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28.06.2017

08:21 Uhr

Neue Cyber-Angriffswelle

Weltweite Suche nach einer Unbekannten

VonIna Karabasz

Wieder werden Firmen reihenweise Opfer einer Schadsoftware, die Daten verschlüsselt und deren Freigabe erpresst. Experten streiten darüber, was dahinter steckt. Klar ist: Angegriffene und Angreifer haben ein Problem.

Weltweite Cyber-Attacke

Hacker erpressen Konzerne – Deutsche Post und Metro betroffen

Weltweite Cyber-Attacke: Hacker erpressen Konzerne – Deutsche Post und Metro betroffen

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DüsseldorfFür die Experten des IT-Sicherheitsforschers Eset sieht es nach einer alten Bekannten aus: Petya. Was schön klingt, ist in Wirklichkeit sehr hässlich. Petya ist eine Schadsoftware. Genauer gesagt eine Verschlüsselungssoftware, die sogar komplette Laufwerke verschlüsseln kann und die Daten nur gegen Geld wieder freigibt.

Sicher sind die Forscher sich allerdings nicht. Es könnte sich auch um Mischa handeln, ebenfalls eine sogenannte Ransomware. Oder etwas ganz anderes. Klar ist nur: Die Schadsoftware verbreitet sich sehr schnell und weltweit. Wieder einmal.

Bereits vor rund sechs Wochen hatte eine ähnliche Software die Welt verunsichert. „WannaCry“ war einer der weitverbreitetsten Cyberangriffe, den die Branche je gesehen hatte. Er legte rund 300.000 Computer in mehr als 150 Ländern lahm. In Großbritannien konnten Krankhäuser nicht operieren, Arztpraxen wurden geschlossen. Auch der Telekommunikationskonzern Telefónica, die Autohersteller Renault und Nissan, der Logistikdienstleister Fedex, das russische Innenministerium und die Deutsche Bahn waren betroffen.

Angesichts dessen sind Sicherheitsexperten noch besorgter darüber, dass wieder einmal ein derartiger Angriff Unternehmen weltweit getroffen hat. Schließlich sei das mediale Interesse hoch gewesen und die meisten Sicherheitslücken hoffentlich beseitigt worden, sagt Eset-Forscher Robert Lipovsky. Nun sehe man wieder eine „weitere, massive und globale Ransomware-Epidemie“.

An der Atom-Ruine Tschernobyl fallen die Computer aus

Nach Erkenntnissen der ukrainischen Polizei könnte ein schädliches Update einer im Land hergestellten Software für die Verbreitung der Ransomware am Dienstag verantwortlich sein. Die Aktualisierung der Buchhaltungssoftware MEDoc habe zur Infizierung einer unbekannten Zahl von Organisationen zunächst in der Ukraine und später auch international gesorgt, teilte die Polizei via Twitter mit.

Das hinter MEDoc stehende Unternehmen räumte ein, gehackt worden zu sein. Es sei jedoch nicht dafür verantwortlich, das Schadprogramm gestreut zu haben. Auch die ukrainische Cyber-Polizei betonte, es schreibe dem Unternehmen nicht die Schuld zu.

Zuerst traf es offenbar Unternehmen in der Ukraine und Russland, danach verbreitete sich die Schadsoftware schnell. An der Ruine des ukrainischen Katastrophen-Atomkraftwerks Tschernobyl musste die Radioaktivität nach dem Ausfall von Windows-Computern manuell gemessen werden. Die ukrainische Zentralbank warnte vor einer Attacke mit einem „unbekannten Virus“, auch der Internetauftritt der Regierung war betroffen. Zu weiteren Opfern sollen unter anderem auch der größte russische Ölkonzern Rosneft, der internationale Flughafen der Ukraine in Kiew, die weltgrößte Reederei A.P. Møller-Maersk, die Deutsche Post, Metro und der Schweizer Nahrungsmittelkonzern Mondelez gehören.

In den USA wurden zwei Krankenhäuser im Westen von Pennsylvania attackiert: In den sozialen Medien berichteten Patienten von Operationen, für die neue Termine festgelegt werden mussten. Auch der US-Pharmariese Merck bestätigte einen Cyberangriff. Das ukrainische Medienunternehmen Channel 24 gab bekannt, seine Rechner seien blockiert. Die Hacker verlangten 300 Dollar in der Cyberwährung Bitcoin.

Kommentare (5)

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Herr Günther Schemutat

28.06.2017, 08:59 Uhr

Die Lösung des Problem ,Abschaltung des Internet und hin zum Intranet. Geht natürlich heute nicht mehr und so kann man aber sagen, die Verursacher können Freund oder Feind sein. Das ist das gefährliche an der Situation und weil es geht.
Solange zum Glück keine Atomraketen fremd gesteuert werden können, müssen wir in der freien Welt damit eben leben, dass wir alle angreifbar sind solange wir uns im Netz
bewegen. Erstaunlich ist aber daran , dass ein Netz und Computer ausreicht, in
jedem Dreckloch auf der Welt große Teile weltweiter Firmen lahm zu legen.

Persönlich Glaube ich aber , dass hinter den Attacken bestimmte Länder stehen,
die neuen Terroristen die bestenfalls 2 Finger brauchen.

Herr Hans Klahrin

28.06.2017, 09:11 Uhr

Da macht man sich schon so seine Gedanken.
Wie angreifbar ist dann eine Industrie 4.0? Können mit gezielten Steuerungen der Spuren vielleicht unschuldige belastet oder sogar Kriege ausgelöst werden?
Denkt man da mal ans autonome Fahren - können irgendwann Terroristen einfach aus Ihrem Bergloch heraus solche Autos in Menschenmegen steuern?
Wenn man da nicht weltweit von Seiten der Staaten und IT Unternehmen und Herstellern Einigungen und Standards schafft, wird das für einzelne Staaten so richtig schwer.

Herr Tomas Maidan

28.06.2017, 10:28 Uhr

Hoffentlich treffen solche Attacken jetzt auch richtig heftig russische Staatsorgane. Nur so könnte der Verdacht entkräftet werden, dass es in erster Linie Russland ist, das diesen neuen, modernen Staatsterrorismus einsetzt.

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