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15.02.2006

09:30 Uhr

Markt für mobile E-Mails

Microsoft macht Jagd auf den Blackberry

VonFrank L. Niebisch

Lange Zeit war Research in Motion (RIM) mit seiner mobilen E-Mail-Maschine Blackberry unangefochtener Anbieter. Doch nun geraten die Kanadier gleich von mehreren Seiten unter Druck.

Mit dem Blackberry 8700 von RIM kann man telefonieren, E-Mails empfangen und Termine verwalten. dpa

Neuer Blackberry

Mit dem Blackberry 8700 von RIM kann man telefonieren, E-Mails empfangen und Termine verwalten.

HB DÜSSELDORF. Nicht nur Patentstreitigkeiten in den USA und vermehrt aufkommende Sicherheitsbedenken machen RIM zu schaffen, neben anderen Geräteherstellern will nun auch Microsoft vom wachsenden Markt für mobile E-Mail-Lösungen profitieren. Der Softwareriese hat auf der Mobilfunkmesse 3GSM in Barcelona zum Großangriff geblasen.

Nokia und Sony-Ericsson sowie Motorola und Samsung bieten noch in diesem Jahr auf der Geräteseite spannende Alternativen zum Blackberry. "Ich sehe eigentlich nichts, was den Blackberry-Dienst derzeit absichern könnte - außer vielleicht die Angst vor Microsoft selber", erklärt Telekom-Experte Philipp Gerbert von der Boston Consulting Group. Umso genauer wird der Marktstart des neuen Blackberry-Flaggschiffs beobachtet.

Ohne Frage, RIM hat mit dem neuen Blackberry 8700 deutlich aufgerüstet. Dank schnellerem Prozessor geht alles noch lockerer von der Hand - die Bedienung der Kult-Objekte war immer schon intuitiv. Das Telefon-Display oberhalb der vollständigen "QWERTZ-Tastatur" ist zudem im bunten Multimedia-Zeitalter angekommen. Auf eine optionale Speichererweiterung oder gar UMTS muss man jedoch verzichten, hier ist die Konkurrenz weiter.

Die Blackberry-Jäger kommen

Großes Potenzial als Blackberry-Jäger hat das E61 vom weltgrößten Handy-Hersteller Nokia. Das auf dem jüngsten Symbian-Betriebssystem basierende Gerät sieht zwar fast aus, wie das Vorbild aus Kanada, bietet im Gegensatz aber auch den neuen Mobilfunkstandard UMTS und Wireless LAN. Beim Dienst, mit dem E-Mails direkt auf mobile Geräte durchgeleitet werden, zeigen sich die Finnen flexibel. Neben dem Blackberry-Service von RIM werden auch Visto E-Mail und Seven Always-On Mail zum Abgleich von Nachrichten, Kontakt- und Kalender-Daten unterstützt.

Das Gemeinschaftsunternehmen Sony-Ericsson hat mit dem klassisch gehaltenen P990i und dem stylisch schlanken M600i ebenfalls spannende Herausforderer im Programm, die auf dem Symbian-Betriebssystem basieren und auch UMTS sowie WLAN unterstützen. Sie arbeiten mit fast allen gängigen Push-E-Mail-Lösungen - beispielsweise auch mit Intellisync, Microsoft Exchange ActiveSync, Seven, Visto und natürlich Blackberry Connect - zusammen.

Das mit dem Windows-System laufende Samsung-Smartphone SGH-i320 ist nur 11,5 Millimeter dick.

Das mit dem Windows-System laufende Samsung-Smartphone SGH-i320 ist nur 11,5 Millimeter dick.

Microsoft auf dem Vormarsch

Gänzlich auf Microsoft setzen hingegen Samsung mit dem SGH-I320 und Motorola mit dem Moto Q. Beide Smartphones nutzen Windows Mobile 5 als Betriebssystem und sind somit für Exchange-Mail-Server mit dem so genannten "Message and Security Feature Pack" optimiert. Blackberry unterstützt hingegen auch Lotus- und Novell-Infrastrukturen. Auf eine vollständige Buchstabentastatur, Megapixel-Kamera und vollständigen Oragniser müssen die Windows-Geräte trotz ihrer extrem flachen Bauweise mit einer Tiefe von gerade 11,5 Millimetern jedoch nicht verzichten.

Insgesamt 47 Hersteller bringen nach Angaben von Microsoft in Zukunft Handys und Smartphones mit dem Windows-Betriebssystem auf den Markt. Die wichtigen Geschäftskunden will der Konzern auch mit dem Kostenfaktor für seine Lösung gewinnen. Da die Infrastruktur von Microsoft in vielen Betrieben bereits vorhanden ist, sei die Integration neuer Geräte etwa für Außendienstmitarbeiter besonders einfach, erklärte Microsoft-Europa-Manager Hardy Poppinga auf der 3GSM. Die Einbindung weiterer mobiler Geräte in ein Firmennetzwerk mit Microsoft-Software sei so einfach wie der Anschluss eines PCs.

Blackberry-Schicksal in USA wird bald entschieden

Die Chancen für Microsofts Push-E-Mail-Lösungen steigen insgesamt mit der Verbreitung des Windows-Systems im Handy-Bereich. Hier gehen die Schätzungen der Experten jedoch auseinander. Nach Angaben des Marktforschers TDG könnte Windows Mobile bis 2010 die Führung bei Smartphone-Betriebssystemen mit einem Anteil von 29 Prozent übernehmen. Derzeit wird das unter anderem von Nokia benutzte Betriebssystem Symbian mit 51 Prozent Marktanteil als klarer Spitzenreiter gesehen, gefolgt von Linux mit 23 Prozent und Windows Mobile mit 17 Prozent. Marktforscher IDC dagegen sieht Symbian auch in absehbarer Zukunft dominierend mit bis zu 60 Prozent Marktanteil im Jahr 2009.

Zunächst aber steht ein ganz anderes Datum im Vordergrund: Am 24. Februar wird der zuständige US-Richter im Patentrechtsstreit mit NTP über das Blackberry-Schicksal in den USA entscheiden. Mehr als drei Millionen Nutzer könnten davon betroffen sein, wenn der bisherige RIM-Service zum drahtlosen Verschicken und Empfangen von E-Mails in den Vereinigten Staaten abgeschaltet werden müsste. "Der Patentstreit kommt für RIM zum falschen Zeitpunkt", sagt Gerbert. Research in Motion will für den Fall der Fälle aber zumindest eine technische Hilfskonstruktion in Petto haben.

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