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11.01.2005

07:48 Uhr

Kabelbetreiber facht Konkurrenz im Telekommarkt an

Comcast bietet Internettelefonie an

Der größte US-Fernsehkabelbetreiber Comcast Corp. verschärft den Wettbewerb auf dem Telekommunikationsmarkt: Der Konzern will Telefongespräche nach den Regeln des Internets über Datenleitungen ermöglichen und dafür innerhalb der nächsten fünf Jahre acht Millionen Kunden anwerben.

wsj/slo DÜSSELDORF. „Es wird tief greifende Änderungen geben, was die Rolle des Telefons im Haushalt angeht, und wir werden Teil dieses Prozesses sein“, sagte Comcast-Chef Brian Roberts.

Damit signalisiert der Konzern, dass er weiterhin hauptsächlich Netzbetreiber bleiben und Haushalte mit TV-Programmen, schnellen Internetanschlüssen und künftig auch Internettelefonie versorgen will. Vor etwa einem Jahr hatte Comcast vergeblich versucht, Walt Disney zu übernehmen und damit ins Inhaltegeschäft einzusteigen.

An das Fernsehkabelnetz von Comcast sind etwa 40 Millionen Haushalte angeschlossen. Allein durch seine Größe wird der Konzern daher den Wettbewerb auf dem Markt für Telefongespräche anfachen. Fernsehkabelbetreiber wie Time Warner und Cox Communications machen den traditionellen Telefonnetzbetreibern schon länger die Umsätze streitig. So kommt Cox in einigen Regionen bereits bei Festnetzgesprächen auf einen Marktanteil von 40 Prozent.

Der neue Dienst von Comcast wird nach Einschätzung von Analysten die Umsätze der klassischen Telefonnetzbetreiber wie Verizon Communications und SBC Communications weiter schmälern. Diese Unternehmen haben bereits auf die zunehmende Konkurrenz durch Kabelnetzbetreiber reagiert und bieten – in Kooperation mit Satellitenbetreibern – Fernsehdienste an und kombinieren zudem Angebote für Telefongespräche im Mobilfunk und im Festnetz. Konzerne wie SBC und Verizon wollen zudem in ihre traditionellen Telefonnetze investieren und sie für schnelles Internet und interaktives Fernsehen aufrüsten – nach Ansicht von Analysten kommen die Telekombetreiber damit aber viel zu spät.

Comcast testet derzeit einige zusätzliche Dienste für Telefonkunden. Sie sollen mit ihrem Festnetztelefon auch von unterwegs telefonieren und Nachrichten auf ihrem Anrufbeantworter über eine Internetseite abfragen können. Comcast probiert zudem Videotelefonie aus sowie einen Service, der den Namen des Anrufers ansagt, bevor man den Hörer abnimmt.

Wegen der großen Zahl von Unternehmen, die Internettelefonie anbieten, gilt der US-Markt als besonders heiß umkämpft. Nach Ansicht von Analysten der Londoner Marktforschungsgesellschaft Ovum haben Kabelbetreiber aber die beste Position, um sich in diesem Markt zu behaupten und die bevorstehenden Preiskämpfe zu überstehen.

Eine ähnliche Entwicklung wie in den USA hat mit Verspätung auch in Europa eingesetzt, wo Anbieter von schnellen Internetanschlüssen via DSL-Technik zunehmend Internettelefonie vermarkten. Marktforscher von Analysys erwarten, dass in Europa im Jahr 2008 etwa 13 Prozent des Umsatzes (6,4 Mrd. Euro) mit Festnetzgesprächen von Privatkunden auf Anbieter von Internettelefonie entfällt. Über Datenleitungen zu telefonieren, ist deutlich billiger als die traditionellen Telefonleitungen zu nutzen.

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