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22.01.2005

14:35 Uhr

IT + Telekommunikation

Musik-Abo-Diensten gehört die Zukunft

Das Geschäft mit digitaler Musik im Internet wird nach Meinung vieler Experten künftig vermehrt über Musik-Abos laufen.

dpa CANNES. Das Geschäft mit digitaler Musik im Internet wird nach Meinung vieler Experten künftig vermehrt über Musik-Abos laufen. „Musik-Downloads sind ein altmodisches Geschäftsmodell, Abonnementdiensten gehört die Zukunft“, sagte Brad Duea, US-Präsident des Musik-Abo-Dienstes Napster, am Samstag auf der Musik-Technologie-Konferenz Midemnet in Cannes.

Er kündigte für Ende 2005 den Start eines deutschen Napster-Services an. Napster wäre damit vermutlich der erste Musik-Abonnementdienst für deutsche Internetsurfer, die bislang Musik nur gegen Bezahlung jedes einzelnen Songs aus dem Netz herunterladen können.

Napster betreibt bereits in den USA und Großbritannien Abo- Dienste. Für zehn bis 15 Dollar pro Monat bekomme der Nutzer unbegrenzten Zugang zu rund einer Million Songs, die er am PC anhören oder - im kommenden Premiumdienst Napster-to-go - auf mobile Abspielgeräte laden kann. Napster war Ende der 90er Jahre als illegale Musiktauschbörse gestartet, nach juristischem Streit geschlossen und dann von der Musikindustrie übernommen und in ein legales Webangebot umgewandelt worden.

„Mit dem Abo-Modell bindet man Kunden langfristig und hat eine sichere Einnahmequelle“, sagte Duea. Das sieht auch Dan Sheeran so, Vizepräsident des Softwareunternehmens Realnetworks, das die Abspielsoftware „Real Player“ anbietet und den US-Abo-Dienst Rhapsody betreibt. „Die Abo-Dienste und Abo-Webradios in den USA haben heute schon vier Millionen Kunden“, sagte er in Cannes. „Wir können damit profitabel arbeiten.“ Gerade das sei beim ebenfalls noch jungen Downloadgeschäft derzeit nicht möglich, obwohl sich der weltweite Markt für bezahlte Downloads im vergangenen Jahr auf 200 Mill. Songs verzehnfacht hat - mit einem Marktvolumen von geschätzten 330 Mill. Dollar.

Das bestätigte Thomas Hesse vom Plattenriesen Sony BMG. „Mit den derzeit üblichen 99 Cents pro Song kann keiner von uns Geld verdienen“ - will heißen: Plattenfirmen, Musikverleger und Internetmusikdienste legen drauf. Dies könne sich aber ändern, wenn der Markt weiter so wachse. Derzeit mache Onlinemusik nur ein bis zwei Prozent des weltweiten Plattengeschäfts von rund 32 Mrd. Dollar aus; optimistische Marktanalysen rechnen mit einem Anteil von 25 Prozent bis 2009.

Noch dynamischer ist nach Meinung vieler Experten der mobile Musikmarkt, der auf dem am Sonntag eröffneten Branchentreff Midem in Cannes eine große Rolle spielt. 9 000 Experten informieren sich dort fünf Tage lang über neue Trends und Techniken im Musikgeschäft und diskutieren über zukunftsfähige Geschäftsmodelle.

Als „Killerapplikationen“ bezeichnete Duea die modernen Abspielgeräte, auch Handys der dritten Generation (3G Handys), mit denen man sich überall und jederzeit Musik aus dem Mobilfunknetz herunterladen kann. Dabei gehe es nicht mehr nur um Klingeltöne, sondern um ganze Songs und Alben. „Das Handy ist das Abspielgerät der Zukunft. Auf den neuen Mobiltelefonen kann man bis zu 1 000 Songs speichern. Man kauft sie mobil und überträgt sie zu Hause auf den Computer“, prognostizierte Leslie Golding, Direktor des mobilen Download-Anbieters M2Y-Siemens.

Die Augen der Manager richten sich dabei auf Japan: Allein mit Klingeltönen wurde dort im Jahr 2004 ein Umsatz von 1 Milliarde Dollar erzielt. Ein wichtiges Thema für die von jahrelangen Umsatzrückgängen gebeutelte Musikwirtschaft

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