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06.03.2013

11:08 Uhr

Leit-Artikel „Cinemizer“

Endlich Schmuddelfilme im Flugzeug gucken

VonMartin Dowideit

Die Tech-Welt lauert auf den Start der Multimediabrille von Google. Andere Hersteller haben bereits Bildschirm-Brillen herausgebracht – etwa Carl Zeiss. Dessen Cinemizer ist nur etwas für Mutige, wie unser Test zeigt.

Wer die Zeiss „Cinemizer“-Brille in der Öffentlichkeit nutzen will, braucht eine Portion Mut.

Wer die Zeiss „Cinemizer“-Brille in der Öffentlichkeit nutzen will, braucht eine Portion Mut.

DüsseldorfWie die Zukunft der Multimedia-Brillen aussehen könnte, hat Google gezeigt: Im Bügel eine Kamera eingebaut, im Brillenglas ein Display – das digitale Nasenfahrrad für den Dauerbetrieb. Mit seinem bereits erhältlichen Modell „Cinemizer“ verfolgt der Optik-Konzern Carl Zeiss eine andere Idee: Multimedia für den ruhenden Betrachter.

Denn durch die Brille des deutschen Herstellers kann man nicht schauen, im Gehen ist das Modell nicht zu benutzen. Dafür hat das Gerät andere Vorteile: Die Mini-Bildschirme mit 0,4 Zoll Diagonale in dem weißen Gehäuse spielen Videos so ab, dass dem Nutzer ein 40-Zoll-Fernseher in zwei Metern Entfernung vorgegaukelt wird – wenn auch nicht in voller HD-Auflösung (stattdessen: 870 mal 500 Bildpunkte auf jedem OLED-Display).

Google Glass

Prestigeprojekt des Gründers

Die Datenbrille ist für den Internet-Konzern ein Prestigeprojekt – Mitgründer Sergey Brin kümmert sich darum persönlich. Seine Vision: Mithilfe des kleinen Bildschirms soll das Internet noch nahtloser in den Alltag integriert werden, etwa indem dort Informationen wie Wegbeschreibungen, E-Mails oder das Wetter eingeblendet werden.

Erste Geräte für Tester

Google Glass war anfangs noch nicht reif für den Massenmarkt, Google versorgte einige Tausend Testnutzer mit Brillen. Sie mussten 1500 Dollar plus Steuern zahlen. Im April will der Konzern das Gerät in den freien Verkauf geben, allerdings nur in den USA und in begrenzter Stückzahl.

Olympus arbeitet an Datenbrille

Auch andere Unternehmen arbeiten an einer Datenbrille, etwa Olympus und Epson. Allerdings richten sich die Konkurrenzmodelle nicht unbedingt an Privatnutzer, sondern eher an Unternehmen, die eines Tages etwa Lagerarbeiter damit ausstatten könnten.

Andere tragbare Computer

Andere Anbieter arbeiten ebenfalls an tragbaren Geräten, die sich mit dem Computer verbinden können. So haben diverse Unternehmen, darunter Samsung, Sony und das Start-up Pebble, Smartwatch-Modelle im Angebot, die Nachrichten auf einem kleinen Monitor am Handgelenk anzeigen und ermöglichen, auf Anrufe zu reagieren.

Das Gerät zeigt auch 3D-Inhalte – wie etwa YouTube-Videos mit Raumeffekt – in überzeugender Qualität. Als in einem Filmchen ein Schwert in meine Richtung geschwungen wurde, bin ich sogar ein wenig zusammengezuckt.

Für meinen Test habe ich die Brille auch an eine Spielekonsole Playstation 3 angeschlossen. Der 3D-Effekt beim Autorennspiel „Gran Turismo 5“ überzeugte mich allerdings nicht. Einzig die Cockpit-Einblendungen wirkten vom Geschehen auf der Rennstrecke abgesetzt.

Ausprobiert habe ich auch die Funktion des von Zeiss auf der Cebit in diesen Tagen vorgestellten „Headtracker“, der auf einen der Brillenbügel aufgesteckt wird. Das Zubehörteil ermöglicht sehr zielgenau, mit der Bewegung des Kopfes den Mauszeiger auf einem Display zu bewegen. Bewegt man den Kopf zum Rand, schwenkt das betrachtete 3D-Modell oder schaut im Cockpit eines Flugsimulators tatsächlich zur Seite.

Der „Headtracker“ wird hinten an den Brillenbügel aufgesteckt und ermöglicht die Maussteuerung per Kopfbewegung. Carl Zeisspr

Der „Headtracker“ wird hinten an den Brillenbügel aufgesteckt und ermöglicht die Maussteuerung per Kopfbewegung.

Gut fand ich – anders als andere Tester – die Klangqualität der In-Ohr-Kopfhörer, die am Cinemizer-Gestell festgemacht sind. Eine meiner liebsten Verfolgungsjagden und Schießereien aus dem Action-Streifen „Ronin“ mit Robert De Niro dröhnte gut, ohne den Nebensitzer zu stören.

Doch überschwängliches Lob für die Multimedia-Brille zu verteilen, fällt schwer. Denn für den Alltag ist sie nicht wirklich geeignet. Das hat mehrere Gründe. Zum einen den Kabelsalat. Von dem Brillengestell führt eine Strippe in eine schwarze Box von der Größe eines Handys. Darin verbirgt sich der Akku. Um dann noch Bilder in die Brille zu kriegen, muss man entweder mit einem 79 Euro teuren Adapter ein iPhone oder einen iPod oder aber ein HDMI-Kabel anschließen.

Problem: Der Eingang ist eine Mini-HDMI-Schnittstelle, sodass man um etwa ein HDMI-fähiges Laptop anzuschließen noch ein kurzes Adapterkabel braucht (das beim Testmodell beilag). Über das Kabel wird der Akku allerdings nicht geladen, sodass für die Stromversorgung bei schwachem Ladezustand noch ein USB-Kabel angeschlossen werden muss. Ein Ladeanschluss ist nicht im Paket erhalten, sodass nicht ohne Weiteres an einer Steckdose geladen werden kann.

Kommentare (1)

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Joschi292

06.03.2013, 12:08 Uhr

.....und eine Beule in der Hose haben. Da hat man dann die doppelte Aufmerksamkeit. Also der Überschrift passt vielleicht zum Springer Verlag aber nicht zum
Handelsblatt. Sorry!!!

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