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14.05.2012

10:21 Uhr

Netz-Gottesdienst in Frankfurt

Twitter-Wall neben dem Altar

Die Liturgie ist ebenso ungewohnt wie die unüberschaubar große Zahl der Kirchgänger. Eine Frankfurter Kirchengemeinde hat ihren Gottesdienst an den Internet-Dienst Twitter angedockt. Die Kirchenlieder kommen aus der „Soundcloud“.

Ausschnitt von Twitter-Beiträgen zu einem Twitter-Gottesdienst am Sonntag. dpa

Ausschnitt von Twitter-Beiträgen zu einem Twitter-Gottesdienst am Sonntag.

Berlin/FrankfurtDie evangelische Kirche drängt ins Netz: Auf einem „Barcamp“ diskutieren Mitglieder über neue Formen der Religionsausübung im Internet, bei einem „Twitter-Gottesdienst“ wird dies gleich ausprobiert. „Wir singen gemeinsam das Lied 432“ twittert der Mitveranstalter, die Internet-Plattform evangelisch.de, am Sonntag aus der Kirche der Frankfurter Versöhnungsgemeinde in alle Welt. „Text zum Mitsingen finden Sie hier“ - gefolgt von einem Link zur Webseite des Twittergottesdienstes.

Die 140-Zeichen-Schnipsel von Twitter können die Erfahrung des gemeinsamen Singens nicht vermitteln. Aber nach kurzer Zeit hat ein Teilnehmer die Aufnahme des Lieds aus der Versöhnungskirche auf die „Soundcloud“ gestellt. Twitter ist Kommunikation in alle Richtungen. Die Reaktionen aus der Twitter-Welt werden in den Gottesdienst integriert: Alle Tweets (Mitteilungen) mit dem Hashtag (Stichwort) #rctg12 werden auf eine Twitter-Wall projiziert, auf eine Leinwand neben dem Altar.

Social-Media-Tools

Twitter-Beziehungen unter der Lupe

Twiangulate ist ein mächtiges kostenloses Online-Tool für die Analyse von Twitter-Nutzern und ihre Beziehungen. Zwei mögliche Beispielanwendungen: Die Eingabe eines Twitter-Nutzernamens und dem Aufruf des Reiters „Inner circle“ enthüllt in vielen Fällen einige der engsten Vertrauten eines Twitter-Nutzers. Dabei zeigt das Tool diejenigen Twitter-Nutzer an, die selbst am wenigsten Abonnenten (Follower) haben. Der Twitter-Nutzer wird diesen Nutzern also aus gutem Grund folgen.

Eine andere mögliche Anwendung ist das Herausfinden von Schnittmengen. So lassen sich bis zu drei Twitter-Nutzer angeben, um deren Schnittmenge bei Followern und Freunden (gegenseitiges folgen) anzeigen zu lassen.

Twitter für Eilige

Schon die Adresse ist kurz t4bp.com steht für „Twitter for busy People“ – und bietet eine Verdichtung von Tweets an. Nach dem Login via Twitter-Account gibt die Website eine Übersicht über die Twitter-Aktivitäten der Freunde und Interaktionspartner „auf einen Blick“ und chronologisch sortiert. Nun lässt sich schnell mit dem Maus-Cursor über die Nutzer fahren – und so auf einen Blick erfahren, was ihn gerade bewegt. Ein Vorteil: Jeder Nutzer taucht nur ein Mal auf. So werden weniger aktive Nutzer nicht von den sehr aktiven Nutzern verdrängt. Erst ein Klick auf den Benutzernamen enthüllt Details.

URL-Shortener

Auf Twitter sind sogenannte URL-Shortener beliebt. Dabei wird eine Webadresse auf eine Umleitung gekürzt, um Platz zu Sparen – 140 Zeichen sind das Maximum bei Twitter. Eine Kurz-URL sieht dann beispielsweise so aus: http://bit.ly/xpXqOY. Bei Twitter müssen sie seit einiger Zeit die Adressen nicht mehr kürzen – das macht Twitter nach dem Abschicken der Nachricht automatisch.

Sie können den von Twitter verwendeten URL-Kürzer Bit.ly aber dennoch nutzen: Hängen Sie an die Bit.ly-Adresse einfach ein „+“ – und schon sehen Sie Statistiken zur Ihrem Link. Wie viele haben die Adresse aufgerufen, aus welchen Ländern kamen sie, wer hat den Link auf Twitter weiterverbreitet – all das verrät Ihnen Bit.ly durch das Plus-Zeichen am Ende der Adresse. Werden verschiedene Bit.ly-Links für denselben Inhalt aber verschiedene Kanäle generiert, lässt sich messen, welcher davon wie erfolgreich war.

Professionelle Twitter-Suche

Twitter kann ein gutes Recherchetool sein. Twitter selbst ermöglicht eine einfach Volltextsuche über die nach bestimmten Themen oder Hashtags gesucht werden kann. Deutlich mehr bietet das kostenlose Social-Media-Tools Twitterfall. Twitterfall sucht Tweets nach Twitter-Listen und Orten – außerdem lassen sich auch Suchworte ausschließen. Optisch werden die gefundenen Twitter-Nachrichten ansprechend dargestellt – sie fallen wie ein Wasserfall herunter.

Twitter-Clients

Wer Twitter professionell einsetzen möchte, sollte statt des Website-Interfaces einen Twitter-Client wie Tweetdeck oder HootSuit einsetzen. Damit lassen sich unter anderem mehere Accounts gleichzeitig verwalten.

Markenbeobachtung per E-Mail

Mittels Nutshell Mail lässt sich das Gespräch über die eigene Marke in sozialen Netzwerken per E-Mail abonnieren. Das Tool fasst die Gespräche über das eigene Unternehmen oder die eigene Marke auf sozialen Diensten wie Facebook, Twitter und MySpace in einer täglichen E-Mail zusammen.

Facebook-Statistiken

Wenn Sie bei Facebook eine Seite betreiben, gelangen Sie über den Menüpunkt „Statistiken“ am linken Rand zu wertvollen Informationen über Ihre Besucher. Dort sehen sie nicht nur, wie sich die Reichweite ihrer via Facebook verteilten Nachrichten entwickelt, sondern auch, wie viele Nutzer auf Facebook sich über die Inhalte ausgetauscht haben. Das Potential von Facebook sehen dort auch auf einen Blick: Potentiell erreichen Sie nicht nur die Fans ihrer eigenen Seite, sondern auch deren Freunde. Handelsblatt Online hat beispielsweise rund 19.000 Fans auf Facebook. Doch diese Fans haben wiederum rund 4 Millionen Freunde, die potentiell erreicht werden können. Notwendig ist dafür nur, dass die Fans auch Inhalte „liken“ oder teilen. Dann wird der entsprechende Inhalt auch den Freunden dieses Fans angezeigt.

Das führt dann zu teilweise überraschenden Wendungen im Gottesdienst. Ein Teilnehmer twittert: „Ich bin nicht allein, denn der Vater ist bei mir.“ Was aus der großen weiten Twitterwelt prompt die Reaktion provoziert: „Und die Mutter.“ Bei der Predigt geht es um das Thema des Sonntags Rogate, ums Beten. Aus allen Ecken der Twitterrunde werden Bekenntnisse und Erfahrungen ausgetauscht. „Ich bete für die Eintracht“, tippt ein Frankfurter Fußball-Fans ins iPhone. Der Schweinfurter Pfarrer Heiko Kuschel antwortet: „Ich für den FCN. Und nun?“

Der Twitter-Gottesdienst am Sonntag war nicht der erste. Im vergangenen Jahr schrieb ein Besucher nach einer ähnlichen Veranstaltung: „Aus einem "Frontalgottestdienst" wird ein gemeinsames Erlebnis mit Teilnehmerbeteiligung. Vielleicht ein Baustein zur "Mitmachkirche".“ Damals ließ sich die Sache noch etwas stockend an. Inzwischen ist Twitter in der Kirche angekommen. Auch in der katholischen Kirche wird der Dienst zunehmend genutzt, zumindest für Mitteilungen aller Art. Zudem organisierte ein Kölner Priester am 1. April den nach Kirchenangaben ersten Facebook-Gottesdienst.

Der Twitter-Gottesdienst am Sonntag klingt mit Fürbitten und dem Vaterunser aus. Letzteres hat auch schon seine Neuerfindung fürs Internet gefunden: „Unser täglich #flausch gib uns heute“, heißt es beim Veranstalter des dreitägigen Frankfurter „ReliCamps“ über Religion und Social Media, der Religionspädagogik-Plattform rpi. „Flausch“, das ist auf Twitter der Ausdruck für Zuneigung, Mitgefühl, menschliche Wärme.

Die Teilnehmer des Twitter-Gottesdienstes gehen zufrieden nach Hause - oder in ihre gewohnte Twitter-Timeline zurück. Einer twittert beim Gehen: „Wenn ich solche Gottesdienste mitfeiern darf, weiß ich, warum ich Christ bin.“

Von

dpa

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