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20.01.2005

14:20 Uhr

IT + Telekommunikation

Letzter Auftritt als Siemens-Chef: Pierer geht

Große Auftritte sind für Heinrich von Pierer nichts neues. Dennoch dürfte der kommende Donnerstag (27. Januar) für Pierer etwas besonderes sein. Gut zwölf Jahre nach seinem Amtsantritt gibt er auf der Hauptversammlung von Deutschlands größtem Elektrokonzern seine Abschiedsvorstellung.

Heinrich von Pierer

Siemens-Chef Heinrich von Pierer gibt die Unternehmensführung ab.

dpa MÜNCHEN. Große Auftritte sind für Heinrich von Pierer nichts neues. Dennoch dürfte der kommende Donnerstag (27. Januar) für Pierer etwas besonderes sein. Gut zwölf Jahre nach seinem Amtsantritt gibt er auf der Hauptversammlung von Deutschlands größtem Elektrokonzern seine Abschiedsvorstellung.

Damit tritt einer der mächtigsten und angesehensten Manager in Deutschland ab. Als Aufsichtsratschef will er aber dem Unternehmen verbunden bleiben.

Pierer war längst nicht immer so unumstritten. Heute lobt ihn Daniela Bergdolt von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz: „Er hat aus einem sehr bequemen und langsamen Siemens-Konzern ein flottes Unternehmen gemacht.“ Angesichts schwacher Ergebnisse und festgefahrener Strukturen war sie lange eine scharfe Kritikerin des Vorstandschefs. „Herr von Pierer, bringen Sie den schlingernden Riesentanker Siemens wieder in Fahrt und auf Kurs - oder verlassen Sie die Brücke“, rief sie ihm auf der Hauptversammlung 1999 zu.

Doch mit seinem berühmten Zehn-Punkte-Programm, das unter anderem die Abspaltung der Halbleitersparte vorsah, gelang Pierer die Wende. Trotz offener Baustellen - vor allem die Telekommunikationssparte kriselt - kann Pierer eine positive Bilanz seiner Ära ziehen. Der Umsatz stieg von umgerechnet rund 40 auf 75 Mrd. Euro, im vergangenen Geschäftsjahr wurde mit einem Gewinn von 3,4 Mrd. Euro das zweitbeste Ergebnis der Konzerngeschichte erzielt.

Angesichts einer solchen Bilanz weichen die Aktionärsschützer erstmals sogar von ihrer Forderung ab, dass ein Vorstandschef nicht nahtlos Vorsitzender des Aufsichtsrats werden dürfe. „Es wäre ein bisschen eine absurde Situation, wenn Pierer als einfaches Aufsichtsratsmitglied dasäße“, sagt Bergdolt. Wegen seiner persönlichen Leistung für das Unternehmen habe sie keine Einwände gegen die Übernahme des Aufsichtsratsvorsitzes.

Seinen Nachfolger Klaus Kleinfeld will Pierer zwar unterstützen. Er stellte aber auch klar, dass er sich nicht zu sehr einmischen will. „Nicht zu stören, heißt auch helfen.“ Dabei könnte auch eine gewisse räumliche Distanz helfen. Für seine Aufsichtsratstätigkeit hat sich Pierer schon ein Büro in der Erlanger Siemens-Dependance ausgekuckt. „Ich werde das Erlanger Büro wieder zur Blüte bringen.“ Die so gewonnene Zeit will er unter anderem in die weitere Verfeinerung seines Tennisspiels investieren, obwohl der ehrgeizige Manager, der gern über seine Erfolge spricht, bereits im vergangenen Jahr alle seine drei Spiele für die Erlanger Senioren-Mannschaft gewann.

Mehr als ein Wermutstropfen ist für Pierer die schwierige Situation in der Kommunikationssparte. „Das macht ihm auch persönlich zu schaffen“, sagt ein Unternehmenskenner. Eigentlich wollte Pierer vor seinem Abtritt noch zumindest entscheiden, was mit dem verlustreichen Handygeschäft passiert. Das wird ihm wohl nicht mehr gelingen. So urteilte das „Handelsblatt“: „Pierer geht, die Probleme bleiben.“

Auch die Arbeitnehmer sehen Pierers Abgang mit gemischten Gefühlen. „Geschäftlich war das natürlich eine durchaus erfolgreiche Zeit“, sagt Siemens-Aufsichtsrat Wolfgang Müller von der IG Metall. Das Bekenntnis Pierers zum Standort Deutschland sei allerdings zwar durchaus ernst gemeint. Er wolle aber durch niedrigeren Lohn und längere Arbeitszeiten aber am liebsten hier zu Lande Standortbedingungen wie in China schaffen. Außerdem seien unter Pierers Führung tausende von Arbeitsplätzen in Deutschland abgebaut worden. „Sozial ist die Bilanz gemischt.“

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