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04.06.2011

08:23 Uhr

Kurznachrichtendienst

Die neue Twitter-Diplomatie

Spitzenpolitiker wie der schwedische Außenminister Carl Bildt nutzen Twitter zur Kommunikation - auch mit internationalen Kollegen und Journalisten. Manchmal kommt es dabei gar zum öffentlichen Schlagabtausch.

Schwedens Außenminister Carl Bildt nutzt auch Twitter zur Kontaktaufnahme mit Diplomaten. Quelle: Reuters

Schwedens Außenminister Carl Bildt nutzt auch Twitter zur Kontaktaufnahme mit Diplomaten.

StockholmAls der schwedische Außenminister Carl Bildt seinen Kollegen aus Bahrain über die traditionellen Kommunikationswege nicht erreichen konnte, versuchte er es in der vergangenen Woche einfach über Twitter: „Trying to get in touch with you on an issue“ (Versuche mit Ihnen in einer Sache in Kontakt zu kommen), schrieb Bildt an Chalid bin Ahmed al Chalifa gerichtet.

Ein Aufruf über Twitter - sieht so die Zukunft der Diplomatie aus? „Es zeigt, dass man in der modernen Welt auf moderne Art und Weise Kontakt suchen kann“, sagte Bildt der Nachrichtenagentur AP. Er ist einer von vielen Politikern und Diplomaten auf der Welt, die nachdrücklich für die Nutzung der sogenannten sozialen Medien eintreten. Auch Regierungssprecher Steffen Seibert bekannte, er habe sich vom harten Kritiker des Kurznachrichtendienstes Twitter zu einem großen Fan gewandelt. Twitter sei für ihn heute „ein Kommunikationskanal unter vielen“.

Bildt hatte Erfolg mit seiner Suche nach Al Chalifa. Der Politiker aus Bahrain nahm Kontakt mit dem Schweden auf. Er wisse genau, wer seiner Kollegen auf Twitter sei, sagte Bildt. Al Chalifa hat fast 32.000 Follower und ist in seinem Land so eine Art Internet-Berühmtheit. Er ist so bekannt, dass schon Twitter-Konten entstanden, die sich lustig über ihn und sein Gewicht machen. Eine der Parodien antwortete denn auch auf Bildts Anfrage an Al Chalifa: „@carlbildt He's eating right now, try again later (hashmark)bahrain.“ (Er isst gerade, versuch es später noch mal)

Tweets vor allem an die eigenen Follower gerichtet

Trotz des Risikos solcher Schwindel werden Diplomaten in Zukunft vermutlich die Online-Netzwerke eher mehr als weniger nutzen, um sich gegenseitig zu kontaktieren. Und sei es auch nur, um zu zeigen, dass sie mit der Zeit gehen. So vermutet John Einar Sandvand, der in Norwegen über Medientrends bloggt, dass sich Bildts Tweet nicht nur an Al Chalifa, sondern vor allem auch an die eigenen rund 30.000 Follower richtete.

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