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25.02.2011

09:20 Uhr

LAN-Party im Bundestag

Politiker versuchen sich an Counterstrike

Das gab es im Bundestag noch nie: Abgeordnete spielen Counterstrike und setzen sich beim virtuellen Autorennen vors Lenkrad. Die Idee zum ersten „Politiker-LAN“ hatten drei Politiker, die sich an der oft einseitig geführten Debatte über Computerspiele und Gewalt stören.

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BerlinStreng mahnt die Software den Abgeordneten: „Sei vorsichtig, du hast Dreck am Reifen!“ Der FDP-Politiker Manuel Höferlin rechtfertigt sich: „Der hat mich abgedrängt!“ Am Ende aber ist er zufrieden: „Wir haben viele verschiedene Spiele ausprobiert und sind darüber ins Gespräch gekommen.“ Rund 50 Bundestagsabgeordnete folgten der Einladung zum ersten „Politiker-LAN“ im Berliner Reichstagsgebäude. Zusammen mit seinen Kollegen Jimmy Schulz (FDP) und Dorothee Bär (CSU) wollte Höferlin so einen Beitrag leisten zu „einer sachlichen, vorurteilsfreien Debatte über ein Thema, das Kinder und Jugendliche in ihrer direkten Lebenswelt betrifft“.

Viele leidenschaftliche Computerspieler fühlen sich von Politik und Medien stigmatisiert. Nach einer Bluttat wie dem Amoklauf von Winnenden im März 2009 wird stets gefragt, ob der Täter schon mal mit einem Egoshooter gespielt hat - diese Art von Computerspielen vermittelt eine realitätsnahe Perspektive, selbst durch Gänge und Räume zu laufen und dabei auf virtuelle Gegner zu schießen.

In der Fraktionsebene des Reichstags wird nur gedämpft geballert.

Die Lautsprecher sind leiser gestellt als auf einer gewöhnlichen LAN-Party, auf der die Teilnehmer an miteinander vernetzten Computern gegeneinander antreten.

Wie das geht, zeigen den Abgeordneten Profispieler wie Fabian Riegsinger, der beim Online-Shooter Counterstrike in der Electronic Sports League (ESL) um Ruhm und Geldpreise kämpft. Die LAN-Party im Bundestag findet der 21-jährige Student aus Friedberg in Hessen sehr gut: „Wir haben als Spieler sonst kaum eine Chance, den Politikern zu zeigen, dass sie ihre Meinung überdenken sollten.“

Allerdings blieben Hardliner wie der Abgeordnete Hans-Peter Uhl (CSU) der Veranstaltung am Mittwochabend fern. Der Vorsitzende der Arbeitsgruppe Innenpolitik in der CDU/CSU-Fraktion hatte nach dem Amoklauf von Winnenden „geeignete Maßnahmen des Jugendschutzes“ gefordert. Denn dort habe sich erneut gezeigt, „dass der Täter im Vorfeld seiner Tat sich intensiv mit sogenannten Killerspielen“ wie Counterstrike beschäftigt habe.

Kommentare (1)

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BWLStudent

25.02.2011, 14:25 Uhr

"In der Fraktionsebene des Reichstags wird nur gedämpft geballert.

Die Lautsprecher sind leiser gestellt als auf einer gewöhnlichen LAN-Party.."

Peinlich. auf einer gewöhlnichen LAN-Party hört man nüscht, weil alle mit Kopfhörern spielen, um unverfälscht nur die Umgebungsgeräusche des eigenen Avatars zu hören. Schade eigentlich, dass man sich solcher unseriösen Aussagen bedienen muss, um entweder seine Zeilen vollzukriegen oder einfach weil es sich schön in den Artikel fühlt. Integerer Journalismus liest sich anders.

Aber immerhin: Das Thema wird hier überhaupt aufgegriffen. Kann mich noch an Zeiten der Ächtung erinnern, in denen das nicht der Fall gewesen wär.

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