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10.06.2014

14:33 Uhr

Neue App Slingshot

Facebook lernt vergessen

VonChristof Kerkmann

Ex und hopp: Facebook arbeitet an einer App, mit der Smartphone-Nutzer ihren Freunden sich selbst löschende Fotos und Videos schicken können. Das klingt nicht besonders innovativ – ist aber wichtiger Teil der Strategie.

Facebook will die Smartphone-Nutzer mit einer ganzen Reihe von Apps an sich binden, gerade Kommunikationsanwendungen spielen dabei eine große Rolle. AFP

Facebook will die Smartphone-Nutzer mit einer ganzen Reihe von Apps an sich binden, gerade Kommunikationsanwendungen spielen dabei eine große Rolle.

DüsseldorfFacebook hat aus Versehen einen Einblick in seine Produktentwicklung gewährt: Das soziale Netzwerk bot zwischenzeitlich eine Anwendung namens Slingshot an, mit der Nutzer ähnlich wie bei Snapchat sich selbst löschende Nachrichten verschicken können.

Ein Firmensprecher erklärte gegenüber dem Technikportal The Verge, dass es sich um einen Fehler handle, die App aber bald fertig sein werde. Nutzer in Ländern wie Indien und Australien konnten Slingshot im App Store von Apple herunterladen, bis Facebook das Programm wieder löschte.

Slingshot, deutsch: Steinschleuder, erlaubt Nutzern, Fotos und Videos zu verschicken, die automatisch wieder verschwinden, sobald die Adressaten sie gesehen haben. Die Empfänger können die Nachrichten nach Informationen des Blogs Techcrunch jedoch nur empfangen, wenn sie selbst etwas „zurückschießen“ – ein Anreiz, um die Nutzer zu mehr Aktivität anzustacheln.

Die heißen Smartphone-Dienste

Snapchat

Mit der Snapchat-App können Nutzer Textnachrichten, Fotos und Videos verschicken, die sich nach einem kurzen Zeitraum selbst löschen. Gerade unter Jugendlichen ist die Anwendung beliebt – vermutlich nicht selten für Anzüglichkeiten. Die Gründer lehnten mehrere milliardenschwere Übernahmeangebote ab, auch Facebook ließen sie abblitzen.

Instagram

Ein Produkt des Smartphone-Zeitalters ist der Foto-Dienst Instagram: Er war von vornherein nur für mobile Geräte ausgelegt. Nutzer können Fotos und Videos aufnehmen, mit Filtern aufpeppen und hochladen. Das Prinzip von Instagram erinnert an Twitter, nur dass es hier ausschließlich um Bilder geht. Facebook übernahm den Dienst 2012 für umgerechnet eine Milliarde Dollar.

Pinterest

Beim Fotodienst Pinterest sammeln die Nutzer Bilder von verschiedenen Websites in digitalen Notizbüchern – meistens mit dem Smartphone. Die Entwicklung von Pinterest wird von Urheberrechtssorgen begleitet: Die öffentlichen Sammlungen könnten nach Ansicht einiger Experten als Urheberrechtsverletzung ausgelegt werden. Das Unternehmen hat inzwischen eine Milliardenbewertung.

Whatsapp

In immer mehr Ländern wird Whatsapp zum SMS-Ersatz. Der Dienst erlaubt es, Kurznachrichten, Bilder und Videos über Internet zu verschicken. Die App läuft auf sämtlichen Betriebssystemen. Trotz etlicher Sicherheitspannen gehört Whatsapp zu den beliebtesten Smartphone-Anwendungen, sie hat nach Unternehmensangaben 500 Millionen Nutzer. Facebook hat das Start-up für 22 Milliarden Dollar übernommen.

Line

Ähnliche wie Whatsapp funktioniert Line, eine App mit asiatischem Ursprung. Sie bietet Instant Messaging für Smartphone und PC. Nutzer können nicht nur Textnachrichten, Fotos und Videos tauschen, sondern auch Telefonate führen. Eine Besonderheit sind virtuelle Sticker, die man in einem Shop kaufen kann.

Vine

Mit dem Dienst Vine können Nutzer bei Twitter sechs Sekunden kurze Videoschnappschüsse hochladen, die in einer Endlosschleife laufen. Der Zwitscherdienst übernahm das Start-up nur wenige Monate nach dessen Gründung im Sommer 2012. Vine hat nach Angaben vom Sommer 40 Millionen Nutzer.

Periscope

Videoübertragungen in Echtzeit ermöglicht der Dienst Periscope, der zu Twitter gehört. Die Bedienung ist bewusst einfach gehalten: App öffnen, „Broadcast“ klicken – schon beginnt der Live-Stream. Ein konkurrierendes Angebot ist Meerkat.

Tumblr

Twitter ist kurzatmige Internet-Kommunikation, Blogs lassen sich mehr Zeit. Irgendwo dazwischen befindet sich Tumblr, ein 2007 gegründeter Web-Dienst für das unkomplizierte Veröffentlichen im Netz. Ähnlich wie bei Twitter kann man bei Tumblr anderen Nutzern folgen und sieht dann deren Beiträge im sogenannten Dashboard, einer Übersichtsseite. 2013 übernahm Yahoo das Start-up für 1,1 Milliarden Dollar.

Snapchat ist vor allem unter Teenagern beliebt und dient der schnellen, oberflächlichen Kommunikation – teils auch, um anzügliche Aufnahmen zu verschicken, was in den USA als „sexting“ bezeichnet wird. Trotz gravierender Sicherheitsmängel verbreitet sich die App rasant, Snapchat-Nutzer versenden mittlerweile mehr als 700 Millionen sich selbst löschende „Snaps“ pro Tag.

Für Facebook ist Slingshot nicht der erste Versuch, Snapchat Konkurrenz zu machen: Im Dezember 2012 brachte es eine App namens Poke heraus, die ähnliche Funktionen aufwies. Sie gewann bei den Nutzern aber keine große Popularität und ist inzwischen nicht mehr verfügbar. Ende 2013 soll Facebook für das Start-up rund drei Milliarden Dollar geboten haben, allerdings lehnten die Gründer ab.

Die neue App ist Teil einer größeren Strategie: Facebook will die Smartphone-Nutzer mit einer ganzen Reihe von Apps an sich binden, gerade Kommunikationsanwendungen spielen dabei eine große Rolle. So will das Unternehmen den Instant Messenger Whatsapp übernehmen, eine Anwendung mit ähnlichen Funktionen namens Facebook Messenger bietet es ebenfalls an. Zudem wirbt der Konzern den Paypal-Chef David Marcus ab, damit dieser die Messaging-Dienste weiterentwickelt.

Kommentare (1)

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11.06.2014, 08:03 Uhr

Facebook vergisst nichts......

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