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05.03.2003

12:00 Uhr

Neue Verfahren in den Startlöchern

MP3 kommt in die Jahre

VonEdgar Lange

Das Audio-Kompressionsverfahren MP3 hat sich auf breiter Front durchgesetzt, kommt aber langsam in die Jahre. Neue Techniken schaffen noch mehr Platz und einen besseren Klang. Fünf Konkurrenten streiten sich um die Nachfolge. Wer das Rennen macht, ist noch nicht klar.

HB DÜSSELDORF. Der wachsende Trend, Musik aus dem Netz oder von CD möglichst klanggetreu auf winzige tragbare Abspielgeräte zu bringen, erfordert neue ausgefeilte Audio-Kompressionstechniken. Brausen Musikdaten von der Original-CD noch mit 1,4 MBit/s in den Verstärker – viel zu viel für die Zwergen-Player – so pressen Komprimierungsverfahren wie MP3 die Töne wie eine Ziehharmonika zusammen: Sie verringern den Datenstrom der Töne auf zehn Prozent – und das ohne bemerkenswerte Qualitätsverluste.

Eine MP3-Datei benötigt so nur 128 Kilobit pro Sekunde – die doppelte ISDN-Geschwindigkeit. Dies ist aber immer noch viel, wenn man bedenkt, dass die herkömmlichen 56-K-Modems noch sehr weit verbreitet sind. Das von der Fraunhofer-Gesellschaft entwickelte und weit verbreitete Musikformat MP3 hat sich in den vergangenen zehn Jahren auf breiter Front durchgesetzt und bestimmt immer noch den Markt. Doch andere Systeme mit deutlich besseren Leistungswerten stehen bereits in den Startlöchern.

Einfacher Kunstgriff

Die Audio-Kompression nutzt einen ganz einfachen Kunstgriff: Wegen der begrenzten Aufnahmefähigkeit des Gehirns werden nur die Bestandteile der Tonsignale an das Bewusstsein weitergeleitet, die auch unserer Aufmerksamkeit bedürfen. Deswegen erkennt der Mensch nicht alle Schallfrequenzen gleich gut: Man nimmt an, dass nur weniger als fünf Prozent aller am Ohr eintreffenden Audioinformationen auch tatsächlich vom Gehirn wahrgenommen werden. Dementsprechend könnte ein Musikstück theoretisch auch auf fünf Prozent „eingedampft“ werden, ohne dass der Mensch einen hörbaren Unterschied wahrnimmt. Encoder entscheiden dazu, was beim Kodieren weggelassen werden kann.

MP3 hat dieses Prinzip als erste Technologie genutzt, als Nachfolger kommt der ebenfalls von der Fraunhofer-Gesellschaft entwickelte Standard MP3Plus mit nur noch 96 KBit/s aus. Dieser ist allerdings nicht mehr frei verfügbar, sondern bedarf einer kostenpflichtigen Lizenz. Mit einem kostenlosen Code ausgestattete Audio-Software, wie MP3 oder Ogg Vorbis, kann hingegen entsprechend günstiger an den Kunden abgegeben werden.

Deswegen und wegen der großen Verbreitung vermutet Philips-Sprecher Klaus P. Petri: „Bis die MP3-Front bröckelt, kann man noch lange warten.“

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