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10.08.2012

09:34 Uhr

Konsumforschung

Dein Fernseher schaut dir zu

VonPatrick Beuth
Quelle:Zeit Online

Bei Lesern von E-Books wird schon lange beobachtet, was und wie lange sie lesen. Jetzt soll auch der digitale Fernsehkonsum erfasst werden. Seit Mitte Juli speichert die Telekom in Deutschland, wie ihre Kunden fernsehen

Der Fernseher als Datensammler: Sender können ihre Formate damit genauer den vermeintlichen Vorlieben der Nutzer anpassen. ap

Der Fernseher als Datensammler: Sender können ihre Formate damit genauer den vermeintlichen Vorlieben der Nutzer anpassen.

HamburgWelche Bücher wir lesen, welche Songs wir hören, welche TV-Shows wir sehen, das wissen Unternehmen wie Amazon und Apple ziemlich genau. Schließlich kaufen wir E-Books, MP3-Alben und einzelne Folgen von Breaking Bad schon seit Langem online bei Amazon oder iTunes. Mittlerweile wollen diese und andere Unternehmen aber auch wissen, wie intensiv wir lesen oder fernsehen. Und sie machen es uns schwer, das für uns zu behalten.

Dein E-Book liest dich, schrieb das Wall Street Journal kürzlich. Gemeint war: Amazon, Barnes & Noble und andere schauen ihren Kunden über die Schulter, wenn die E-Books lesen. Wie lange und wie schnell sie im Schnitt lesen, an welcher Stelle im Buch sie den E-Reader zur Seite legen, was sie unterstreichen – solche Dinge speichern die Unternehmen. Das funktioniert, weil die Lesegeräte und Lese-Apps ständig oder zumindest immer mal wieder mit dem Internet verbunden sind und dabei die entsprechenden Daten an die Unternehmensserver übertragen.

Jetzt wird diese Art von Konsumforschung auch beim Fernsehen eingesetzt. Seit Mitte Juli erhebt und speichert die Telekom in Deutschland, wie Kunden ihres Digital-TV-Pakets Entertain fernsehen: Laut Verbraucherzentrale Bundesverband wird dabei festgestellt, welche Sendungen sie aufzeichnen, wann sie den Dienst nutzen, welche Programme sie auswählen und wann sie umschalten.

Die Daten der rund 1,7 Millionen Entertain-Kunden werden zunächst pseudonymisiert erhoben, dann anonymisiert und ausgewertet und anschließend auch den Fernsehsendern zur Verfügung gestellt.

Warum das alles? Die Daten sind eine Goldgrube. Buchverkäufer kannten bislang nur die Verkaufszahlen. Was anschließend mit den Büchern geschah, erfuhren sie nie. Beim Fernsehen werden Einschaltquoten zwar erhoben, das Verfahren ist aber mühsam, teuer und, da es auf Hochrechnungen basiert, nicht sehr genau. Gleichzeitig sind die Zahlen aber Basis für Berechnungen, wie viel Geld für Werbung genommen werden kann und für die Planung des Programms.

Kommentare (2)

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Hermann.12

10.08.2012, 12:21 Uhr

Persönlich halte ich diese Ausspähungen für illegal, zumindest für unethisch.
Es spielt keine Rolle, ob die Daten anon ymisiert werden oder nicht, sie stellen in jedem Falle einen unzulässigen eingriff in die Privatsphäre dar.
Hier hat der Gesetzgeber geschlafen und im nachhinein ist es schwierig daraus resultierende Geschäftsmodelle wieder abzuschaffen.
Dabei ist es es nicht im gesellschaftlichen Interesse hier alltzu viel zu wissen.
das hängt damit zusammen, das über dieses wissen eine statistische diktatur möglich ist. Das deshalb, weil man in eiern Gesellschaft nicht die Mehrheit, sondenr nur die größten Einzelgruppen bedienen muss, die einfluss gelten amchen können.
So reichen schon manchmal 20-30% der Gesellschaft um die gesamte macht auszüben. Ebenso um Gewinn bei Massenprodukte zu maximieren. Der Rest, die Mehrheit, muss dann akzeptieren, was angeboten wird, egal ob wirklich den Bedarf trifft oder doch nur für die meisten unbefriedigende Wahllosigkeit.
Ich denke, das diese Praktiken grundsätzlich Verboten gehören, weil sie schlicht das Ende der Demokratie bedeuten, ob wir das wollen oder nicht.
Das heisst, absolut keinerlei Erhebung ohne ofizielle aktive Erlaubnis der Ausgeforschten.


H.

Sedeleesele

11.08.2012, 01:14 Uhr

Dazu noch Gedanken-Klau ganz dickes Geschäft,die Technik ist schon da der Super-Gau ist auch da,nur die Menschen brauchen ein bisschen länger zu kapieren.

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