Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

05.03.2014

15:15 Uhr

Neue Plattform Data Fairplay

Geld her für meine Daten!

VonChristoph Schlautmann, Jens Koenen

Die Plattform Data Fairplay will den Datenhandel umkrempeln: Künftig sollen Internetfirmen zahlen, wenn sie die Informationen über Kunden nutzen wollen. Ändert sich das Kräfteverhältnis zwischen Nutzer und Wirtschaft?

Wie viel sind die eigenen Daten wert? Die Internetplattform Data Fairplay will Nutzern helfen, einen Preis zu bestimmen. Imago

Wie viel sind die eigenen Daten wert? Die Internetplattform Data Fairplay will Nutzern helfen, einen Preis zu bestimmen.

DüsseldorfWelche Urlaubsregionen bevorzugen Sie? Wie hoch ist Ihr Haushaltseinkommen? Und an welches Modell denken Sie beim Autokauf?

Die Antworten darauf lassen sich professionelle Datensammler wie Doubleclick, einer der größten Werbebannervermarkter im Internet, oder die Otto-Tochter Eos teuer bezahlen. 6,3 Milliarden Dollar gaben Pkw-Anbieter, Assekuranzen, Reiseveranstalter und andere Werbetreibende schon 2012 weltweit aus, um an Daten möglicher Kunden zu gelangen. In vier Jahren, glauben die Marktforscher von Transparency Market Research, könnten es 48,3 Milliarden sein. Allein: Die Verbraucher, denen die Daten gehören, sehen davon keinen Cent.

Das könnte sich bald ändern. Geht es nach Thomas Ghabel, bis vor dreieinhalb Jahren Finanzvorstand des untergegangenen Baumarktriesen Praktiker, sollen am schwunghaften Datenhandel erstmals auch die Bürger verdienen. „Wer freiwillig seine Daten zur Verfügung stellt“, glaubt der Start-up-Unternehmer, „könnte damit leicht zwischen 30 und 40 Euro verdienen – und das gleich mehrfach.“ Auf seiner Internetplattform Data Fairplay will er die Daten nachfragenden Unternehmen zum Kauf anbieten – gegen eine Maklerprovision. Seit dieser Woche ist die Website online.

Wie viel sind persönliche Daten wert?

Goldstandard der Werbung

Auf die Person zugeschnittene Werbung gilt als Goldstandard der Marketingbranche – das ist neben der Reichweite ein Grund dafür, warum Facebook so hoch bewertet wird. Dank des Internets ist es leichter denn je, eine bestimmte Zielgruppe anzusprechen.

Boomende Daten-Broker

Datensammler wie die Firma Acxiom fügen kontinuierlich Informationen zusammen und erstellen Profile – ein lukratives Geschäft. Die Daten werden an den Höchstbietenden versteigert, ob Krankenkasse oder Finanzdienstleister.

Für den Bruchteil eines Cents

Einzelne Datenpunkte wie Name, Alter und Geschlecht sind nur den Bruchteil eines Cents wert. Bestimmte Informationen treiben den Preis nach oben: Wenn Firmen wissen, dass eine Frau schwanger ist, zahlen sie dafür immerhin mehrere Cent. Das Geschäft funktioniert also nur, wenn eine große Masse zusammenkommt.

Wie viel sind Daten wert?

Viele Menschen halten ihre Daten offenbar nicht für besonders wertvoll: 80 Prozent der Deutschen würden ihre persönlichen Daten für gerade einmal fünf Euro preisgeben. Das geht aus einem verhaltensökonomischen Experiment des Handelsblatt Research Instituts im Auftrag von T-Systems hervor. Für die Teilnehmer ist der persönliche Nutzen für die Datenweitergabe entscheidend.

Anonymität steigert Akzeptanz

Bei einer Anonymisierung der Daten waren alle Teilnehmer bereit, persönliche Informationen weiterzugeben. „Die Studienergebnisse zeigen, dass Big Data akzeptiert wird, wenn die Kunden einen klaren Nutzen erkennen“, so Reinhard Clemens, Telekom-Vorstand und Chef von T-Systems.

Experten sprechen von einem Paradigmenwechsel. Unternehmen würden künftig nur noch dann Informationen von den Kunden bekommen, wenn sie diesen dafür auch etwas bieten, glaubt Marc Drüner von der Beratungsgesellschaft Trommsdorff +Drüner: „Die Kunden verstehen es durchaus, die Daten zu geben, die einen echten Mehrwert für sie bedeuten, und nicht alle Daten von ihnen sammeln zu lassen, die technisch erhebbar sind.“ Stephen Brobst, Cheftechnologe des Datenbank-Spezialisten Teradata, spricht gar von einer Revolution der Kunden: „Die Konsumenten werden die Kontrolle über ihre Informationen zurückerobern.“

Bei Data Fairplay können sich Verbraucher mit ihren Stammdaten registrieren. Das sind neben dem Einkommen etwa Angaben über Freizeitaktivitäten, Urlaubsgewohnheiten, das Mobilitätsverhalten, die Elektroniknutzung und die Adresse. Sie ist für den Daten-Weiterverkauf entscheidend. Denn auf die Anschrift erhalten die werbetreibenden Firmen erst Zugriff, nachdem sie dem jeweiligen Verbraucher einen zufriedenstellenden Preis geboten haben.

Kommentare (1)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Account gelöscht!

05.03.2014, 16:19 Uhr

hab mich gleich registriert. Wenn jetzt noch der Geheimdienst mein Internet zahlt, is alles in Butter

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×