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19.11.2015

09:08 Uhr

Keine Aktualisierung

Warum bei Google Street View die Zeit stillsteht

Quelle:dpa

Städte verändern sich: Häuser werden neu gebaut, Straßenzüge umgeplant. Doch davon erleben die Nutzer von Google Street View in Deutschland nichts mit. Seit Jahren ist der Dienst hierzulande nicht aktualisiert worden.

Vor fünf Jahren brachte Google Straßenansichten von 20 großen deutschen Städten ins Netz. dpa

Google Kameraauto

Vor fünf Jahren brachte Google Straßenansichten von 20 großen deutschen Städten ins Netz.

Wer in Deutschland wissen will, wie seine Nachbarschaft vor fünf Jahren aussah, hat eine aufwendig gestaltete Gedächtnisstütze: Google Street View. Anders als in anderen Teilen der Welt blieb hierzulande im digitalen Panorama-Dienst des Internet-Riesen die Zeit stehen. Seit dem Start für 20 große Städte in Deutschland am 18. November 2010 ist Street View weder aktualisiert noch erweitert worden. Und das wird wohl auch erst einmal so bleiben.

Google macht jedenfalls deutlich, dass sich daran nichts ändern wird, solange die Einwohner weiterhin das von Datenschützern erkämpfte Recht haben, der Veröffentlichung von Abbildungen ihrer Wohnhäuser schon vorab zu widersprechen, bevor die Aufnahmen überhaupt online gehen. „Solange dieser Punkt besteht, wird es keine neuen Aufnahmen von deutschen Straßen geben”, sagt eine Sprecherin des Konzerns.

Die Vorab-Verpixelung anhand gemeldeter Adressen habe nicht nur einen großen Aufwand bedeutet, sondern auch zu Fehlern geführt, die vermeidbar gewesen wären, argumentiert das Unternehmen. Googles Kamerawagen seien zwar seitdem in Deutschland unterwegs gewesen - aber nur um herkömmlichen Stadtpläne zu aktualisieren, nicht Street View.

Die Debatte um Street View kochte schon lange vor dem Deutschland-Start des Dienstes hoch. „Ich kann mir anhand von solchen Diensten anschauen, wo und wie jemand lebt, welche privaten Vorlieben er oder sie hat, wie seine Haustür gesichert ist oder welche Vorhänge an den Fenstern sind - und das ist noch das Wenigste”, warnte schon Anfang 2010 die damalige Verbraucherschutzministerin Ilse Aigner (CSU). „Damit wird das Private ohne Schutzmöglichkeiten an die globale Öffentlichkeit gezerrt.”

Auch Bundesdatenschutzbeauftragte Peter Schaar witterte einen Einflussgewinn für den Internet-Riesen. „Google kann die Fotos von den Häusern, Straßen und Menschen mit anderen Informationen verknüpfen”, mahnte er im „Tagesspiegel”. „Wie und wo man wohnt, kann Rückschlüsse auf die Einkommensverhältnisse zulassen.”

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