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10.01.2007

07:14 Uhr

Musiktelefon und TV-Box treiben den Aktienkurs

Apple greift etablierte Handy-Hersteller an

Am Ende war das große Geheimnis dann doch keines. Nach monatelangen Spekulationen stellte Apple-Chef Steve Jobs auf der Macworld in San Francisco die beiden Produkte vor, die alle Welt erwartet hatte:

Apple-Chef Steve Jobs präsentiert während seiner traditionellen Macworld-Ansprache das neue iPhone. Foto: AP ap

Apple-Chef Steve Jobs präsentiert während seiner traditionellen Macworld-Ansprache das neue iPhone. Foto: AP

je PORTLAND. Ein Handy auf der Basis des populären Musikspielers iPod und ein Zusatzgerät für Fernseher, das es ermöglicht, Filme, die auf einem Computer oder einem Mediaserver gespeichert sind, drahtlos auf das Heimkino zu übertragen. Erzrivale Microsoft erklärte auf der parallel laufenden CES, der Messe für Verbraucherelektronik in Las Vegas, dass eine Erweiterung seines neuen Musikspeichers Zune auf Handyfunktion nicht ausgeschlossen sei, aber keine Priorität habe.

Obwohl bereits im Vorfeld breit über iPhone und iTV spekuliert worden war, überraschte Apple mit neuartigen Technologien und eleganten Lösungen für wichtige Funktionen. Der jüngst gestiegene Aktienkurs erhielt zusätzlichen Auftrieb, nachdem Jobs erklärte, Apple sei dabei, die Telekommunikation "neu zu erfinden" und die Konkurrenz bei Handys "mit einem Satz" zu überspringen. Das iPhone ist nur etwas mehr als einen Zentimeter dick, hat ein Touch Screen, das diagonal etwa 7,6 Zentimeter misst und unter anderem zur Navigation der Funktionen dient. Das Handy kann über das Internet mit Videos und Musik von iTunes aufgeladen werden und verfügt über eine digitale Kamera mit zwei Megapixeln Auflösung.

Das von Apple bei der Einführung von Video-Downloads über iTunes bereits angekündigte iTV-Gerät wird in den USA 299 Dollar kosten und soll bereits ab Februar verfügbar sein. Es hat eine Speicherkapazität von 40 Gigabyte, unter anderem genug für 50 Stunden Filmprogramm, die drahtlos auf bis zu fünf Geräte gleichzeitig übertragen werden können. Apple geht damit ins Zentrum des Marktes für so genannte Home Server, die künftig CD-Sammlungen und DVDs ersetzen sollen.

Mit der Kombination des sagenhaft erfolgreichen Musikspeichers iPod mit einem Handy steigt Apple in einen viel größeren Markt ein just zu einem Zeitpunkt, an dem es bei iPods erste Anzeichen für eine Sättigung gibt. Auf der CES in Las Vegas standen ebenfalls die Möglichkeiten der zentralen Speicherung und drahtlosen Verwaltung von digitaler Unterhaltung im Mittelpunkt des Interesses. Namhafte Anbieter wie Hewlett-Packard zeigten Speicher mit hoher Kapazität, und Microsoft-Chef Bill Gates propagierte Windows Vista als Betriebsprogramm für die Verknüpfung von Computern und Unterhaltungsmedien.

Apple, das in den vergangenen fünf Jahren knapp 70 Mill. iPods verkaufte und immer noch mit Abstand den Markt für digitale Musikspieler anführt, steigt mit dem iPhone in einen Markt von jährlich fast einer Milliarde Geräten und zahlreichen potenten Wettbewerbern. Apple expandiert in den neuen Markt zu einer Zeit, in der es bei iPods Anzeichen für eine Marktsättigung gibt. Gemeinsam mit Motorola war Apple im September 2005 schon einmal mit dem von Motorola entwickelten Rokr in den Markt für Musikhandys eingestiegen - allerdings ohne großen Erfolg. Die Speicherkapazität war zu klein, und die Bedienung entsprach nicht den Erwartungen der Apple-Fans.

Apple-Chef Steve Jobs hat auf der Hausmesse außerdem die Verkürzung des Firmennamens von Apple Computer Inc. auf Apple Inc. verkündet. Damit will Apple demonstrieren, dass sich der Schwerpunkt der Geschäftsaktivitäten verlagert hat. Die neuen Produkte haben nur noch mittelbar mit Computern zu tun.

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