Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

28.07.2013

11:25 Uhr

Neue Technologie

Wikipedia kämpft gegen Autorenschwund

VonChristof Kerkmann

Jeder nutzt es, aber kaum jemand beteiligt sich daran: Das Mitmach-Lexikon Wikipedia braucht dringend mehr freiwillige Autoren. Zwei neue Funktionen sollen die Leser motivieren, selbst Hand an die Artikel zu legen.

Beliebte Wissensquelle: Wikipedia sucht freiwillige Mitarbeiter. dpa

Beliebte Wissensquelle: Wikipedia sucht freiwillige Mitarbeiter.

DüsseldorfFür viele Internet-Nutzer ist Wikipedia eine unverzichtbare Wissensquelle. Doch nur ein Bruchteil von ihnen arbeitet an dem Online-Lexikon mit. Dabei sind die Artikel das gemeinsame Werk Tausender Freiwilliger – eine zentrale Redaktion gibt es nicht.

Zwei neue Funktionen sollen nun Besucher motivieren, selbst Hand anzulegen: Zum einen ist es ab jetzt möglich, auch mit dem Smartphone oder Tablet-Computer Artikel zu bearbeiten – zunächst jedoch nur für registrierte Nutzer. Zum anderen wird ein sogenannter Visual Editor eingeführt, mit dem die Bearbeitung ähnlich leicht ist wie in einer Textverarbeitung. Dieser soll die technische Hürde senken, sich am Mitmach-Lexikon zu beteiligen. Beide Funktionen werden – Wikipedia-typisch – schrittweise eingeführt.

Die Projekte sind für Wikipedia von großer Bedeutung: Die Zahl der aktiven Mitarbeiter, die mindestens fünf Mal im Monat an einem Artikel basteln, sinkt kontinuierlich; derzeit tragen weltweit etwas mehr als 80.000 Menschen zu den verschiedenen Projekten der Wikimedia-Stiftung bei, zu denen neben Wikipedia auch Projekte wie die Mediensammlung Commons und der Reiseführer Wikivoyage gehören. Die neue Technik soll helfen, den Schwund zu stoppen.

Alles rund um Wikipedia

Nicht-kommerzielles Projekt

Wikipedia ist ein nicht-kommerzielles Projekt - hinter dem Online-Lexikon steht eine amerikanische Stiftung, die Wikimedia Foundation. Wikipedia-Mitgründer Jimmy Wales richtete sie 2003 ein und übertrug ihr die Namensrechte, die zuvor bei ihm und seiner Firma Bomis gelegen hatten. Etliche nationale Organisationen unterstützen die Stiftung, in Deutschland beispielsweise der Verein Wikimedia Deutschland.

Finanziert mit Spenden

Wikimedia kümmert sich um die Server, entwickelt die Software-Plattform weiter und fördert freies Wissen, etwa durch Projekte in Schulen und Universitäten. Die Stiftung finanziert sich vor allem über Spenden – Werbung wird auf der vielbesuchten Wikipedia-Website nicht geschaltet.

Freie Lizenzen

Die Inhalte von Wikipedia und Schwesterprojekten wie der Bilddatenbank Commons erschaffen und verwalten Freiwillige unter freier Lizenz. Das heißt: Prinzipiell darf sie jeder nutzen.

Lexikon zum Mitmachen

Wikipedia ist ein Lexikon zum Mitmachen. Es ist das bekannteste Beispiel für Wiki-Software: Es handelt sich um Webseiten, die jeder Benutzer ohne großen Aufwand bearbeiten kann. Alles was er dafür braucht, ist ein Browser. Die Veränderungen sind in der Regel sofort sichtbar. Alte Versionen werden abgespeichert, jeder Schritt kann nachvollzogen werden. Aber auch immer mehr Firmen nutzen das Wiki-Prinzip, etwa fürs Wissensmanagement.

Diskussionen über Relevanz

Platz ist theoretisch für alle Themen – allerdings löscht die Gemeinschaft Artikel, die sie für nicht relevant hält. Gerade in Deutschland gibt es teilweise heiße Debatten darüber, ob ein Thema einen Eintrag verdient oder nicht.

Prominente Irrtümer

Viele Wikipedia-Artikel sind genau so akkurat wie ihre Gegenstücke im Brockhaus oder der Encyclopaedia Britannica. Die Autorengemeinschaft pflegt aktuelle Ereignisse nicht selten binnen kürzester Zeit ein und bügelt Fehler meist schnell wieder aus. Wenn die „Weisheit der Vielen“ versagt, kann es allerdings zu peinlichen Pannen kommen. So jubelte ein Scherzbold Theodor zu Guttenberg kurzzeitig einen zusätzlichen Vornamen unter, was einige Medien offenbar ungeprüft übernahmen. Politiker und Unternehmen haben schon häufiger versucht, ihre Einträge zu schönen.

Geschwister der Wikipedia

Das Online-Lexikon Wikipedia hat diverse Geschwister, die ebenfalls unter dem Dach der Wikimedia-Stiftung ein Zuhause finden. Sie gibt es Commons, eine Datenbank für Medien– vor allem Fotos, aber auch Videos, Landkarten und Grafiken. In Wikiquote sammeln die Nutzer Zitate von mehr oder weniger berühmten Persönlichkeiten. Wikiversity ist eine Online-Plattform „zum gemeinschaftlichen Lernen, Lehren und Forschen“. Seit kurzem gehört auch der Online-Reiseführer Wikivoyage zur Familie.

Mit dem Editor für mobile Geräte reagieren die Wikipedianer auf den Trend zum mobilen Internet. Rund 15 Prozent der Nutzer besuchen Wikipedia mit dem Smartphone oder Tablet-Computer, Tendenz deutlich steigend. Deswegen sei es wichtig gewesen, einen Editor für mobile Geräte zu entwickeln, erklärt die Wikimedia Foundation, die das Wissensprojekt betreibt. Das Programm sei aber noch nicht ausgereift – es werde kontinuierlich weiterentwickelt.

Der Visual Editor soll zudem die Einstiegshürde abbauen – wer bislang Artikel verändern möchte, muss bestimmte Befehle beherrschen, beispielsweise um den Text zu formatieren oder Fußnoten einzufügen. Eine einfachere Handhabung sei die Voraussetzung, um die Zahl der Mitarbeiter zu erhöhen, schreibt die Wikimedia-Stiftung als Begründung für die Einführung des Werkzeugs. Bislang steht der Visual Editor nur angemeldeten Nutzern der englischen Wikipedia-Version zur Verfügung, bald soll er aber auch in anderen Sprachen angeboten werden.

Kommentare (56)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Account gelöscht!

28.07.2013, 12:14 Uhr

Die Wikipedia hat mehrere Nachteile und Hürden:

- Themen die politisch irgendeine Bedeutung haben, werden durch ständige Änderungen laufend umgefärbt.

- Etliche Spaßvögel, Wichtigtuer usw verhunzen, verfälschen gute Artikel

- Die Administratoren kommen sich mitunter bzw oft genug zu wichtig vor und löschen gute Beiträge oder drohen sie Löschung aus fadenscheinigen Gründen an.

- Die Hürden bei der Ausbesserung bzw Ergänzung von Artikeln ist zu hoch.

Beispeiel: Einstein lehrte in den USA in Princeton. Er wurde aber unter den berühmten Namen dieser Uni nicht genannt, nur wesentlich unbedeutendere. Ich ergänzte es mehrfach, ... wirkungslos. Ob es heute dort richtigerweise steht, ist mir inzwischen so egal wie die ganze Wiki-Geschichte

Account gelöscht!

28.07.2013, 12:41 Uhr

Ich stimme framu zu. Es sind nicht die technischen Hürden, die einen Autor irgendwann frustrieren, sondern die Edit Wars und die Admins, die ihren Job nicht tun. Da hilft auch kein hübscher WYSIWYG Editor.

Turing

28.07.2013, 13:09 Uhr

Die Wikipedia ist Haufen Müll. Viele Artikel sind ein Ärgernis, weil es keine klaren Vorgaben zum Stil gibt. Schlechten Stil findet man z. B. im Artikel über Larry Bird: "Bird genoss sein Leben in den folgenden Jahren in vollen Zügen, spielte Golf und ließ die Dinge locker angehen." - Sowas kann man allenfalls in einer Zeitschrift schreiben, aber nicht in einer Enzyklopädie. Man selbst bessert ja gerne aus, gerade bei Grammatik- und Rechtschreibfehlern. Aber einen halben Artikel schreibe ich ungern um. Und ich bin nicht wohl der Einzige, der den schlechten Ausdruck irgendwelcher "Kiddies" berichtigen will, weil es schlichtweg zu viel Arbeit ist. Ich habe auch schon in mathematischen Artikeln Herleitungen lesen können, die Sätze mit dem Subjekt "wir" enthalten: "Wie wir sehen[...]" - Schlechter Stil, der nicht in eine Enzyklopädie gehört.

Und die Wikipedia ist sehr links. So wird bei fast allen FDP-Politikern kritisches erwähnt, genauso bei Gentechnik, Kernenergie und liberalen Themen. Das ist okay, wenn auch manche kritische Anmerkungen wenig Fundament haben. Dass aber bei den "Gender Studies" unterschlagen wird, dass sie sehr umstritten sind, ist nicht okay. Gleiches gilt für den Artikel über die "Queer-Theorie".

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×