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30.11.2016

15:00 Uhr

Nach Angriff auf die Telekom

So sichern Sie Ihren Router ab

VonChristof Kerkmann, Johannes Steger

Angriff aus der Ferne: Hacker wollten sich Zugriff auf die Router von 900.000 Telekom-Kunden verschaffen. Der Vorfall erinnert daran, wie wichtig es ist, das Tor zum Internet zu schützen. Was Nutzer jetzt tun sollten.

Nach dem Hacker-Angriff stellen sich viele Nutzer die Frage, wie sie sich gegen Eingriffe von Außen schützen können. dpa

Deutsche Telekom

Nach dem Hacker-Angriff stellen sich viele Nutzer die Frage, wie sie sich gegen Eingriffe von Außen schützen können.

DüsseldorfFür viele Menschen war der erste Advent unerwartet besinnlich. Am Sonntag fielen die Router von 900.000 Telekom-Kunden aus, und mit ihnen Telefon, Internet und teils auch Fernsehen. Inzwischen ist klar: Hacker wollten aus der Ferne schädliche Software aufspielen und haben damit die Hardware zum Absturz gebracht.

Der Vorfall mit den Telekom-Kunden lenkt den Blick auf ein Gerät, das meist still und leise seinen Dienst verrichtet: Der Router verbindet das Heimnetzwerk mit dem Internet.

Große Hacker-Angriffe der vergangenen Jahre

Yahoo

Es ist der wahrscheinlich größte Datendiebstahl bei einem einzigen Unternehmen bislang: Mindestens eine halbe Milliarde Nutzer des US-Internetkonzerns Yahoo sind Opfer eines Hackerangriffs geworden. Die Kriminellen erbeuteten E-Mail-Adressen, Geburtsdaten, Telefonnummern, Passwörter und auch unverschlüsselte Sicherheitsfragen, wie Yahoo am Donnerstag mitteilte. Der Angriff ereignete sich schon Ende 2014, im August 2016 wurden 200 Millionen Daten im Netz zum Kauf angeboten – für umgerechnet 1700 Euro.

Ebay

Bei der im Mai 2014 bekanntgewordenen Attacke verschafften sich die Hacker Zugang zu Daten von rund 145 Millionen Kunden, darunter E-Mail- und Wohnadressen sowie Login-Informationen. Die Handelsplattform leitete einen groß angelegten Passwort-Wechsel ein.

Target

Ein Hack der Kassensysteme des US-Supermarkt-Betreibers machte Kreditkarten-Daten von 110 Millionen Kunden zur Beute. Die Angreifer konnten sich einige Zeit unbemerkt im Netz bewegen, die Verkäufe von Target sackten nach Bekanntgabe im Dezember 2013 ab, weil Kunden die Läden mieden.

Home Depot

Beim Angriff auf die amerikanische Baumarkt-Kette gelangten Kreditkarten-Daten von 56 Millionen Kunden in die Hände unbekannter Hacker, wie im September 2014 mitgeteilt wurde. Später räumte Home Depot ein, dass auch über 50 Millionen E-Mail-Adressen betroffen waren.

JP Morgan

Die Hacker erbeuteten bei der im August 2014 bekanntgewordenen Attacke auf die US-Großbank die E-Mail- und Postadressen von 76 Millionen Haushalten und sieben Millionen Unternehmen.

Sony Pictures

Ein Angriff, hinter dem Hacker aus Nordkorea vermutet wurden, legte für Wochen das gesamte Computernetz des Filmstudios lahm. Zudem wurde die E-Mail-Korrespondenz aus mehreren Jahren erbeutet. Die Veröffentlichung vertraulicher Nachrichten sorgte für höchst unangenehme Momente für mehrere Hollywood-Player.

Ashley Madison

Eine Hacker-Gruppe stahl im Juli 2015 Daten von rund 37 Millionen Kunden des Dating-Portals. Da Ashley Madison den Nutzern besondere Vertraulichkeit beim Fremdgehen versprach, waren die Enthüllungen für viele Kunden schockierend.

V-Tech

Der Spezialist für Lernspielzeug räumte den Hacker-Angriff im November 2015 ein. Später wurde bekannt, dass fast 6,4 Millionen Kinder-Profile mit Namen und Geburtsdatum betroffen waren, davon gut 500.000 in Deutschland.

So lange die Daten schnell fließen, machen sich die wenigsten über die Sicherheitseinstellungen Gedanken. Dabei sind die Gefahren beträchtlich. Wer Zugriff auf den Router hat, kann beispielsweise die Hausbewohner ausspionieren. Welche Risiken bestehen und was Nutzer jetzt tun sollten.

Was Nutzern passieren kann

Wenn es kriminellen Hackern gelingt, den Router zu kapern, können sie alle Daten mitlesen, die das Gerät ins Internet überträgt – also Passwörter, E-Mails und private Fotos, außerdem aufgerufene Websites. Privater geht es kaum. Da das Gerät häufig auch Telefoniefunktionen enthält, können sie zudem Schaden anrichten, indem sie etwa teure Premiumnummern anrufen.

Der Ausfall der Telekom-Router zeigt: Auch das Gerät selbst kann zeitweilig oder dauerhaft Schaden nehmen. Wenn die Hacker beispielsweise die eingebettete Software – Firmware – ersetzen, kann es sein, dass die Hardware danach nicht mehr richtig funktioniert.

Warum eine Gefahr für die Allgemeinheit droht

Die unbekannten Angreifer wollten die Telekom-Router offenbar nicht primär übernehmen, um die Nutzer auszuspionieren. Vielmehr versuchten sie, die Internetzugänge für Angriffe auf andere Geräte zu missbrauchen. Das geschieht mit einem sogenannten Botnetz, also einem Netzwerk von Computern, die auf Kommando Spam verschicken oder einen Server angreifen. Die Telekom-Router sollten Teil einer solchen Zombiearmee werden.

Hacker-Angriffe: Die Gefahr aus dem Wohnzimmer

Hacker-Angriffe

Premium Die Gefahr aus dem Wohnzimmer

Die Attacke auf die Telekom ist das jüngste Beispiel: Der Hacker-Angriff auf DSL-Router offenbart die gefährlichen Schwachstellen der vernetzten Welt. Aus harmlosen Gegenständen werden die Werkzeuge von Kriminellen.

Daraus erwächst eine ernsthafte Gefahr. Vor einigen Wochen schnitt ein Botnetz mit einem Überlastungsangriff beliebte Dienste wie Twitter und Netflix vom Netz, Millionen Nutzer in den USA konnten sie nicht aufrufen. Und durch die Vernetzung von Geräten wie Babyphones, Überwachungskameras oder Thermostaten wächst die Gefahr weiter. Kriminelle Akteure könnten sich damit noch mehr Bandbreite für Attacken verschaffen, warnt Arne Schönbohm, Präsident des Bundesamtes für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI): „Dadurch drohen noch viel größere Schaden.“ Und der IT-Sicherheitsexperte Bruce Schneier meint gar, angesichts der grenzenlosen Vernetzung entstehe ein „Roboter von der Größe eines Planeten“.

Kommentare (1)

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01.12.2016, 12:16 Uhr

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