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21.08.2013

06:46 Uhr

Neue Spielekonsolen

„Wie Dortmund gegen Bayern München“

VonChristof Kerkmann

Microsoft und Sony sind erbitterte Rivalen und kämpfen um die Vorherrschaft im Wohnzimmer. Mit ihren neuen Spielkonsolen Xbox One und Playstation 4 bemühen sie sich auf der Gamescom um die Fans. Fouls inklusive.

Gamescom

Sony und Microsoft sind mit neuen Konsolen wieder im Spiel

Gamescom: Sony und Microsoft sind mit neuen Konsolen wieder im Spiel

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KölnEs ist einerseits nur ein Datum, andererseits ein kleiner Triumph. Sony kündigte am Dienstag im Vorfeld der Computerspielemesse Gamesccom an, seine Playstation 4 ab dem 29. November in Europa zu verkaufen, etwas früher schon in den USA. Es gibt also einen konkreten Termin, auf den sich die Fans freuen und die Händler einstellen können.

„Ein Punktsieg“, meint Sony-Manager Uwe Bassendowski, der die deutsche Playstation-Sparte leitet. Konkurrent Microsoft, der vor Weihnachten seine Konsole Xbox One herausbringen will, hat noch kein Datum genannt.

Im Wettbewerb mit Microsoft kommt Sony derzeit jede Schlagzeile recht. Denn mit ihren neuen Konsolen, die im Herbst auf den Markt kommen, werben die beiden Unternehmen um dieselbe Gruppe: die zumeist jugendlichen und männlichen Spielefans, im Branchenjargon Hardcore Gamer genannt.

Die Spielebranche in Zahlen

Spiele für alle Altersgruppen

Computerspiele sind zu einem Unterhaltungsmedium für die breite Masse geworden. Nach einer repräsentativen Umfrage des Technologieverbandes Bitkom spielen 36 Prozent der Menschen in Deutschland, das entspricht mehr als 25 Millionen. Die Jüngeren sind deutlich aktiver. 42 Prozent der Männer und 30 Prozent der Frauen nutzen zumindest gelegentlich Computerspiele.

Smartphones als Zeitvertreib

Als Plattform besonders beliebt ist der PC, den drei Viertel der Spieler (76 Prozent) nutzen. Das Smartphone dient bei 44 Prozent dem digitalen Zeitvertreib. Ähnlich viel (43 Prozent) werden Spielkonsolen genutzt.

Der Markt wächst wieder

Obwohl immer mehr Menschen spielen, ist der Umsatz der Branche im ersten Halbjahr um 3,5 Prozent auf 752 Millionen Euro gesunken, wie der Bundesverband Interaktive Unterhaltungssoftware (BIU) berichtet. Trotzdem hoffen die Unternehmen auf ein erfolgreiches Jahr: Die Veröffentlichung der neuen Konsolen im Herbst dürfte für den nötigen Schub sorgen. Der BIU erwartet fürs gesamte Jahr ein Umsatzplus von 3,5 Prozent auf 1,9 Milliarden Euro. Deutschland sei ein sehr stabiler Markt.

Konsole vor PC

In Deutschland wird traditionell viel mit dem PC gespielt, der Verkauf von Spielen brachte im ersten Halbjahr 202 Millionen Euro Umsatz ein. Mit Titeln für Konsolen setzten die Hersteller 293 Millionen Euro um, wie der BIU ermittelt hat.

Virtuelle Güter boomen

Die Hersteller verdienen nicht nur mit dem klassischen Verkauf von Spielen – virtuelle Güter werden immer wichtiger. Nach einer Umfrage der Unternehmensberatung Price Waterhousecoopers (PWC) sind 40 Prozent der Spieler grundsätzlich dazu bereit, für Gegenstände, Zusatzlevel oder die Befreiung von Werbung etwas zu investieren. Allerdings gibt derzeit nur jeder fünfte Spieler dafür regelmäßig Geld aus. Nach Einschätzung von PWC wächst der Umsatzmit virtuellen Gütern von 260 Millionen Euro im vergangenen Jahr auf 415 Millionen Euro im Jahr 2017.

Unfaires Geschäftsmodell?

Immer mehr Spielehersteller setzen auf das Free-to-Play-Modell, sie bieten den Titel also grundsätzlich kostenlos an, bitten die Spieler aber für Zusatzinhalte zur Kasse. Wie die Unternehmen dabei vorgehen, empfinden jedoch 55 Prozent der Nutzer als unfair, wie PWC ermittelt hat. Das zeigt: Die Balance zwischen dem Wert und dem geforderten Preis muss stimmen.

Immer vernetzter

Das Spielen wird immer vernetzter. Jeder zweite Besitzer einer Spielkonsole geht mit dem Gerät online – allerdings nicht nur zum Spielen, sondern etwa auch um Filme oder Musik zu streamen, wie eine Bitkom-Umfrage zeigt. Bei der neuen Konsolengeneration dürfte dieser Trend sich noch verstärken.

Großer Andrang erwartet

2012 war es auf der Gamescom teilweise so voll, dass die Messe nicht mehr Leute in die Hallen ließ. Auch in diesem Jahr dürfte der Andrang groß sein, sind doch die neuen Konsolen von Sony und Microsoft zu sehen. Offiziell rechnen die Veranstalter mit 275.000 Besuchern, von denen die meisten wohl jung und männlich sein dürften.

Es geht um viel. Sony sieht Computerspiele neben Smartphone und Kameras als einen Kernbereich, um sein schwächelndes Geschäft mit Unterhaltungselektronik aufzupäppeln. Microsoft verdient damit inzwischen ordentlich Geld und will die Xbox zur Zentrale des vernetzten Wohnzimmers machen.

„Für Firmen von der Größe von Microsoft und Sony ist die Gamescom eine Veranstaltung, die sich vor allem an die Verbraucher und die Presse richtet“, sagt Steve Bailey, Analyst beim Marktforscher IHS. 275.000 Besucher werden erwartet. In den Messehallen am Rhein können die Fachleute ab Mittwoch und die Fans ab Donnerstag erstmals selbst Hand an den Controller anlegen. Im schwülen August wird die Stimmung fürs nahende Weihnachtsgeschäft angeheizt.

Und so beharken sich die beiden auf der Gamescom. Sony bezeichnet seine neue Playstation 4 als „leistungsstärkste Konsole“, Microsoft nimmt „das beste Spielaufgebot“ für sich in Anspruch. Sony wirbt damit, dass bereits eine Million Vorbestellungen eingetroffen sind; Microsoft heizt den Verkauf an, indem es Nutzern, die jetzt schon zuschlagen, das Fußballspiel „Fifa 14“ kostenlos dazugibt.

Es gebe eine „1:1-Wettbewerbssituation“, sagt Microsoft-Manager Oliver Kaltner. Er vergleicht es mit dem Sport: „Das ist Dortmund gegen Bayern, das wollen alle sehen.“

Kommentare (4)

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Rainer_J

21.08.2013, 08:48 Uhr

Mit der Microsoft X-Box holt man sich doch die NSA-Stasi ins Wohnzimmer (Kamera, Mikrofon). Wer will das?

Angela-Wendehals

21.08.2013, 09:30 Uhr

grrr, Sie Taqgträumer.

Dank Angela Wendehals und Gauck ist der große Bruder schon lange und überall dabei.

Account gelöscht!

21.08.2013, 09:40 Uhr

die Millionen von arbeitslosen Jugendlichen in Europa müssen beschäftigt werden..da braut sich was zusammen..aber lieber Xbox ! als Straßen Schlachten...

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