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21.06.2012

15:04 Uhr

Neue Gebühren-Politik

Das Netz protestiert gegen die „Gema-Lügen“

VonTina Halberschmidt

Die Verwertungsgesellschaft Gema will ihre Gebühren reformieren und große Musik-Veranstaltungen um ein Vielfaches teurer machen. Im Netz formiert sich Protest gegen die „Gema-Lügen“.

Clubs und Diskotheken in ganz Deutschland fürchten um ihre Existenz, weil die Gema ihre Gebühren-Struktur ändern will. dpa

Clubs und Diskotheken in ganz Deutschland fürchten um ihre Existenz, weil die Gema ihre Gebühren-Struktur ändern will.

DüsseldorfNormalerweise postet das „Pacha“ München keine heiklen Inhalte auf seiner Facebook-Fanpage. Da wird zum Beispiel ein David-Guetta-Konzert angekündigt. Oder das Party-Programm des nächsten Wochenendes präsentiert. Vergangene Woche allerdings lud die Diskothek ein Bild hoch, das sich mit einem ernsthafteren Thema befasst: „Die Gema-Lügen“ ist da in fetten Lettern zu lesen, darunter ein „Gebührenvergleich 2012 und 2013“ mit für Diskotheken-Besitzer alarmierenden Zahlen. Ein großer „Dancefloor“ soll Club-Betreiber demnach 164.865 Euro pro Jahr kosten statt 9.614 – das wäre eine Steigerung um 1.614 Prozent.

Tatsächlich hatte die Gema, die als staatlich anerkannte Treuhänderin die Rechte von Komponisten, Textern und Musik-Verlegern vertritt, Anfang April erklärt, dass der bisherige Dschungel mit elf Tarifen gelichtet werde. Von 2013 an gebe es nur noch zwei Einordnungen, die „klar, fair und nachvollziehbar und damit überschaubar für den Nutzer“ seien. Ausschlaggebend für die Berechnung der Gema-Gebühren sind demnach zwei Faktoren: Die Veranstaltungsgröße - berechnet über die Nutzungsfläche - und die Höhe des erhobenen Eintrittsgeldes.

Für den einen notwendige Maßnahme, für den anderen Bedrohung: Clubs und Diskotheken in ganz Deutschland fürchten um ihre Existenz. „Viele Musikveranstaltungen in Gastronomie und Hotellerie werden nach der geplanten Gebührenerhöhung nicht mehr finanzierbar sein“, erklärte Ernst Fischer, Präsident des Deutsche Hotel- und Gaststättenverbandes Dehoga, unlängst und kritisierte, die Gema missbrauche ihre Monopolstellung.

Auch im Netz formiert sich Protest gegen die „Gesellschaft für musikalische Aufführungs- und mechanische Vervielfältigungsrechte“, die im Web 2.0 ungefähr so beliebt ist wie die GEZ und die Schufa. So wurde das Bild des „Pacha“ München über 1.500 Mal geteilt und mehrere hundert Male kommentiert. „Die geplante Gebührenerhöhung wird dazu führen, dass es weniger Veranstaltungen geben wird. Leidtragender wird neben den Disco-Betreibern, neben den Künstlern und DJs, die nicht mehr gebucht werden, das gesamte Nightlife sein“, macht Thomas Kolaric seinem Ärger Luft. Ben Ba versucht’s mit Sarkasmus: „Ich freue mich auf Gema-freie Aufzugmusik in Discos.“

Im Rahmen der Online-Petition „Gegen die Tarifreform 2013 - Gema verliert Augenmaß“, die zurzeit bei Twitter und Facebook die Runde macht, kamen seit Anfang April rund 150.000 Unterschriften zusammen. Die Petition wurde von Vertretern des Aktionsbündnisses „Kultur-retten.de“ online gestellt und wird nach Angaben der Initiatoren vom Deutschen Hotel- und Gaststättenverband befürwortet.

Kommentare (12)

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ALLESMarktWettbewerbNEIDer

21.06.2012, 15:47 Uhr

Monty Pythons "Ministry of Silly Walks" ...

Pendler

21.06.2012, 16:03 Uhr

soory, wenn man unbedingt den Dreck von den angeblichen Künstlern um jeden Preis haben will, sollte man dafür auch bluten. (Lady Gaga, Bushido....).


Ich bin voll gegen die angeblichen Urheberrechte im Internet, aber wer Dreckdrogen haben will, sollte dem GEMA Dealer auch sein Geld geben.

Account gelöscht!

21.06.2012, 19:34 Uhr

Man scheint da nur eines nicht zu betrachten, die GEMA hat im Gegensatz zu Berufsgenossenschaften keine Zwangsmitgliedschaft. Jeder Künstler hat freiwillig mit der GEMA einen Verwertungsvertrag abgeschlossen!

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