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10.07.2014

10:24 Uhr

Links löschen lassen

Vergiss es, Google!

VonChristof Kerkmann

Operation Löschtaste beginnt: Seit gut einer Woche setzt Google das Recht, im Netz vergessen zu werden, um und entfernt Links aus den Suchergebnissen. Wie Sie Seiten entfernen lassen – und wie Sie die Sperre umgehen.

Abwägungssache: Welchen Name benutze ich in einem sozialen Netzwerk? Dies Frage ist nun auch bei Google+ erlaubt. ap

Abwägungssache: Welchen Name benutze ich in einem sozialen Netzwerk? Dies Frage ist nun auch bei Google+ erlaubt.

DüsseldorfMisserfolge, Pannen, Peinlichkeiten: Seit einem Urteil des Europäischen Gerichtshofs haben normale Bürger das Recht, Hinweise auf unangenehme, aber heute nicht mehr relevante Informationen aus den Ergebnissen von Google und Co löschen zu lassen. Seit einigen Tagen setzt der Marktführer den Richterspruch nun um. Wie können Nutzer die Suchergebnisse bereinigen – und wie die Sperren umgehen?

Wer einen Link entfernen lassen will, muss sich an den Suchmaschinenbetreiber wenden – also in erster Linie an Google, in zweiter Linie auch an Microsoft oder Yahoo. Der Marktführer hat eigens ein Online-Formular entwickelt, Microsoft arbeitet derzeit daran. In die Maske geben Nutzer die entsprechenden Web-Adressen und den Grund für die Löschung ein. Der sollte gut sein, denn Google will den Antrag nach den Vorgaben des Europäischen Gerichtshofs (siehe Infokasten) prüfen und „zwischen den Datenschutzrechten des Einzelnen und dem Recht der Öffentlichkeit auf Auskunft und Informationsweitergabe abwägen“.

Das Recht, vergessen zu werden

Urteil mit Folgen

Es ist ein wegweisendes Urteil: Der Europäische Gerichtshof (EuGH) hat im Mai 2014 entschieden, dass Google unter bestimmten Umständen Verweise auf Internetseiten mit sensiblen persönlichen Informationen aus der Ergebnisliste seiner Suchmaschine entfernen muss. Profitieren sollen vor allem normale Bürger – also nicht Promis, Sportler oder Wirtschaftslenker, an denen die Öffentlichkeit ein Interesse hat.

Wann gelöscht werden muss

Links müssen entfernt werden, wenn seit der Veröffentlichung Jahre verstrichen sind oder die Informationen nicht mehr ihrem ursprünglichen Zweck entsprechen, entschied der EuGH.

Erst an Google wenden...

Um einen Link aus der Ergebnis-Liste streichen zu lassen, müssten Betroffene sich zuerst direkt an Google wenden. Der Suchmaschinenriese hat ein Online-Formular entwickelt, über das Nutzer ihre Anfragen einreichen können.

... dann an die Datenschützer

Lehnen die Betreiber der Suchmaschine eine Löschung ab, wären die Datenschützer die nächsten Ansprechpartner. Da Google seine deutsche Niederlassung in Hamburg hat, würde man sich an den Hamburger Datenschutzbeauftragten wenden. Der Datenschützer kann auch im Namen der Betroffenen klagen.

Im Zweifel entscheiden Gerichte

Im Einzelfall müssten Gerichte klären, wann ein Verweis entfernt werden muss, erklärte der EuGH. Dabei müsse ein angemessener Ausgleich zwischen den Interesse der Internet-Nutzer an Informationen und den Grundrechten der betroffenen Person gefunden werden. Dieser Ausgleich könne auch angesichts der Rolle einer Person im öffentlichen Leben unterschiedlich ausfallen, schränkten die Richter ein.

Positive Reaktionen der Politik...

Die überwiegende Mehrheit der Politiker begrüßte das Urteil. Bundesjustizminister Heiko Maas lobte eine Stärkung der Datenschutzrechte, die EU-Kommission sah nicht nur die Situation der EU-Bürger verbessert, sondern auch die eigene Position untermauert.

... und Bedauern bei Google

Google kritisierte das Urteil des EuGH erwartungsgemäß. „Diese Entscheidung ist nicht nur für Suchmaschinen enttäuschend, sondern auch für alle, die Inhalte online publizieren“, sagte ein Google-Sprecher. Der Konzern sei sehr überrascht, dass das Urteil so stark von der vorherigen Einschätzung des Generalanwalts abweiche und dessen Warnungen unberücksichtigt lasse.

Christian Scherg, dessen Agentur Revolvermänner bei der Imagepflege im Netz hilft, hat bereits Erfahrungen damit gesammelt: 10 bis 15 Fälle landen jede Woche auf seinem Schreibtisch. Die wichtigste Frage: Wie prominent ist der Betroffene? Und geht es um dessen Privatleben oder eine öffentlich sichtbare Tätigkeit, etwas als Chef einer Firma? Das mache einen Unterschied: Auch ein Wirtschaftslenker darf ein Privatleben haben. Die zweitwichtigste Frage: Wie lange liegt der Bericht zurück? Einige Erfolge hatte die Agentur bei Artikeln, die mindestens zwei bis drei Jahre alt waren. Das erleichtert auch die Begründung, die Informationen seien nicht mehr relevant.

Besonders kompliziert ist das Verfahren nach Einschätzung von Scherg nicht: „Man kann das selber machen und muss keinen Dienstleister beauftragen. Die Chancen sind gut, gerade bei Einträgen, die länger in der Vergangenheit liegen.“ Vier bis sechs Wochen dauere die Bearbeitung erfahrungsgemäß. Wunderdinge sollten Nutzer allerdings nicht erwarten: „Google geht bei der Löschung feinchirurgisch vor“ – entfernt wird so wenig wie möglich.

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