Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

31.01.2007

16:11 Uhr

Neuer Service

Die SMS-Laternen von Lemgo

In Lemgo wird ein neuer Service getestet. Per SMS können Nachts die Laternen der Stadt angeschaltet werden. Auch andere Kommunen sind an der Idee interessiert, denn immer mehr Gemeinden sparen auch beim Straßenlicht.

Viele Kommunen sparen - auch bei der Straßenbeleuchtung. So ist der Fahrradweg auf dem die Kinder von Dieter Grote abends oft nach Hause fahren, von 22.30 Uhr an unbeleuchtet. Seine Frau habe sich daher Sorgen gemacht, erzählt Grote. Dann hatte der Mitarbeiter einer örtlichen Werbeagentur die Idee: eine SMS-Laterne.

Per Kurzmitteilung vom Handy gehen im Lemgoer Stadtteil Dörentrup die Lampen wieder an, bisher allerdings nur auf einer zweieinhalb Kilometer langen Teststrecke. Den Bürger kostet die Erleuchtung 50 Cent, die Stadt nichts. „Es ist ein völlig neuer Geschäftszweig“, schwärmt Dieter Grote.

Die Idee kam ihm in einer Ausstellung in der historischen Maschinenhalle der Stadtwerke. Dort habe Grote einen alten münzbetriebenen Stromzähler gesehen, wie er früher in Sporthallen oder bei säumigen Kunden im Einsatz war. Dieses Prinzip trimmte er zusammen mit den Stadtwerken auf modern.

Das Prinzip ist ganz einfach: An der Teststrecke, einer Straße mit Rad- und Fußweg in Dörentrup, werden die Signale des Handys über ein Modem in den Straßenbeleuchtungs-Verteilungsschränken an die Laternen weiter gegeben. Für eine Viertelstunde haben die Bürger dann Licht. Die Nutzer müssen sich allerdings mit ihrem Handy bei den Stadtwerken registrieren lassen und für den Strom bezahlen. Im derzeitigen Probebetrieb sei dies allerdings noch nicht möglich. Später soll das Modell auch für Parks oder Sportplätze genutzt werden.

„Dial4Light“ (Wähle für Licht) haben die Lemgoer ihre Idee genannt. Doch sie wollen kein falsches Signal aussenden: Es sei nicht geplant, dass die Kommunen nun überall früher die Lichter ausgehen lassen, sondern es handele sich um eine „Ergänzung“ für Vororte und den ländlichen Raum. „Die Leute sind bereit, dafür einen gewissen Obolus zu entrichten“, sagt Renate Dalbke, Marketingleiterin der Stadtwerke Lemgo.

Die Größenordnung des neuen Geschäfts ist Dalbkes Angaben zufolge zwar noch unklar. Aber: „Dass die Stadtwerke damit auch Geld verdienen wollen, ist ganz klar als Ziel vor Augen.“ Nach den Worten des 54-Jährigen steht die Gründung einer eigenen Firma bevor - mit Grote als Ideenlieferant und den Stadtwerken, die die Technik liefern.

Auch das Interesse anderer Kommunen ist groß. Es habe Kontakte zu Essen, Köln, dem Ruhrgebiet und der münsterländischen Stadt Ochtrup gegeben, erzählt Grote. Die Finanznot treibt immer mehr Städte dazu, die Lichter früher auszuschalten, bestätigt Martin Lehrer, Sprecher des Städte- und Gemeindebundes Nordrhein-Westfalen. „Es ist schon ein genereller Trend. Überall wird der kommunale Haushalt auf Sparmöglichkeiten abgeklopft.“ Genaue Zahlen zu den Abschaltungen gebe es nicht.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×