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23.07.2011

10:19 Uhr

Mustererkennung

Wikipedia weiß, wie stabil ein Staat ist

VonGianna-Carina Grün
Quelle:Zeit Online

Eine Website vergleicht, wie vernetzt einzelne Länder mit umstrittenen Wikipedia-Einträgen sind. Daraus lässt sich überraschend gut ableiten, wie stabil ein Land ist.

Die Analyse von Wikipedia-Beiträgen bringt Erstaunliches zutage. Quelle: dapd

Die Analyse von Wikipedia-Beiträgen bringt Erstaunliches zutage.

HamburgForscher aus Heidelberg haben einen neuen Indikator für geopolitische Stabilität entwickelt. Ihr "Disputeindex" mutet auf den ersten Blick ein wenig skurril an: Er misst, wie oft von einem umstrittenen Wikipedia-Beitrag auf die Wikipedia-Hauptseite eines Landes verlinkt wurde. Aber der Index funktioniert. Er kann überraschend zutreffende Aussagen darüber treffen, wie es um die geopolitische Stabilität in dem betreffenden Land bestellt ist.

Ihr Verfahren stellen die Heidelberger Forscher jetzt im Fachblatt PlosOne vor. Als umstritten gilt ein Artikel auf Wikipedia ihrer Definition zufolge, sobald es um den Inhalt mindestens einmal Diskussionen gab. Sobald dann von mindestens 20 solcher umstrittenen Artikel auf die Hauptseite eines Landes verlinkt wurde, nahmen sie dieses Land in ihre Rangliste auf – die jetzt 138 Länder umfasst. Anhand der Zahl der verlinkten Artikel sowie der Diskussionen unter den Einträgen berechnet ein Algorithmus den jeweiligen Ranglistenplatz eines Landes.

"Die Auswertung zeigt, dass die Diskussionen in Wikipedia mit regionalen Instabilitäten weltweit korrelieren", sagt Russell. Länder wie Kanada, Deutschland, Schweden seien demnach sehr stabil, während der Kosovo, Südossetien und Abchasien als geopolitisch instabil angezeigt werden – schaut man auf den Index der Heidelberger.

Bei ihrem Index haben sich die Forscher von der biologischen Netzwerk-Forschung inspirieren lassen. In der Biologie speichern die Forscher Daten oft in Form von Netzwerken ab, beispielsweise zur Gruppierung von Proteinfamilien. "Und bei Wikipedia sind es eben die Artikel, die vernetzt sind", sagt Robert Russell, einer der Entwickler des Disputeindex. "Dabei macht es keinen Unterschied, ob wir ein biologisches Netzwerk scannen auf Moleküle, die mit Krebs in Verbindung stehen oder Wikipedia daraufhin, welche Seiten mit umstrittenen Artikeln verlinkt sind."

Allerdings gibt es bereits etablierte Indikatoren, die die geopolitische Stabilität eines Landes angeben: der World Bank Policy Research Aggregate Governance Indicator (WGI) for political stability und der Economist Intelligence Unit (EIU) political instability index zum Beispiel. Einmal jährlich werden sie aufgrund komplexer Datenerfassung und der Befragung von Experten errechnet.

Diese Indizes haben handfeste Konsequenzen für die bewerteten Länder: Sie werden bei wirtschaftlichen Entscheidungen zurate gezogen, etwa wenn es um die Sicherheit von Investitionen geht. Sie sind auch wichtig für die Frage, wie viel Entwicklungshilfe ein Land bekommt.

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