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31.03.2016

09:34 Uhr

Microsoft setzt auf Bots

Nadella ruft das Ende der Apps aus

VonAxel Postinett

Microsoft lässt die von Apple und Google beherrschten Apps verschwinden: Digitale Software-Butler – sogenannte Bots – sollen sich vor die Programme schalten – und die Befehle des Nutzers erfüllen. Ein riskantes Abenteuer.

Der Microsoft-Chef sieht in digitalen Assistenten ein Zukunftsfeld für seinen Konzern. AFP; Files; Francois Guillot

Satya Nadella

Der Microsoft-Chef sieht in digitalen Assistenten ein Zukunftsfeld für seinen Konzern.

San FranciscoWas macht man, wenn die Konkurrenz von Apple und Google uneinholbar die Welt der Apps beherrschen? Man macht Apps einfach überflüssig oder degradiert sie zu unsichtbaren Helfern im Hintergrund.

So sieht die Zukunft aus, wie sie Microsoft-Chef Satya Nadella am Dienstag in San Francisco gezeichnet hat. Der Mensch der Zukunft spricht mit seinem Computer, genauer gesagt seinem digitalen Assistenten so wie mit einem andren Menschen in normalen Sätzen. „Cortana“ heißt dieser Assistent bei Microsoft. Oder er tippt einen Wunsch in das Fenster seines Lieblings-Chatdienstes wie Whatsapp oder Skype ein.

Die Geschichte von Microsoft Windows

1975

Am 4. April gründen die Kindheitsfreunde Bill Gates und Paul Allen das Unternehmen.

1980

Microsoft bekommt von IBM den Auftrag, ein Betriebssystem für den geplanten Personal Computer zu liefern. Microsoft bietet ein zugekauftes Programm unter dem Namen MS-DOS an. Microsoft kann MS-DOS auch anderen Herstellern verkaufen, so legt es der Deal fest.

1985

Microsoft veröffentlicht das erste - quasi noch unbrauchbare - Windows, eine grafische Erweiterung für MS-DOS.

1987

Microsoft stellt Windows 2 vor. Apple wirft Microsoft Ideenklau vor und klagt vor Gericht. In dem komplizierten Rechtsstreit kann sich Microsoft fünf Jahre später endgültig durchsetzen.

1990

Windows 3.0 erhält eine komplett neue Oberfläche. Die Nachfolgeversion 3.11 (1994) gilt als die erste wirklich brauchbare Windows-Variante.

1993

Mit Windows NT stellt Microsoft ein 32-Bit-System für Workstations und Server vor.

1995

Windows 95 wird mit einem zuvor unüblichen Marketing-Aufwand auf den Markt gebracht.

1998

Windows 98 kommt als Weiterentwicklung von Windows 95 auf den Markt.

2000

Windows Me ist das letzte Betriebssystem, das auf MS-DOS aufsetzt. Diese Windows-Variante galt als besonders fehleranfällig.

2001

Im Oktober bringt Microsoft Windows XP heraus, sein langlebigstes Betriebssystem. XP setzt auf der Architektur der Windows-NT-Familie auf.

2007

Windows Vista verkauft sich zwar gut, ist aber bei Nutzern unter anderem wegen umständlicher Bedienung unbeliebt.

2009

Windows 7 soll die Schwächen von Vista ausbessern.

2012

Windows 8 verfügt über zwei unterschiedliche Benutzeroberflächen: eine Kacheloptik für Tablet Computer und ein herkömmlicher Windows-Desktop für PCs. Anwender vermissen den beliebten Start-Button. Ein Jahr später wird das System auf die Version 8.1 aktualisiert.

2015

Mit Windows 10 bietet Microsoft eine einheitliche technische Plattform für PCs, Tablet-Computer und Smartphones an. Das Start-Menü kehrt auf den PC zurück.

Ein „Bot“, sozusagen ein Software-Butler, greift den Wunsch auf, nimmt Kontakt zur gewünschten App oder Webseite auf und bucht oder bestellt auch gleich. Oder er empfiehlt dank künstlicher Intelligenz eine App, die man aufrufen sollte. Sind die Rahmendaten wie Zahlungsdetails und ähnliches einmal eingegeben, nimmt der Mensch die App nie mehr wirklich wahr.

„Bots sind wie neue Apps. Es ist Schluss mit der Suche nach verschiedenen Apps und Webseiten. Man ruft einfach jede gewünschte App aus einer Unterhaltung heraus auf“, verspricht Nadella tausenden Software-Entwicklern auf der Konferenz Build 2016. Die bekommen die Werkzeuge an die Hand, um entsprechende Schnittstellen zu programmieren. Irgendwann werden dann auch Bots mit Bots reden, zum Beispiel der persönliche Autobot mit dem Werkstattbot und dem Kalenderbot, um den nächsten Ölwechsel zu planen.

Ist die Zeit der Apps vorbei?

Holger Müller, Analyst bei Constellation Research in San Diego, hält die neue Strategie für vielversprechend. „Apps“, sagt er, „werden bald nicht mehr aus dem App-Store, sondern aus einem Chat-Programm gezogen.“ Der Nutzer sieht nur noch eine einheitliche Oberfläche, mit der er sich auskennt. Viel Lernaufwand und Software-Pflege oder Updates werden überflüssig.

Das Ganze funktioniert nicht nur auf Windows, wie Nadella ausdrücklich betont. Cortana spricht auch mit Android-Apps und soll auch auf Smartphones und Tablets von Apple laufen.

Microsofts Angriff auf breiter Front hat seinen Grund. Laut des Konzerns arbeiten bereits 270 Millionen Menschen mit Windows 10. Aber die wenigsten davon nutzen es auf ihrem Smartphone oder Tablet. Will der 41 Jahre alte Konzern aus Redmond seine Relevanz in die Zukunft retten, muss er sich also öffnen. Und das hat oberste Priorität für Nadella. Gelingt dem Microsoft-Chef die Neudefinition der menschlichen Interaktion mit dem PC unter Umgehung von Windows, wird sein Konzern zur verbindenden Plattform zwischen Nutzern und Unternehmen sowie Dienstleistern.

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