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22.10.2011

09:31 Uhr

Motorsport

Mit Konsole zum Sieg

VonIngmar Höhmann, Mathias Peer

Simulatoren sollen Rennfahrer auf die Strecke vorbereiten. Die virtuellen Welten verzahnen sich zunehmend mit dem realen Rennsport. Doch nicht alles lässt sich im Computer berechnen.

Der Erfolg der Motorsportler hängt vom Team ab - und von der Technik. dpa

Der Erfolg der Motorsportler hängt vom Team ab - und von der Technik.

KölnDie Phrasen in „GT Academy“ erinnern an RTLs Casting-Ikone Dieter Bohlen. „Den Willen hat er. Die Frage ist, ob er auch das nötige Talent mitbringt“, sagt der Chefjuror, der Ex-Formel-1-Fahrer Eddie Irvine, während die Kandidaten schwitzend auf die Entscheidung warten, wer es in die nächste Runde schafft.

Bei der 20-teiligen Sendung von Eurosport und dem Automobilhersteller Nissan geht es nicht um die Wahl eines neuen Popstars, sondern um die Ausbildung von Rennfahrern. Die besten Spieler des Computerspiels "Gran Turismo" treten hier in echten Autos gegeneinander an. Der Sieger darf in einem Profi-Rennstall mitfahren - und auf eine Motorsportkarriere hoffen, die nicht nur auf dem PC-Bildschirm, sondern auf echten Rennstrecken stattfindet.

Das Fernsehformat zeigt: Virtuelle Welten verzahnen sich zunehmend mit dem realen Rennsport. Weil Computersimulationen aufgrund steigender Rechnerkapazitäten immer realitätsnäher geworden sind, eignen sie sich nicht nur als Talentschmiede für ambitionierte Nachwuchsrennfahrer. Besonders in der Formel 1 hängt die sportliche Wettbewerbsfähigkeit eines Teams immer stärker von leistungsfähigen Simulationstechnologien ab.

Der Trend wird sich in der kommenden Saison weiter verstärken: Um Kosten zu sparen, haben sich die Rennställe bereits in den vergangenen Jahren auf eine Begrenzung der Testfahrten geeinigt. Vor wenigen Wochen beschlossen sie eine weitere Reduzierung der Winter-Testtage von bislang 15 auf nur noch zwölf. „In der Vorbereitung auf eine neue Saison kann es sich deshalb kein Team mehr leisten, auf Simulationstechnik zu verzichten“, sagt Frank Kalff, kaufmännischer Leiter des niederländischen Technologieunternehmens Cruden, das nach eigenen Angaben Weltmarktführer auf dem Gebiet von Motorsportsimulatoren für Profi-Anwender ist und mehrere Rennställe in der Formel 1 beliefert.

Doch nicht jedes Motorsportteam macht von den virtuellen Trainingsmöglichkeiten in gleichem Maße Gebrauch: „Wir beobachten in der Formel 1, dass diejenigen Teams, die Simulatoren am stärksten in die Entwicklungsarbeit integrieren, auch den größten sportlichen Erfolg erzielen können“, sagt Kalff. Besonders vorbildhaft gilt in der Branche der Rennsimulator von Konstrukteursweltmeister Red Bull Racing. In seiner Rennwagenfabrik im englischen Milton Keynes hat Teamchef Christian Horner einen zweistelligen Millionenbetrag investiert, um sämtliche Einstellungen am Boliden jederzeit testen zu können.

Gerade 50 Quadratmeter groß ist der Raum, in dem die Red-Bull-Fahrer Mark Webber und Weltmeister Sebastian Vettel die meisten Kilometer ihrer Testfahrten zurücklegen. Vor ihnen werfen mehrere Projektoren ein 180-Grad-Panoramabild auf eine riesige Leinwand, die den Eindruck eines echten Formel-1-Parcours vermitteln soll.

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