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28.01.2007

09:05 Uhr

Neuartiges System für Videokonferenzen

Optische Illusion

VonMatthias Hohensee
Quelle:WirtschaftsWoche Online

Telepräsenz ist ein Wortgeschöpf aus Ciscos Marketingabteilung. Dahinter verbirgt sich ein mit allen Schikanen ausgerüstetes System für Videokonferenzen. Es bildet die Gesprächspartner in Lebensgröße ab und erweckt den Eindruck, sie seien tatsächlich anwesend.

Täuschend real: Wie Videokonferenzen mit dem Cisco-Telepräsenz-System funktionieren. Grafik: Wirtschaftswoche

Täuschend real: Wie Videokonferenzen mit dem Cisco-Telepräsenz-System funktionieren. Grafik: Wirtschaftswoche

SILICON VALLEY. John Chambers lockert seinen Schlips, dann springt der Vorstandschef des Telekommunikationsausrüsters Cisco von der Bühne hinunter zu den etwa 800 Analysten und Kunden, die sich im Konferenzsaal des Fairmont Hotels im kalifornischen San Jose versammelt haben. Chambers spricht zu ihnen mit der Inbrunst eines Fernsehpredigers. Gebannt lauschen sie dem schmächtigen Mann im blauen Anzug, der einer der erfolgreichsten Verkäufer der Welt ist. Als er Cisco im Januar 1995 übernahm, setzte das Unternehmen rund eine Milliarde Dollar im Jahr um. Heute sind es jährlich 28 Milliarden Dollar, Cisco zählt mit einem Börsenwert von 165 Milliarden Dollar zu den zehn wertvollsten Unternehmen der Welt.

Um diesen Rang zu behaupten, muss Chambers den Umsatz jedes Jahr um mindestens drei Milliarden Dollar steigern. Bisher schaffte er das vor allem durch das Schlucken von Wettbewerbern und aufstrebenden Neuunternehmen. Jetzt will er beweisen, dass seine mittlerweile 38 000 Mitarbeiter selber bahnbrechende Produkte hervorbringen können. "Meine neue Lieblingstechnologie heißt Telepräsenz", schmettert Chambers triumphierend ins Publikum. Rund eine Milliarde Dollar plant der Cisco-Chef damit in den nächsten drei Jahren einzunehmen. "Ich erwarte, dass es das am schnellsten wachsende Produkt unserer Firmengeschichte wird."

Telepräsenz ist ein Wortgeschöpf aus Ciscos Marketingabteilung. Dahinter verbirgt sich ein mit allen Schikanen ausgerüstetes System für Videokonferenzen. Das neue Kronjuwel ist im Cisco-Hauptquartier in San Jose zu besichtigen. Dutzende amerikanischer Firmenchefs haben das System bereits getestet, das in einem rund 20 Quadratmeter großen, an ein Fernsehstudio erinnernden Raum aufgebaut ist. Vor einem halbrunden Tisch mit sechs Sitzplätzen steht eine Wand aus drei Plasmabildschirmen, jeder mit einer Diagonalen von 160 Zentimetern. Darauf stehen hochauflösende Kameras. In den Konferenztisch sind Mikrofone und ein Telefon mit einem berührungsempfindlichen Display eingelassen.

Ein Tastendruck bringt die Plasmabildschirme zum Erwachen. Plötzlich sieht es so aus, als wäre der Tisch um sechs Plätze gewachsen. Auf einem der Plätze sitzt Phil Marechal, einer der Entwickler des Systems, der sich aus einem anderen Studio auf dem Cisco-Gelände zugeschaltet hat. Die optische Illusion funktioniert nahezu perfekt, weil dort ein exakt gleicher Tisch aufgebaut ist und die Kameras Marechal in Lebensgröße einblenden.

Das Bild ist doppelt so gut wie beim hochauflösenden Fernsehstandard HDTV. Nicht nur jede winzige Falte in Marechals Gesicht ist zu sehen, sondern auch die Schrift auf dem vor ihm liegenden Notizblock lässt sich spielend lesen. Mehr noch: Eine geschickte Anordnung der Lautsprecher erweckt den Eindruck, als flössen die Worte geradewegs aus seinem Mund. "Wir haben lange experimentiert", sagt Marechal. "Am Ende war die Technik der Realität am nächsten, wenn wir die Gesprächspartner in Lebensgröße abbildeten."

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