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19.06.2012

10:02 Uhr

Kommentar

Angriff ist die beste Verteidigung

VonAxel Postinett

Es wurde Zeit für Microsoft, auf dem Tablet-Markt aufzuholen. Das Surface könnte Windows eine Zukunft geben. Mit seinem Standfuss und der abnehmbaren Tastatur hat das Surface das Zeug zum mobilen Rechner von Morgen.

Surface

Das kann das Microsoft-Tablet

Surface: Das kann das Microsoft-Tablet

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Los AngelesEs gab keine Alternative. Microsoft muss eigene Hardware bauen, denn es kann seinen Hardwarepartnern nicht mehr vertrauen. Die Eroberung des Tablet-Marktes durch Apple schreitet voran und was jetzt nötig ist, ist eine konzertierte Aktion, orchestriert aus einer Hand, um hier überhaupt noch mal ein Bein auf die Erde zu bekommen. Steve Ballmer verteidigt hier nicht die PC-Welt. Er verteidigt Windows, sein Betriebssystem, das aus immer mehr Haushalten zu verschwinden droht. Das ist die unmittelbare und existenzgefährdende Bedrohung, der er sich gegenübersieht. Waren es 2010 noch wenige Millionen verkaufte Tablets, werden es 2016 über 220 Millionen sein, schätzt IDC. Windows-Marktanteil heute: Null.

Microsoft-Chef Steve Ballmer sieht mit sorgenvollem Blick auf seine PC-Partner, die entweder, wie HP, in immer größere Schwierigkeiten rutschen, oder, wie Dell, sich zum Anbieter von Cloud-Diensten für Unternehmen mausern. Jeder will weg vom PC-Geschäft, und als der glücklose damalige HP-Chef Leo Apotheker damit drohte, man könne die PC-Sparte eigentlich auch ganz abstoßen, muss Ballmer klar geworden sein, dass er handeln muss, wenn er Windows eine Zukunft geben will.

Handelsblatt-Korrespondent Axel Postinett

Handelsblatt-Korrespondent Axel Postinett

Surface ist denn auch nicht wirklich ein Microsoft-iPad. Es soll eine neue Art von Computing beliebt machen, in der Windows noch eine Berechtigung hat. Den Standfuss ausgeklappt und die abnehmbare Tastatur vor dem Tablet ist Surface der tragbare Rechner von Morgen, der Zwitter zwischen Konsum und Business. So muss das aussehen, ruft Ballmer in Richtung von Dell, Lenovo oder HP.

Die werden mit den Zähnen knirschen, aber zuhören. Denn wirklich wechseln können sie auch nicht. Wohin denn? Apple lässt niemanden rein. Google hat sich Motorola gekauft und wird bald beginnen eigene Android-Tablets zu bauen. WebOS von HP ist tot und Blackberrys Betriebssystem wäre zu haben, aber die bisherige Performance ist nicht vertrauenerweckend. Was bleibt also? Sie werden wieder einmal mit Microsoft an einem Strang ziehen, diesmal weil sie es müssen.

Was Steve Ballmer jetzt eigentlich nur noch fehlt, um so zu werden wie Apple, das ist eine ordentliche Smartphone-Sparte. Und schon sind wir wieder bei Nokia angelangt, dem einstigen Börsenstar, der jetzt keine zehn Milliarden Euro mehr wert ist.

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