könnte. Außerdem hoffen sie, möglichst viel Finanzdienstleistungen per Smartphone abwickeln zu können. Leider wurde nicht gefragt, ob die Kunden dafür den bei Apple üblich höheren Preis bezahlen würden.

Was Apple mit seinem Milliardenschatz kaufen könnte

Vorschlag 1

Apple schwimmt im Geld. Die Rekordverkäufe von iPhones, iPads und Mac-Computern haben den Kontostand auf 97,6 Milliarden Dollar hochgetrieben. Mit dem Geld könnte Apple immerhin ein Fünftel der griechischen Staatsschulden abtragen von um die 352 Milliarden Euro. Das würde die Schuldenkrise auf dem ganzen Kontinent deutlich entspannen und Apple sicherlich viele neue Fans in Europa bescheren.

Vorschlag 2

Statt einer derart teuren Werbekampagne könnte Apple auch groß ins Autogeschäft einsteigen. Wenn die Kalifornier nur noch ein paar mehr iPhones verkaufen, würde das Geld reichen, um in einem Rutsch Daimler (44 Mrd Euro) und BMW (40 Mrd Euro) zu schlucken. Dockingstations für Apple-Geräte haben die Wagen ja bereits.

Vorschlag 3

Ein dritter Vorschlag wäre, jedem der etwa 82 Millionen Deutschen vom Kleinkind bis zum Greis ein iPad zwei (ab 479 Euro) und ein iPhone 4S (ohne Vertrag ab 629 Euro) zu schenken. Mit etwas Hausrabatt wäre das locker drin.

Die Studie trifft mit ihrer Aussage eine auch in Fachkreisen vertretene Position: „Angesicht der Kapital- und Liquiditätsausstattung hätte Apple keine Beschränkungen beim Aufbau entsprechender Kontenangebote. Mit der Fähigkeit, vollkommen neue Märkte zu erschließen, könnte es Apple schnell gelingen, zu einer der profitabelsten Banken aufzusteigen.”

Das Prinzip Apple

Alles aus einer Hand

Konsistenz ist Teil der Designphilosophie von Apple. Dazu gehört ein möglichst einheitliches Nutzererlebenis. Apple bietet dazu vom Smartphone bis zum ausgewachsenen Profi-PC alle Gerätklassen an. Auf den kleinen Geräten iPhone und iPad läuft dabei das mobile Betriebssystem iOS, auf den Laptops und Desktop-Rechnern Mac OS X. Die Programme sind untereinander nicht kompatibel, allerdings bietet Apple viele eigene Applikationen für beide Plattformen an, etwa die Office-Suite iWork. Über die App Stores verkauft Apple außerdem noch Software für beide Plattformen online – bei iPhone und iPad sogar der einzig legale Weg, Software zu installieren.

Apples Gefängnis und Ausbruch-Tools

Apples Stärke ist zugleich auch der größte Kritikpunkt: Weil alles aus einer Hand kommt, behält Apple die volle Kontrolle. Im App Store schöpft Apple satte 30 Prozent der Umsätze ab, sowohl von gekauften Apps als auch von Käufen, die innerhalb von Apps getätigt werden. Immer wieder kommt der Konzern in die Schlagzeilen, weil Apps aus teilweise wenig nachvollziehbaren Gründen aus dem Store entfernt werden. So gelten dank Apple beispielsweise weltweit amerikanische Moralvorstellungen: Medien müssen nackte Haut zensieren. Ein Weg aus dem Apple-Gefängnis ist entweder ein sogenannter Jailbreak. Dabei führen iPhone- und iPad-Anwender ein Programm aus, das Sicherheitslücken in den Geräten nutzt, um das Gerät aus der Apple-Kontrolle zu befreien. Nach einem Jailbreak können alle Programme wie auf einem PC oder Mac installiert werden. Eine andere Alternative sind Programme, die im Browser laufen – auf das Internet haben auch iPhones und iPads freien Zugriff.

Mobile Geräte im Fokus

Apple betont regelmäßig, in erster Linie ein Hersteller mobiler Geräte zu sein. Erstens machen iPhone und iPad längst den Löwenanteil der Apple-Umsätze aus, zweitens sind auch die meisten verkauften Macs inzwischen Laptops. Das zeigte sich auch beim jüngsten Update des Mac-Betriebssystems Mac OS X. Die aktuelle Version Lion betont die Gestensteuerung, die vor allem bei Trackpads sinnvoll ist, die in Laptops verbaut werden.

iCloud löst iTunes als Zentrale ab

Zentrale Schnittstelle zwischen allen Apple-Geräten war bisher das Programm iTunes, über das die Geräte als „Hub“ auf Mac oder PC synchronisiert werden. Allerdings zeichnet sich mit der Einführung der iCloud eine Ablösung von iTunes als zentrales Hub ab – die Daten wandern nun in die "Wolke", also das Internet. Mit der iCloud soll das Internet zur zentralen gemeinsamen Schnittstelle aller Apple-Geräte werden. Dokumente werden im Netz gespeichert und können über sämtliche Plattformen synchron gehalten werden. iPad und iPhone sollen auch ohne Mac oder PC verwendbar sein.

„Es funktioniert einfach“

Apple war eine der ersten IT-Firmen, die Interessen und Wünsche des normalen Nutzers in den Mittelpunkt rückten. Nicht der Mensch soll sich der Bedienung des Computers anpassen, sondern der Computer dem Menschen – so zumindest die Idee. Entsprechend profitiert der Konzern auch vom Trend der „Consumerization“ der IT. Damit wird der derzeitige Trend beschrieben, dass Konsumenten-Produkte wie iPhone und iPad zunehmend auch die Unternehmen erobern, weil Menschen einfache und intuitive Bedienungen auch im Geschäftsleben schätzen. Kritiker meinen andererseits, dass Apple im Bemühen um eine möglichst intuitive Bedienung den Nutzern bei vielen Fragen zu wenig Freiheit lässt.

Nun elektrisierte Apple Anfang März erneut die Fachwelt mit einer Patentanmeldung. Der mittlerweile zum Unterhaltungskonzern mutierte Computerriese aus Kalifornien hat ein Patent für die sogenannte iWallet zugesprochen bekommen. Wallet ist die englische Bezeichnung für Geldbörse bzw. Brieftasche.

Kommentare (3)

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Siebel

06.04.2012, 10:23 Uhr

In Deutschland hat die Fidor Bank AG schon eine e-wallet mit 100.000 Nutzern. www.fidor.de

Anu

06.04.2012, 14:57 Uhr

@Siebel: Ein e-wallet muss sein wie Bargeld: Mit Bargeld brauche ich nicht die Hilfe und die Erlaubnis eines Dritten für eine Transaktion. Bei proprietären E-Wallets kommt ausserdem noch dazu, dass man über kurz oder lang die Erlaubnis eines Vierten (des Staates) brauchen wird, um irgendwas zu kaufen.

Nur Bitcoin erfüllt derzeit die Anforderungen an ein e-Wallet System: Dezentral, OpenSource und vor allem privat.

Geldwaescher-als-Bank

06.04.2012, 17:41 Uhr

Firmen wie Google,Dell,Microsoft oder Apple profitieren in den USA von einem Steuerkonstrukt, das so legal ist, wie es eine gekaufte Gesetzgebung nur sein.
Zweck solcher Konstruktionen ist es, Gewinne (also die Besteuerungsgrundlage) nicht im Kernland USA auszuweisen.
Dazu werden Lizenzinhaber offshore installiert. Typischer Standort ist Irland. Über die Verrechnung von Scheinleistungen und Lizenzen wird das US-Kernunternehmen von dort durch die Offshoretöchter von steuerpflichtigen Gewinnen "entlastet".
Die Offshoregewinne bleiben in den USA steuerfrei, solange Sie außerhalb gelagert werden.
Um selbst die geringe Irlandbesteuerung zu umgehen, werden Gewinne von dort via Niederlande z.B. zu den Bermudas verschoben. (s. Double Irish / Dutch Sandwich)
Zur Dividendenzahlung müssten solche Gelder in die USA zurückgeführt werden, was dort eine
Besteuerung auslösen würde. Dies vermeidet Apple bisher durch Nicht-Ausschüttung.
Allerdings arbeitet eine spendable Lobby daran, die Rückführung steuerlich zu privilegieren.
Als Bankkunde wurde ich Apple nicht einmal mit einer 10 Meter langen Stange anfassen.

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