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07.02.2015

14:13 Uhr

Netflix, Maxdome und Amazon

Wann endet der Preiskampf?

Die Online-Videothek Netflix ist mit großem Tamtam nach Deutschland gekommen. Die Konkurrenz ist allerdings groß, es herrscht ein Preiskampf um neue Kunden. Das könnte sich indes in absehbarer Zeit ändern.

Große Netflix-Party in Berlin: Bezahlfernsehen nach dem Netflix-Einstieg kann teuer werden. dpa

Große Netflix-Party in Berlin: Bezahlfernsehen nach dem Netflix-Einstieg kann teuer werden.

MünchenPay-TV, das war in Deutschland lange eigentlich nur ein Anbieter: Premiere. Für eine stattliche Abo-Gebühr konnte man sich eine Decoder-Box ins Wohnzimmer stellen, um Filme vor der Free-TV-Premiere und Fußballspiele live zu sehen. Auf anderen Fernsehern liefen da die „Lindenstraße“ und die „100.000 Mark Show“. Viel Geld brachte das Geschäftsmodell aber nicht ein. Premiere und das Nachfolgerunternehmen Sky Deutschland schrieben bislang nur in einem Jahr schwarze Zahlen. Pay-TV ist in Deutschland mit seinen vielen frei verfügbaren Fernsehsendern kein vielversprechendes Geschäftsmodell, könnte man meinen.

Doch inzwischen steigen die Umsätze mit Bezahlfernsehen hierzulande. Vor allem in einem Modell sehen die Anbieter großes Potenzial: Video-on-Demand, Fernsehen über das Internet in einer Art Online-Videothek, wann man will, wo man will und was man will. Es gibt Madome und Watchever, Amazon und iTunes, und seit vergangenem Jahr ist auch Netflix in Deutschland am Start. Sie liefern sich derzeit einen Kampf, im dem der Preis eine große Rolle spielt. Die Frage lautet aber: Wann wird es teurer?

Alles rund um Netflix

Alternative zu den Videotheken

Die Netflix-Gründer Reed Hastings und Marc Randolph wollte eine Alternative zu den Videotheken aufbauen. 1997 fingen sie an, DVDs online zu verleihen – ohne Säumnisgebühren, die viele Nutzer nervten. Später führte das Unternehmen eine Flatrate ein.

Online-Dienst als zweites Standbein

2007 führte das Unternehmen einen Online-Dienst ein, Nutzer konnten die Filme auch übers Internet streamen. Für dieses Nebenprodukt verlangt Netflix seit 2011 auch Geld – erst empörten sich die Nutzer darüber, dann arrangierten sie sich damit.

Den Vorlieben der Nutzer auf der Spur

Netflix hat einen Algorithmus entwickelt, um die Vorlieben der Nutzer genau erfassen und passende Genres vorschlagen zu können. Das Unternehmen wertet zudem aus, welche Serien und Filme besonders häufig illegal heruntergeladen werden.

Einladung zum „Binge Watching“

Der Online-Dienst bietet alle Folgen einer Serie auf einen Schlag an – wer will, kann beispielsweise ein ganzes Wochenende mit der neuen Staffel von „House of Cards“ verbringen. Experten sprechen vom „Binge Watching“, also einer Art „Koma-Gucken“.

Schlagzeilen mit Eigenproduktionen

Netflix bietet größtenteils bereits ausgestrahlte Filme und Serien an, bemüht sich aber verstärkt um Eigenproduktionen. Die bekannteste ist wohl die hochgelobte Politserie „House of Cards“ mit Schauspieler Kevin Spacey. Auch Anbieter wie Amazon gehen inzwischen diesen Weg.

Expansion jenseits der USA

Der Heimatmarkt ist nicht genug: Netflix expandiert seit einigen Jahren, der Dienst ist bereits in Kanada, Südamerika, Großbritannien und den Niederlanden verfügbar. 2014 kamen diverse Länder hinzu, darunter Deutschland.

„Die Zahlungsbereitschaft bei den Zuschauern wird sogar noch größer werden, weil jetzt die Angebote da sind“, vermutet Medienforscher Klaus Goldhammer. Seine Firma Goldmedia berät TV-, Film- und Onlineanbieter in strategischen Fragen. Einer Goldmedia-Prognose aus dem vergangenen Jahr zufolge werden sich die Umsätze auf dem Video-On-Demand-Markt in Deutschland von 2014 bis 2019 nahezu verdreifachen.

„Wir sehen eine Entwicklung von einer Gratismentalität hin zu einer Zahlungsbereitschaft“, sagt Frank Giersberg vom Verband Privater Rundfunk- und Telemedien (VPRT), in dem auch Pay-TV-Anbieter organisiert sind. Der VPRT rechnet für 2014 mit 10 bis 12 Prozent Wachstum beim klassischen Pay-TV und rund 18 Prozent bei Video on Demand.

Der Musik-Streaming-Dienst Spotify sei der Vorreiter für den Erfolg bei den Kunden gewesen, sagt Goldhammer. „Da haben die Leute gelernt, dass man Musik auch ganz legal im Internet einfach abonnieren kann. Jetzt klappt das auch bei Filmen.“

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