Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

14.01.2014

08:06 Uhr

Netzreaktionen auf Lobo

„Nicht das Netz ist kaputt, sondern der Mensch“

Deutschlands bekanntester Netzexperte Sascha Lobo rechnet in der „Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung“ mit dem Internet ab. Von der Hoffnung auf mehr Demokratie und Teilhabe sei dank NSA und Datensammelwut nichts mehr übrig. Im Netz regt sich jetzt Widerspruch.

Der Autor Sascha Lobo hat sich geirrt: „Das Internet ist nicht das, wofür ich es gehalten habe.“ dpa

Der Autor Sascha Lobo hat sich geirrt: „Das Internet ist nicht das, wofür ich es gehalten habe.“

DüsseldorfWenn in Deutschlands Polittalkshows über das Netz diskutiert wurde, durfte einer nicht fehlen: Sascha Lobo. Der Mann mit dem roten Irokesenschnitt sprach gerne und viel über den positiven Nutzen des Internets. Mehr Transparenz, mehr Demokratie, mehr Teilnahme. Neben Auftritten bei Maischberger und Co. schreibt Lobo auf zahlreichen Internetseiten und veröffentlichte mehrere Bücher. Das Thema auch hier: Das Netz und sein Segen.

Doch Lobos Liebe zum Internet hat sich abgekühlt. Man könnte auch sagen: Die einstige Euphorie ist tiefer Enttäuschung gewichen. In einem Beitrag für das Feuilleton der „Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung“ bekennt Deutschlands bekanntester Blogger jetzt sich geirrt zu haben. „Das Internet ist nicht das, wofür ich es gehalten habe. Nicht das, wofür ich es halten wollte“, heißt es dort. Nach der NSA-Spähaffäre und der ausufernden Kontrolle von Nutzerdaten durch große Konzerne könne er seiner eigenen Lobrede nicht mehr glauben. Das Bild, dass die Digitale Bohème vom Netz hatte, habe mit der Realität nichts mehr zu tun, denn die hieße jetzt Totalüberwachung.

Dass der wohl bekannteste Internet-Experte Deutschlands seine Einstellung nun komplett überholte, dürfte nachhaltig für Wirbel sorgen. Eine Replik auf Lobos Thesen ließ dann auch nicht lange auf sich warten. Auf Netzwertig kommentiert Martin Weigert, dass nicht das Internet kaputt sei, sondern der Mensch und seine Sucht nach Sicherheit. Denn der Nutzer sei es, der in seinem grenzenlosem Wunsch nach absoluter Sicherheit immer mehr Persönlichkeitsrechte zu Gunsten eines Überwachungsstaats zu opfern bereit sei. Vielleicht sei der Mensch auch einfach Netz-inkompatibel und verwandle es so zwangsläufig in ein Überwachungsinstrument, so Weigert weiter.

Auch auf Twitter widersprechen viele den Thesen Lobos. So meint Nutzerin Arigoforit: „Nicht das Internet ist kaputt. Sondern die Menschen. Seit Millionen Jahren schon. Andere Zeiten, andere Waffen, andere Idioten.“ Auch XiongShui meint, dass das Internet lediglich ein Spiegel der Welt sei: „Ergo gibt es im Netz alles, was es auch sonst gibt.“ Auch Ex-Umweltminister und Viel-Twitterer Peter Altmaier meldet sich zu Wort. Geht es nach ihm, braucht das Netz genau dieselben Schutzmechanismen wie Briefe oder einst die Telegraphie.

Auch Daniel Fürg von Social Secrets will Lobo nicht vorbehaltlos Recht geben. Denn wo sonst wäre Meinungsäußerung so leicht möglich, wie eben im Netz. Zudem könne man die heutige Situation auch als Chance begreifen: „Wir müssen versuchen, der Menschheit zu lehren, welche Möglichkeiten uns das Internet bietet und aufzeigen, warum es sich lohnt ebendiese zu verteidigen.“, schreibt Fürg. Auf Twitter sind es die Lobo-Repliken, die gerade die Runde machen. Fast so, als wolle man sich das Netz nicht schlecht reden lassen. Und vielleicht ist das ja der Anfang von einem neuen Internet-Optimismus, den Lobo sich eigentlich wünscht.

Von

jos

Kommentare (5)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Account gelöscht!

14.01.2014, 09:53 Uhr

Mal gucken was die neuen "Netzethiker" dazu sagen *g*

Das "Netz" sind Leitungen und Maschinen, Maschinen und Leitungen, Leitungen und Maschinen.
Das ist die Hardware. Was die Menschen aus den Nullen und Einsen zaubern, machen die Menschen, und nicht das "Netz".
Es ist immer noch keine Blackbox, es sind Leitungen und Maschinen auf denen abgebildet wird was auch sonst jeden Tag und mit jedem Menschen passiert.
Nicht mehr und nicht weniger.
Nur nun kann man es besser nachverfolgen, man kann kontrollieren und beschneiden. Und es wird genauso vom Kapital und Lobbyisten bedient wie das Bier auch.
Und derjenige der behauptet dieses "Netz" habe was mit Freiheit zu tun, der hat wohl seit 1992 oder so geschlafen. Wie die Kakerlaken im Kühler der CPU haben sich die Zensoren, Moralisten, Lobbyisten und Abzocker ins Netz gesetzt. Also im Westen nichts neues, Brot wird immer noch aus Getreide gemacht, und Eier werden auch von Hühnern gelegt, und Tastaturen aus Plasik oder virtuell auf dem Handy. Who cares?
Die Philosophie ist erledigt, hat sich längst ins ganz alltägliche Hamsterrad eingefügt, inkl. ein paar Monopolisten, die man gelassen hat, weil man damit beschäftigt war, die eigene Freiheit meistbietend zu verscherbeln, im Namen der Sicherheit, die keine ist und auch nie sein wird.

Piet1100

14.01.2014, 09:59 Uhr

Die Enttäuschung für Herr Lobo u. die Netzgemeinde
ist groß. Wichtiger: Was soll jetzt passieren?
Die Bundesregierung macht nichts. Ein
´Nicht-Spionage-Abkommen´ ist absurd und armseelig.
Es bleibt nur strikte Verweigerung. Für alle amerikanischen Produkte. Und kein Google, kein
Facebook usw. Und keinerlei Zusammenarbeit.

Account gelöscht!

14.01.2014, 11:44 Uhr

Man sollte bei der Verweigerung anfangen "Deren" Privatgeld zu benutzen! Dazu gehört auch der Euro!
Mit dem Gebrauch des Privaten Schuldgeldes gibt jeder Nutzer automatisch seine Souveränität ab! D.h. das wir heute schon ALLE "Deren" Sklaven sind!

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×