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24.01.2007

10:57 Uhr

Mikroprozessoren

Vielfalt verschwindet

VonRudi Kulzer

Sparc, PowerPC, Alpha – alle diese Chip-Architekturen sind im Niedergang begriffen oder schon ausgestorben. An ihre Stelle ist der von Intel gesetzte so genannte Industriestandard gerückt, auf dessen Basis auch AMD produziert. Damit geht der Computerindustrie einiges an Vielfalt verloren. Eine Analyse.

Sun-Chef Jonathan Schwartz (rechts, neben Intel-CEO Paul Otellini) setzt auf Chips von Intel. Foto: ap ap

Sun-Chef Jonathan Schwartz (rechts, neben Intel-CEO Paul Otellini) setzt auf Chips von Intel. Foto: ap

MÜNCHEN. Wie berichtet, wird Sun künftig wieder Intel-Chips – Zwei- und Vierkern-Prozessoren der Xeon-Familie – in seinen Serverrechnern einsetzen. Die Aufsehen erregende Ankündigung ist ein weiterer Meilenstein in der Geschichte der Computerindustrie. Sun war einer der letzten Computerhersteller, der sich den Chips des Weltmarktführers verschlossen hatte. Seit 2005 verwendet sogar Apple Intel-Prozessoren für seine Rechner.

Durch die verstärkte Konzentration auf Mikroprozessoren der Industriearchitektur besteht nun die Gefahr, dass mittelfristig eine weitere Chip-Architektur vom Markt verschwinden wird. Dabei geht es um Sparc/Ultrasparc von Sun. Lange hatte Sun Microsystems unter dem Vorgänger des jetzigen Sun-Chefs, unter Scott McNealy, fast hochnäsig ausschließlich auf die Vorzüge der eigenen Halbleiter-Architektur gesetzt. Doch mit wenig langfristigen Erfolg.

So stellte sich schon lange die Frage, ob es sich Sun noch leisten kann, auf seine eigene Chip-Architektur zu setzen. Dabei ging es nicht um die Kosten einer Fertigungslinie. Deren Einrichtung liegt heute bei etwa 3 Milliarden US-Dollar. Sun hatte nie eine eigene Fertigung, sondern ließ beim japanischen Fujitsu-Konzern produzieren. Es geht vielmehr um die Wünsche der Kunden, die eine preiswerte, breit aufgestellte Chip-Architektur wünschen.

Natürlich konnte Sun-Chef Jonathan Schwarz nicht schon bei Verkündigung des Deals mit Intel in San Francisco den Abgesang auf die hauseigene Sparc-Architektur singen. Eine weitere Unterstützung ist der Konzern seinen Kunden schuldig. Doch nun bietet sich eine Chance, mittel- bis langfristig auszusteigen.

Chip-Vielfalt verschwindet

Mit dieser Entwicklung wird vermutlich wieder eine der vor einigen Jahren noch zahlreichen Chip Architekturen langsam vom Markt verschwinden. Wer erinnert sich noch an die großen Namen der Vergangenheit: Zuletzt waren es der Alpha-Prozessor der Firma Digital Equipment. Bereits bei der Übernahme von DEC durch Compaq war das Schicksal des damaligen technischen Hoffungsträgers besiegelt. Seine Aufgaben übernimmt heute der Itanium-Chip von Intel.

Bezeichnend war in jüngster Zeit auch, dass Apple mit seinen Computern von der ursprünglich von Motorola und IBM stammenden PowerPC-Architektur zur Prozessoren von Intel wechselte.So verbleiben heute praktisch nur die von Intel und im Falle des Itanium auch von HP erfundenen Prozessoren im Rennen. Der Rest verschwindet ganz vom Markt oder wandert mit seinen Funktionen in „eingebettete“ Prozessoren (embedded), wie sie vor allem in der Verbraucherelektronik eingesetzt werden.

Für eine neue Vielfalt könnten vielleicht der Cell-Chip von IBM und der unter dem Codenamen Niagara entwickelt Chip von Sun sorgen – beides Mehrkern-Prozessoren. Doch Intels Macht ist groß.

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