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24.01.2005

22:05 Uhr

IT + Telekommunikation

Lachende Aktionäre und bangende Mitarbeiter bei Wincor Nixdorf

Vorstand und Aktionäre haben derzeit gut Lachen bei Wincor Nixdorf: Der Paderborner Hersteller von Kassensystemen und Geldautomaten ist in sein zweites Geschäftsjahr als Aktienunternehmen mit einem deutlichen Umsatzwachstum gestartet.

Wincor Nixdorf

Der Vorstandsvorsitzende Stiller auf der Hauptversammlung der Wincor Nixdorf AG.

dpa PADERBORN. Vorstand und Aktionäre haben derzeit gut Lachen bei Wincor Nixdorf: Der Paderborner Hersteller von Kassensystemen und Geldautomaten ist in sein zweites Geschäftsjahr als Aktienunternehmen mit einem deutlichen Umsatzwachstum gestartet.

Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum sei der Umsatz im ersten Quartal des laufenden Geschäftsjahres (30. September) um fast 17 Prozent auf 455 Mill. Euro gestiegen, sagte Karl-Heinz Stiller, Vorstandschef der Wincor Nixdorf AG, am Dienstag in Paderborn. Das operative Ergebnis (Ebita) stieg sogar um 24 Prozent auf 34,5 Mill. Euro. Auch bei den Mitarbeitern legte das Unternehmen um 173 zu und wuchs auf 6 287 Beschäftigte weltweit.

Mit solchen Zahlen im Gepäck fiel Stiller am Dienstag der Auftritt vor 240 Aktionären in Paderborn leicht. Strahlend präsentierte er die Bilanz des abgelaufenen Geschäftsjahres: neun Prozent Umsatzwachstum auf rund 1,6 Mrd. Euro und ein zwölfprozentiger Zuwachs beim operativen Ergebnis auf 116 Mill. Euro. Und als er die Wachstumsprognose für das laufende Jahr nach oben korrigierte, applaudierten die Zuhörer: Statt um sieben Prozent, wie noch im Dezember angekündigt, will Wincor Nixdorf um zehn Prozent beim Umsatz zulegen. Beim operativen Ergebnis geht Stiller nun von einem Zuwachs von zwölf statt von acht Prozent aus.

Auch beim Blick auf den Kurszettel gerieten die Aktionäre in Sektlaune: Beim Börsengang im vergangenen Mai lag der Ausgabepreis bei 41 Euro. Mittlerweile pendelt der Anteilsschein bei rund 60 Euro.

Von der guten Laune in der Vorstandsetage und auf dem Börsenparkett dürften viele Mitarbeiter momentan eher nicht angesteckt werden. Die Wincor-Nixdorf-Mitarbeiter in Deutschland sollen trotz steigender Gewinne zu gleichem Lohn wieder mehr arbeiten, nämlich 40 statt 35 Stunden in der Woche. Nach Auffassung Stillers sichert nur das die Arbeitsplätze in Deutschland langfristig. „Von den mehr als 6 000 Beschäftigten arbeiten nur 3 000 in Deutschland“, sagte Unternehmenssprecher Andreas Bruck. Im vergangenen Jahr kamen rund zwei Drittel des Umsatzes aus dem Ausland, das wegen der niedrigeren Lohnkosten auch als Produktionsstandort attraktiver wird.

Die Verhandlungen laufen, und Stiller will eine Einigung bis Ende März. Bei den Betriebsräten und der IG Metall klingeln mittlerweile die Alarmglocken: Vor wenigen Tagen gründete Wincor Nixdorf eine Dienstleistungstochter, die notfalls Mitarbeiter unterhalb des Tarifniveaus beschäftigen könnte. „Noch ist niemand eingestellt“, betonte Bruck. Aber die Option sei jetzt offen.

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