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23.10.2015

14:33 Uhr

Neue Suchfunktion

Das große Versteckspiel auf Facebook

VonTina Halberschmidt, Christof Kerkmann

Die neue Suche erhöht den Nutzen von Facebook – aber sie birgt Tücken: Kommentare und Fotos, die Mitglieder gedankenlos gepostet haben, sind weiter auffindbar. Das lässt sich ändern. Eine Anleitung für ein Versteckspiel.

Facebook will seine Suchfunktion verändern. dpa

Facebook

Facebook will seine Suchfunktion verändern.

DüsseldorfBisher geht es meist um alte Schulfreunde oder Partybekanntschaften. Doch wenn Facebook-Nutzer künftig in die weiße Suchbox tippen, können sie auch danach stöbern, worüber gerade viele Menschen diskutieren. Welche Trends sie beschäftigen, welche „Breaking News“ die Runde machen. Aber auch, was die eigenen Kontakte vor Monaten oder Jahren veröffentlich haben.

Das soziale Netzwerk hat seine Suchfunktion grundlegend überarbeitet. Mehr als zwei Billionen Posts seien nun durchsuchbar, teilte es am Donnerstag in einem Blogpost mit. Zudem enthielten die Ergebnisse auch viel diskutierte aktuelle Themen. Nutzer in Deutschland müssen allerdings noch Geduld haben: Bisher sind die neuen Funktionen nur für US-Nutzer verfügbar. Erfahrungsgemäß dürften weitere Länder aber mit der Zeit hinzukommen.

Über das Suchfenster finden Facebook-Nutzer derzeit Personen, Gruppen und Seiten, außerdem Veranstaltungen und Orte. Wer beispielsweise „Handelsblatt“ eingibt, bekommt eine Liste mit den verschiedenen Präsenzen unserer Redaktion angezeigt, aber auch die Adresse und Hinweise auf Konferenzen wie den Konjunkturgipfel.

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Künftig ist die Suchfunktion weitaus findiger: Anhand der eingetippten Begriffe soll sie auch passende Statusmeldungen, Fotos und Videos anzeigen – auch wenn diese schon älter sind. Dabei kann es sich um ein Rezept für Schokokekse handeln, das eine Freundin vor einigen Monaten veröffentlicht hat, wie die Firma exemplarisch auf ihrer Website zeigt. Aber natürlich auch um peinliche Fotos von der Weihnachtsfeier, sofern der Kollege diese öffentlich online gestellt hat.

Indem Facebook auch ältere Inhalte aus den Untiefen des Newsfeeds an die Oberfläche befördert, wird es für die Nutzer zu einem Archiv – und bietet einen weiteren Grund, dort Zeit zu verbringen. Zwei Billionen Posts seien in der Datenbank, teilt das Unternehmen mit.

Facebooks Weg zum Weltkonzern

Vorläufer Facemash

Als Student an der Harvard-Universität programmiert Mark Zuckerberg mit mehreren Kommilitonen 2003 die Plattform facemash.com. Dort präsentiert er zwei zufällig ausgewählte Fotos von Harvard-Studentinnen – die Nutzer sollen über die Buttons „hot“ oder „not“ die attraktivere auswählen. Weil Zuckerberg die Bilder illegal beschafft hat und das Projekt massive Protesten auslöst, wird es nach kurzer Zeit wieder eingestellt.

„Thefacebook" geht online

Mark Zuckerberg und seine Mitgründer eröffnen im Februar 2004 „Thefacebook“. Es handelt sich um die Online-Version der gedruckten Jahrbücher. Das Konzept wird bald auf andere Universitäten ausgeweitet und verbreitet sich schließlich weltweit. Zwei von Zuckerbergs Kommilitonen klagen später mit dem Vorwurf, er habe ihnen die Idee für Facebook gestohlen. Der Streit wird im Jahr 2011 mit einem Vergleich beigelegt, die Kläger Tyler und Cameron Winklevoss erhalten 65 Millionen US-Dollar.

Der Newsfeed rückt ins Zentrum

Zweieinhalb Jahre nach der Gründung stattet Zuckerberg die Social-Media-Plattform mit dem Newsfeed aus – also mit einer Chronik, die alle Neuigkeiten aus dem Freundeskreis eines Nutzer anzeigt. Zuerst geht ein Aufschrei durch die Facebook-Gemeinde, die Mitglieder fürchten um ihre Privatsphäre. Doch der Amerikaner hält an seiner Idee fest und schließlich entwickelt sich Newsfeed zum zentralen Element von Facebook. Das Design der Nachrichtenchronik wird seitdem ständig überarbeitet, seit 2012 findet man dort auch Werbung.

Daumen hoch für Facebook

Im Februar 2009 führt Facebook den „Gefällt mir“-Knopf ein. Damit können Nutzer zeigen, dass ihnen etwas gefällt und dafür sorgen, dass sie bestimmte Nachrichten in ihren Newsfeed gespeist bekommen. Inzwischen hat das Symbol eine popkulturelle Bedeutung erlangt.

Profitabel dank Sandberg

Im März 2008 gibt Facebook bekannt, Sheryl Sandberg als Chefin fürs Tagesgeschäft (COO) von Facebook einzustellen. Der Auftrag der Harvard-Absolventin und ehemaligen Google-Managerin ist klar: Sie soll Facebook profitabel machen, was ihr zwei Jahre später auch gelingt. 2012 wird sie vom Time-Magazin in die Liste der 100 einflussreichsten Personen aufgenommen.

Umzug im Großformat

Mehr als 2000 Mitarbeiter beschäftigt Facebook im Juli 2011 – und allmählich werden die überwiegend angemieteten Gebäude in Palo Alto zu eng. Das Online-Unternehmen wird auf der Suche nach einer neuen Zentrale wieder im Silicon Valley fündig: Auf dem ehemaligen Campus des Computerherstellers Sun Microsystems stehen Mark Zuckerberg und seinen Mitarbeitern neun Gebäude auf knapp 24 Hektar zur Verfügung. Weil Facebook kurz zuvor 1,5 Milliarden Dollar von seinen Investoren eingesammelt hat, kann es sich den Umzug problemlos leisten.

Instagram und Whatsapp

Die bis dato größte Investition tätigt Mark Zuckerberg im April 2012: Für eine Milliarde US-Dollar schluckt Facebook das Start-Up Instagram. Das Unternehmen hatte eine gleichnamige App entwickelt, mit der man Fotos bearbeiten und teilen kann. Mit der Übernahme weicht Zuckerberg erstmals von seiner bisherigen Philosophie ab, die nur ein soziales Netzwerk für alle Nutzer vorsah. 2014 bewältigt Facebook eine weitaus größere Übernahme: Die Instant-Messaging-App Whatsapp kostet insgesamt 19 Milliarden Dollar.

Erst hui, dann pfui, dann hui

16 Milliarden US-Dollar an nur einem Tag – so viel Geld spült der bis dato größte Börsengang eines Internet-Unternehmens am 18. Mai 2012 in die Kasse von Facebook. Obwohl Experten einen deutlichen Anstieg des Kurses vorausgesagt hatten, bricht der Wert der Aktie dramatisch ein. Bis August 2012 halbiert sich der Ausgabepreis von 38 Dollar. Erst ein Jahr später wird dieser Wert wieder erreicht – danach steigt die Aktie in ungeahnte Höhen.

Jeder siebte bei Facebook

Im September 2012 verkündet Mark Zuckerberg stolz, dass Facebook die Marke von einer Milliarde Mitglieder geknackt hat. Rein rechnerisch ist somit jeder siebte Mensch der Welt bei dem sozialen Netzwerk angemeldet. Dabei haben die rund 1,3 Milliarden Einwohner Chinas bisher noch nicht einmal offiziellen Zugriff auf Facebook. Die Mitgliederzahlen steigen weiter, wenn auch langsamer als früher.

Geschäftsmodell überzeugt Anleger

Facebook reagiert auf die zunächst schlechte Entwicklung der Aktie: Das Unternehmen setzt alle Hebel in Bewegung, damit die Werbung in dem sozialen Netzwerk einträglicher wird, sowohl auf dem Desktop als auch auf mobilen Geräten – mit Erfolg. So gelingt es auch, die skeptischen Anleger zu überzeugen. Die Facebook-Aktie steigt im Oktober 2015 auf mehr als 100 Dollar.

Zudem will sich Facebook mit der Suche stärker als Nachrichtennetzwerk positionieren: Wenn ein Link häufig geteilt wird und somit viele Nutzer darüber diskutieren, taucht er in der Ergebnisliste auf. Als Beispiel zeigt das Unternehmen, wie die Suche nach dem Begriff „Wasser“ zum Thema „Wasser auf dem Mars“ führt – wer darauf klickt, bekommt in einer Übersicht mehrere Artikel und Videos zu dem Thema angezeigt, außerdem, was die eigenen Freunde dazu schreiben.

Da viele der 1,4 Milliarden Nutzer bei Facebook diskutieren, was sie gerade bewegt, hat das Unternehmen die nötigen Daten, um einen Seismographen von Eilmeldungen und Trends zu bauen. Damit erhöht es den Druck auf Twitter: Der Kurznachrichtendienst dient vielen Nutzern als Nachrichtenticker und baut mit der Funktion „Moments“ derzeit etwas Ähnliches. Die Funktion reiht sich in diverse Neuerungen der vergangenen Monate ein, die alle zum Ziel haben, Facebook zum Rundum-sorglos-Portal zu machen, das Nutzer nicht mehr verlassen müssen.

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