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04.09.2012

11:30 Uhr

Keine Angst vor Plagiaten

Dyson saugt China auf

VonMartin Wocher

Der britische Staubsaugerhersteller Dyson wagt den Schritt nach China. Dort wollen sie ihre Staubsauger an die neu entstandene Mittelschicht verkaufen und damit den Plagiatsgeräten den Garaus machen.

Dyson produziert innovative Staubsaugersysteme, Ventilatoren und Händetrockner. Im Bild: Firmengründer James Dyson. dpa

Dyson produziert innovative Staubsaugersysteme, Ventilatoren und Händetrockner. Im Bild: Firmengründer James Dyson.

BerlinEs ist der Gang in die Höhle des Löwen: Ab diesem November will der britische Haushaltsgerätehersteller Dyson seine Staubsauger, Ventilatoren und Händetrockner in China verkaufen. "Wir glauben, dass die Zeit reif dafür ist. Die Verbraucher dort sind markenbewusst und technologieorientiert", sagte der seit Beginn des Jahres amtierende Vorstandschef des Unternehmens, Max Conze. Der gebürtige Deutsche, der seit 20 Jahren in England lebt und arbeitet, zielt auf die wachsende chinesische Mittelschicht, die nach Qualität sucht und sie bislang in deutschen oder japanischen Produkten gefunden hat. Denn das Unternehmen, das durch seine futuristischen Staubsauger bekannt geworden ist, versteht sich als Premiumanbieter, der für einen Staubsauger schon mal 450 Euro verlangt.

Schon heute hat die mittelenglische Firma jede Menge Erfahrungen mit China - allerdings eher unangenehme: Das Reich der Mitte steht an der Spitze der Länder, die Dyson-Produkte kopieren. Furcht vor einer neuen Plagiatswelle nach dem geplanten Marktauftritt zunächst in Peking und Schanghai plagt Conze nicht. "Wir wollen in China zeigen, wer Dyson wirklich ist." Der technologie- und design-orientierte Hausgerätehersteller ärgert sich seit seiner Gründung vor 19 Jahren mit billigen Nachahmungen seiner Produkte herum. "Wir bezahlen mehr an unsere Anwälte, als uns lieb ist", sagt Conze. Erst jüngst wurden in Großbritannien Hunderte illegaler Kopien aus den Regalen genommen.

Den Aufstieg der Firma mit ihren inzwischen 1.600 Ingenieuren hat das nicht aufhalten können. In Großbritannien ist Dyson Marktführer, auch in Frankreich und den USA. Selbst in Japan ist das Unternehmen gut vertreten, es ist nach den USA der zweitwichtigste Markt überhaupt. Auch in Deutschland ist Dyson gefragt. Bei Staubsaugern - dem Hauptprodukt der Briten - liegen die transparenten Designstücke hinter Miele auf dem zweiten Platz - wertmäßig, nicht nach Stückzahlen.

Um 20 Prozent will Dyson jedes Jahr zulegen. Entwickelt wird in Großbritannien, produziert dagegen in Singapur und Malaysia.

Die Briten verstehen sich als Technologieunternehmen. So präsentieren sie auf der Funkausstellung in Berlin einen kabellosen Leichtsauger mit einem Elektromotor, in dessen Entwicklung sie zehn Jahre und rund 100 Millionen Pfund gesteckt haben. Dafür wiegt er nur ein Fünftel üblicher Motoren, schafft 100.000 Umdrehungen pro Minute statt 30.000 und ist deutlich energieeffizienter.

Mit solchen Innovationen will Dyson, dessen charismatischer Gründer James Dyson sich inzwischen weitgehend aus dem Tagesgeschäft verabschiedet hat und für die Rückkehr Großbritanniens als Industrienation kämpft, nun auch die Chinesen begeistern. Der handliche Staubsauger mit Batteriebetrieb sei geradezu für Asien gemacht, findet Conze. "Der ist doch ideal für die vielen kleinen Apartments in Schanghai."

Kommentare (3)

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04.09.2012, 11:52 Uhr

"Der handliche Staubsauger mit Batteriebetrieb sei geradezu für Asien gemacht, findet Conze."

??? SEI für Asien gemacht? IST in Asien gemacht!

Account gelöscht!

04.09.2012, 12:20 Uhr

Ein Unternehmer, der seine Produkte in England nur entwickelt, aber in Asien produzieren lässt, will sich für die Rückkehr Grossbritanniens als Industrienation stark machen?
Mal nachgedacht: der Absatzmarkt eines Landes wird zu 95 % aus dem Arbeitsmarkt eines landes gespeist. Wenn ich also das Arbeitseinkommen für die Herstellung in Asien lasse, schwäche ich den Absatzmarkt meines Landes.
Eine Industrienation kann GB nur wieder werden, wenn in GB auch wieder produziert wird.
Das wirklich haarsträubende ist, dass Dyson so hohe Preise bekommt, dass es jederzeit direkt in GB produzieren könnte.
Der Geiz der Unternehmer in GB hat dazu geführt, dass GB keine Industrienation mehr ist.

Account gelöscht!

04.09.2012, 17:13 Uhr

und dieser Geiz war und ist ansteckend !

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