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09.06.2012

10:01 Uhr

Nach Abstimmung

Facebook führt neue Nutzungsbedingungen ein

270 Millionen Nutzer hätten abstimmen müssen, um Einfluss nehmen zu können auf die Nutzungs- und Datenschutzrichtlinien des Netzwerks. Am Ende waren es nicht einmal 0,04 Prozent – die neuen Regeln werden umgesetzt.

Die Schatten von Jugendlichen mit einem Laptop vor dem Schriftzug des Online-Netzwerks Facebook. dpa

Die Schatten von Jugendlichen mit einem Laptop vor dem Schriftzug des Online-Netzwerks Facebook.

BerlinFacebook hat die geplanten Änderungen der Regeln für Nutzung und Datenschutz in Kraft gesetzt, nachdem eine Abstimmung der Mitglieder an der hohen Beteiligungshürde gescheitert ist. Facebook-Kommunikationschef Elliot Schrage verteidigte die Entscheidung unter anderem damit, dass die neuen Richtlinien für mehr Transparenz sorgten. Außerdem habe Facebook positive Reaktionen von Regulierern und Datenschützern bekommen, schrieb Schrage in einem Blogeintrag.

Zu der Abstimmung war es gekommen, weil mehr als 7.000 Nutzer Kommentare zu den Mitte Mai veröffentlichten Änderungsvorschlägen an der Richtlinie zur Datenverwendung abgegeben hatten. Für diesen Fall sehen die Facebook-Regeln vor, dass alle Mitglieder über einen Entwurf abstimmen können. Damit das Abstimmungsergebnis für das Online-Netzwerk bindend ist, müssen daran allerdings 30 Prozent der aktiven Nutzer teilnehmen. Das wären nach jüngsten Mitgliederzahlen rund 270 Millionen.

Bis Ablauf der Wochenfrist am Freitagabend hatten aber nur 342.632 Facebook-Mitglieder ihre Stimme abgegeben - weniger als 0,04 Prozent. Dabei gab es unter den Teilnehmern der Abstimmung eine überwältigende Ablehnung der neuen Richtlinien: Lediglich 44.749 stimmten dafür, 297.883 dagegen.

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Deutsche Datenschützer hatten das Verfahren unter anderem angesichts der hohen Beteiligungshürde als Farce kritisiert. Die Wiener Kritiker-Gruppe „europe-v-facebook.org“, die mit ihren Aufrufen die Abstimmung mit ausgelöst hatte, warf Facebook vor, „die Wahlurne versteckt“ zu haben. „Das ist ein Demokratieverständnis wie in China.“

Schrage erklärte, Facebook habe „erhebliche Anstrengungen unternommen, um die Abstimmung einfach und zugänglich zu machen“. Unter anderem seien Nutzer mit Hilfe von Anzeigen über die Abstimmung informiert worden. Angesichts der Bemühungen und der am Ende niedrigen Beteiligung wolle Facebook den Prozess auf den Prüfstand stellen und überlegen, wie man in Zukunft die Beteiligung der Nutzer verbessern könne. Die 30-Prozent-Regelung stammt noch aus einer Zeit, da das Netzwerk deutlich weniger Mitglieder hatte.

Facebooks Entwurf für die Datenschutz-Richtlinie sieht neben zahlreichen Erläuterungen und Präzisierungen unter anderem auch vor, dass einige Informationen länger als bisher aufgehoben werden können. „Wir werden Daten so lange einbehalten, wie dies erforderlich ist, um den Nutzern und anderen Dienstleistungen zur Verfügung zu stellen. Diese umfassendere Verpflichtung gilt für alle Daten, die wir über Dich sammeln und erhalten, einschließlich Informationen von Werbetreibenden“, heißt es an einer Stelle. Zugleich betont Facebook, dass Daten zu sogenannten Social Plugins wie dem „Gefällt mir“-Button maximal 90 Tage gespeichert werden.

Von

dpa

Kommentare (2)

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ssjk

09.06.2012, 17:12 Uhr

Facebug hat somit in aller Öffentlichkeit seinen realen Wert definiert. 0,04% aller User. Statt also 1MRD User haben nur 342.000 ein Lebenssignal von sich gegeben. Das sollte jedem Analysten sagen welchen Wert Facebug hat. Da kenne ich Foren bei denen mehr passiert, und der Mist soll dann 100MRD wert sein? Die gehören alle in den Knast meiner Meinung nach

Account gelöscht!

09.06.2012, 22:24 Uhr

Bei uns gab es Berichte in den Medien über die User Befragung, in anderen Ländern wohl weniger. Ich vermute ein Teil der User ist sich bewusst, dass man vorsichtig mit seinen Daten umgehen muss, den anderen Teil ist es egal oder er hat sich mit dem Thema nicht befasst. Da müssen Eltern, Lehrer und die Medien mehr Aufklärungsarbeit leisten. Grundsätzlich gibt jeder von sich durch Gespräche, Kleidung, Verkehrsmittel, Lokale etc. Informationen über sich preis. Ähnliches gilt für Diente wie Facebook, nur dass man hier auch weiter entfernte Freunde für wenig Geld erreichen kann. So ändert sich die Gesellschaft. Datenschützer wie Dr. Weichert versuchen mit Gesetzen und Klagen dagegen vorzugehen, aber die User stimmen täglich anders ab. Dr. Weichert ist ein Auslaufmodell.

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