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20.01.2006

20:50 Uhr

Musikindustrie

Digitale Tupperparty mit Oma

VonAxel Postinett

In Cannes trifft sich am Wochenende was in der Musikindustrie Rang und Namen hat. Im Vorfeld der Fachmesse Midem soll über die Zukunft des digitalen Musikvertriebs gesprochen werden. Und neben großem Wachstum droht großer Ärger - wenn Musikverkauf über Internet und Mobiltelefon im Kampf um die Kunden aufeinander prallen.

HB CANNES. Die Rückkehr der Katze. Meterhoch und unübersehbar prangt das Symbol für den Niedergang der Musik-CD-Industrie über dem Eingang zum Palais des Festivals in Cannes. Mit versonnenem Grinsen, die Kopfhörer fest über die spitzen Ohren gezurrt, grüßt die Napster-Katze von einem riesigen Werbeplakat die Besucher der Musikmesse Midem an der Cotes d’ Azur.

Die Katze war schon einmal hier. Vor fünf Jahren repräsentierte sie noch die gefährlichste Musiktauschbörse im Internet mit einer nach Millionen zählenden Gefolgschaft. Napster, Programmierspaß eines pubertierenden Collegestudenten war außer Kontrolle geraten und längst zum Staatsfeind Nummer Eins geworden.

Heute ist die Katze domestiziert. Bei genauem Hinsehen scheint sie sogar etwas müde zu sein. Das neue, kommerzielle Napster verkauft digitale Musik und kämpft verbissen um jeden einzelnen Kunden, so wie alle anderen Internetanbieter auch. Doch wahrscheinlich wird sie bald ihre Krallen gegen neue Gegner ausfahren müssen. Musikdienste über Mobiltelefone drohen den Internet-Shops den Rang abzulaufen, bevor sie noch richtig Fuß fassen konnten.

Das digitale Musikgeschäft dominiert die diesjährige Midem, die am Sonntag, dem 22. Januar beginnt. Wo früher Werbung von Vivendi, Emi oder Sony Music hingen, grüßen jetzt Fassaden hohe Plakate Napster und Apples iTunes.

Rund 1,1 Mrd. Dollar wurden 2005 mit digitalem Musikvertrieb weltweit umgesetzt nach 380 Mill. Dollar im Vorjahr, alleine die Hälfte davon über Mobiltelefone. Und der Markt wächst rapide. „Anfang 2005 war Musik über das Telefon laden noch eine nette Idee“, staunt auch John Kennedy, Präsident der Internationalen Phonoverbände (IFPI). „Heute ist es Realität“. Waren es zunächst Klingeltöne, bieten immer mehr Mobilfunkbetreiber jetzt den Kauf kompletter Musikstücke an.

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