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13.03.2006

10:00 Uhr

Kein tragfähiges Geschäftsmodell

Streit um Standard bremst Handy-TV

VonSandra Louven

Auf der Suche nach neuen Einnahmequellen stürzt sich die Mobilfunkbranche derzeit auf das Thema mobiles Fernsehen. Nach den Gesetzen der Logik müsste dieses Angebot ein Hit werden.

Mit Geräten wie dem Nokia N92 soll künftig das TV-Programm auf dem Handy verfolgt werden können. Foto: Nokia

Mit Geräten wie dem Nokia N92 soll künftig das TV-Programm auf dem Handy verfolgt werden können. Foto: Nokia

HANNOVER. "Wir bringen die beliebte Freizeitbeschäftigung Fernsehen auf das beliebte Endgerät Handy" - unter diesem Motto präsentiert sich die Branche auf der Cebit in Hannover. Doch ganz so einfach ist die Sache in der Realität nicht. Unklar ist bislang, wie sich das Modell finanzieren und über welchen Standard mobiler Rundfunk übertragen werden soll. Bisher liefern die Mobilfunkbetreiber in ersten TV-Versuchen Inhalte über das UMTS-Netz. Vodafone hat in Deutschland im Dezember neun Millionen Handy-TV-Minuten verkauft. Steigt die Zahl der mobilen Fernsehfans, reichen die Kapazitäten der Mobilfunknetze aber nicht mehr aus. Nötig ist deshalb eine Rundfunktechnik, die im Vergleich zu UMTS auch preiswerter ist.

Da aber fangen die Probleme bereits an. Bislang hat sich weder weltweit noch innerhalb Deutschlands ein einheitlicher Übertragungsweg durchgesetzt. Einige Bundesländer bevorzugen den so genannten DMB-Standard (Digital Multimedia Broadcasting), der auf einer Technik für digitales Radio basiert und in Südkorea eingesetzt wird - dem einzigen Land weltweit, in dem sich bereits ein Standard etabliert hat. Andere Bundesländer favorisieren DVB-H (Digital Video Broadcast for Handhelds), das auf einem Standard für Digitalfernsehen aufbaut.

"Es ist sehr bedauerlich, dass es noch keine bundeseinheitliche Lösung gibt", sagt Erik Friemuth von Vodafone Deutschland. Das könnte sich bald ändern: Der zuständige Fachausschuss der Landesmedienanstalten will dem Düsseldorfer Unternehmen Mobiles Fernsehen Deutschland den Zuschlag für ein bundesweites, achtjähriges DMB-Projekt geben. Die Bundesländer müssen aber noch zustimmen. Mit DMB sollen bereits zur Fußball-Weltmeisterschaft im Juni vier mobile TV- und zwei Hörfunkkanäle starten.

Die meisten europäischen Netzbetreiber setzen sich dagegen für das Konkurrenzprodukt DVB-H ein, weil damit bis zu 20 Kanäle übertragen werden können. DMB ist auf drei bis sechs Sender beschränkt. "Das ist eine Programm-Vielfalt wie in den 70er Jahren", lästert Vodafone-Manager Friemuth.

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