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20.01.2007

15:05 Uhr

Musik

Musikbranche erkennt Internet-Mitmachportale als Chance

Internet-Mitmachportale wie Youtube und Myspace bieten nach Expertenmeinung eine große Chance für die krisengeschüttelte Musikbranche.

dpa CANNES. Internet-Mitmachportale wie Youtube und Myspace bieten nach Expertenmeinung eine große Chance für die krisengeschüttelte Musikbranche. Im so genannten Web 2.0, in dem Internetsurfer selbst zu Programmgestaltern und (Video-)Anbietern werden, spielt Musik bereits heute eine große Rolle; allerdings meist ohne Beteiligung der Musikindustrie.

„Derzeit werden weltweit pro Monat zehn Mrd. selbstproduzierte Videos von Internetnutzern abgespielt. Die meisten davon enthalten Musik, für die wenigsten fließen allerdings Lizenzgebühren an Plattenfirmen oder Verlage“, sagte Michael Downing, Geschäftsführer des US-Portals Gofish, am Samstag auf dem Branchentreff Midemnet Forum in Cannes.

„Es gibt rund 200 größere solcher Mitmach-Webseiten, aber nur eine Hand voll bezahlt für die Musik, die die Nutzer in ihren eigenen Videos einsetzen.“ Dazu gehört auch das wohl bekannteste Portal Youtube, das ebenso wie Gofish einen Vertrag mit dem Plattenriesen Universal geschlossen hat, wie Larry Kenswil von der Web-Abteilung des Labels erläuterte. „Wir stellen den Youtube-Nutzern unsere Aufnahmen zur Verfügung. Diese können damit ihre eigenen Videos unterlegen oder sie bearbeiten. Für die Nutzer ist das kostenlos, Youtube zahlt direkt an uns.“

Ein Problem sei allerdings die Kontrolle der Inhalte der selbstproduzierten Laien-Videos. „Wir können technisch sehr genau feststellen, welcher Song wo verwendet wird. Es gibt aber derzeit keine funktionierende Technik, Videos auf verbotene Inhalte wie Kinderpornografie zu scannen“, sagte Downing. Vier US-Familien, deren minderjährige Töchter nach Kontaktaufnahmen über die Community- Website Myspace sexuell missbraucht worden sind, haben die Internet- Plattform verklagt. Allerdings funktioniere die Internetgemeinschaft sehr gut als Filter und Kontrolleur, meinte Mika Salmi, beim Musiksender MTV zuständig für digitale Inhalte: „Unsere Nutzer weisen uns häufig auf illegale oder moralisch anstößige Inhalte hin. Der überwiegende Anteil will selbst nicht mit solchen Dingen in Berührung kommen.“

Das interaktive, vom Internetsurfer selbst gestaltete Web 2.0, das erst seit rund eineinhalb Jahren in dieser Form existiert, wächst nach Downings Aussagen weiter rasant. „Im Spätsommer werden vermutlich 20 Mrd. Videos pro Monat im Web abgespielt, doppelt so viel wie heute.“ Da der große Teil dieser Videos irgendwie Musik enthält, müsste die Musikindustrie nur den Bruchteil eines Cents pro Video bekommen, um zweistellige Millionenbeträge pro Monat einzunehmen. Doch dazu müssten Musikstücke schneller für Portale lizenziert werden, forderte Kenswil: „Die Verleger müssen die Chance ergreifen und die Musik freigeben, sonst ist es irgendwann zu spät.“

Noch sieht die Musikbranche die Web-2.0-Portale aber nicht unbedingt nur als Partner. Die Verwertungsgesellschaft Gema hat am vergangenen Donnerstag einstweilige Verfügungen gegen die Download- Seiten rapidshare.de und rapidshare.com wegen rechtswidriger Nutzung von Musik-Dateien erwirkt. Bei beiden Diensten können Nutzer ihre Dateien, Videos und persönlichen Webseiten speichern und mit anderen Nutzern teilen, darunter auch Dateien mit Musikinhalten. Erst im Anschluss an den Rechtsstreit will die Gema über die Zahlung von Lizenzgebühren mit dem Unternehmen verhandeln. (Internet: Midemnet Forum: www.midem.com)

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